Fertigmenüs aus dem Münsterland für Astronauten

Von: dpa
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Blumen zum Abschied: Oliver Knickel (3.vl.) zwischen seinen Kollegen.

Stolberg/Rheine. Was in vielen deutschen Kantinen auf den Mittagstisch kommt, macht auch Raumfahrer satt. Bei dem jüngst beendeten 105-tägigen Marsflug-Experiment verzehrten die sechs Probanden - darunter der Deutsche Oliver Knickel (29) aus der Donnerberg-Kaserne - nicht etwa Astronautenkost aus der Tube, sondern Fertigmenüs aus dem Münsterland.

Genau 4633 Portionen lieferte Kantinen- und Tiefkühlmenü-Spezialist apetito mit Sitz in Rheine nach Moskau. Zu den 59 verschiedenen Gerichten zählte etwa Hühnerfrikassee mit Reis, Rinderbraten mit Kartoffeln und Bohnen sowie Kirschpfannkuchen.

Wissen für eine Mission

Sonderschichten seien für die Extra-Lieferung an das Projekt „Mars500” nicht nötig gewesen, sagte eine apetito-Sprecherin mit Verweis auf die 500.000 Portionen, die täglich allein in Rheine zum Beispiel für Kantinen, Altenheime und Schulen hergestellt werden.

In Moskau war kürzlich das gut drei Monate dauernde Isolationsexperiment zu Ende gegangen, mit dem Wissen für eine Mars-Mission in einigen Jahrzehnten gesammelt werden soll. Die Münsterländer waren aufgrund „persönlicher Kontakte nach Russland” zum Raumkapsel-Lieferanten geworden.

Und auch, „weil bei den Menüs sämtliche Inhaltsstoffe und Nährwerte exakt angegeben sind”, erklärte die Firmensprecherin. Diese Angaben waren wichtig, weil in der nachgebauten Weltraumstation am Moskauer Institut für biomedizinische Probleme auch Experimente zur Ernährung auf dem Programm der sechs „Marsianer” standen. So wollen etwa Wissenschaftler der Universität Erlangen-Nürnberg den Zusammenhang von Salzaufnahme und Blutdruck näher ergründen.

Ob die Gerichte allerdings auch für eine echte Marsmission tauglich wären, ist fraglich: Zum einen würde eine Reise zum Mars etwa zwei Jahre dauern. Zum anderen war schon für die 4633 gelieferten Portionen Platz für vier Paletten notwendig.

Aber für die Fortsetzung der Langzeitexperiments der Moskauer im Frühjahr 2010 sei man bereits „im Gespräch” - bei gleichbleibender sechsköpfiger Besatzung müssten dann knapp 23.000 Portionen Hühnerfrikassee und Co. auf die Reise nach Russland gehen. Ob Oliver Knickel die Speisen geschmeckt haben oder ihm die Kost in seiner Donnerberg-Kaserne lieber ist, ist übrigens nicht überliefert.

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