Fetzig und modern: Graffitikunst im Schulunterricht

Von: Naima Wolfsperger
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Graffiti ist Kunst auf großen Flächen: Da kommt Lake13 die Wand der Gemeinschaftshauptschule auf der Liester gerade recht. An fünf Tagen hat er mit den Schülern das grau-in-grau in eine Farbenpracht verwandelt. Foto: N. Wolfsperger
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Graffiti ist Kunst auf großen Flächen: Da kommt Lake13 die Wand der Gemeinschaftshauptschule auf der Liester gerade recht. An fünf Tagen hat er mit den Schülern das grau-in-grau in eine Farbenpracht verwandelt. Foto: N. Wolfsperger
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Täglich grüßt nicht mehr das Murmeltier im Innenhof der Propst-Grüber-Schule auf der Liester, sondern dieses von Schülern selbst geschaffene Kunstwerk mit Stolberger Bezug.
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Täglich grüßt nicht mehr das Murmeltier im Innenhof der Propst-Grüber-Schule auf der Liester, sondern dieses von Schülern selbst geschaffene Kunstwerk mit Stolberger Bezug.
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Täglich grüßt nicht mehr das Murmeltier im Innenhof der Propst-Grüber-Schule auf der Liester, sondern dieses von Schülern selbst geschaffene Kunstwerk mit Stolberger Bezug.

Stolberg. Riesige Graffitis zieren seit Mittwoch die Wand der Propst-Grüber-Schule auf der Liester. Der Alptraum vieler Hausbesitzer ist hier keine Schmiererei, sondern Kunstunterricht mal ganz anders: fetzig, modern und so richtig bunt.

Die Schüler haben das triste Grau auf ihrem Schulhof in eine Farbenpracht verwandelt – und das mit regionalem Bezug. Die Burg ist jetzt auf der Schulwand verewigt und auch ein Ritter. „Vorher hat‘s da vor allem Schmierereien gegeben“, sagt André Vroomen.

Der 15-Jährige besucht die achte Klasse der auslaufenden Gemeinschaftshauptschule und hat sich gleich an zwei Tagen mit der Sprühdose an der Innenhofwand des Schulgebäudes zu schaffen gemacht. Fünf Tage lang haben die Propst-Grüber-Schüler für das Graffiti gebraucht.

Die Organisation und die Vorbereitung lief aber zwei Monate, erzählt Rüdiger Remmert, der an der Schule unterrichtet. Das Ergebnis kann sich sehen lassen – und das findet auch Schuldirektor Thomas Jansen: „Wir kennen das ja alle, wenn man zur Arbeit geht: Täglich grüßt das Murmeltier. Da bringt so ein bisschen Farbe doch Schwung ins Ganze!“ Und, „es zeigt auch, dass noch so einiges passiert und, dass es nicht an Engagement mangelt. Obwohl hier die Türen bald schließen.“ Die Propst-Grüber-Schule läuft mit dem Schuljahr 2016/17 aus.

Am meisten Graffiti-Engagement hatte wohl Remmert. Er ist der Lehrer der von den Schülern im Unterricht bei technischem und perspektivischem Zeichnen gefragt wurde, ob denn auch einmal Graffitis gemacht werden könnten. Er hat seine Schüler mit diesem Wunsch nicht im Stich gelassen und alle Hebel in Bewegung gesetzt: Das Einverständnis der Schuldirektion eingeholt, die sich wiederum um die Genehmigung der Stadt und um die Fördergelder kümmern musste, das Gerüst, dass der Schule schließlich kostenfrei zur Verfügung gestellt wurde.

Auch für die Jugendlichen war das Projekt nicht nur Spaß, sondern verlangte auch einigen Einsatz: Sie durften zwar zu den Farbdosen greifen, aber zuvor mussten sie die gesamten Flächen auch reinigen und grundieren. Ganz schön viel Arbeit. „Das war gar kein Problem, die haben sofort mit angepackt“, lobt Remmert seine Schüler. Der Lehrer war es auch, der die Zusammenarbeit mit „Lake13“ angeleiert hat. „Ein regionaler Bezug war uns bei den Graffitis wirklich wichtig“, sagt Remmert, „und Lake13 hat das wirklich gut umgesetzt.“

„Lake13“ heißt eigentlich Lars Kesseler und gilt als einer der Pioniere in der Graffiti-Szene. Er ist 1972 in Heinsberg geboren worden, in Belgien aufgewachsen und lebt heute in den Niederlanden. Er arbeitet aber in Aachen. 1996 hat er eine Ausbildung als Gestaltungstechnischer-Assistent abgeschlossen und 2001 sein Design-Studium an der Fachhochschule Design in Aachen. Seit 2002 arbeitet er als freiberuflicher Designer.

In Aachen hat er ein eigenes Atelier, das nach seinem Künstlernamen benannt ist und einen Anlaufpunkt für Graffitikunst und Kunstinteressierte ist. Seit elf Jahren unterrichtet er in Graffitiprojekten und -workshops – wie hier an der Propst-Grüber-Schule – auch an Jugendeinrichtungen und bei der Volkshochschule. „Mir ist eben wichtig, dass die Jugendlichen in den Workshops sprühen – oder in Projekten an legal bereitgestellten Flächen und nicht am Zug“, sagt Lake13. Und: „Graffiti ist Kunst. Das kommt auch immer mehr in der Gesellschaft an.“

„Da wurde mir erst klar....“

Petra Jansen, Leiterin des Schulverwaltungsamts, hatte die Aktion im Vorfeld genehmigt. Als ihr die Bilder des fertigen Graffitis geschickt wurden, ist sie dann doch kurz erschrocken: „Da wurde mir erst klar, wie groß die Sache wird.“ Aber groß muss ja nicht immer schlecht sein und groß ist genau das, „was Graffiti eigentlich ausmacht“, sagt Lake13, der von der „Art Tour de Stolberg“ 2012 bekannt sein dürfte.

Julia Recker ist von der Graffiti-Aktion an ihrer Schule hell auf begeistert. „Ich zeichne sehr gerne, aber mit Graffiti ist das doch was anderes“, sagt die 15-Jährige, „Da hat man einfach viel mehr Platz als auf einem Blatt Papier.“ Die Farben und großen Flächen haben ihr sogar so viel Freude gemacht, dass sie sich vorstellen kann in Zukunft damit ihr Geld zu verdienen. Sie hat sich jetzt um ein Praktikum bei einem Maler und Lackierer beworben.

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