Stolberg-Vicht - Fernstudium in Hamburg, Fußball daheim

Fernstudium in Hamburg, Fußball daheim

Von: Jan Schlegelmilch
Letzte Aktualisierung:
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Aachen, Kleve, Essen: Die Stationen seiner Fußballer-Karriere zieren das Wohnzimmer von Patrick Schnier in Stolberg-Vicht. Mittlerweile spielt der 22-Jährige wieder für seinen Heimatverein Alemannia. Dort will er möglichst bald den Sprung von den Amateuren in die erste Mannschaft schaffen. Foto: J. Schlegelmilch

Stolberg-Vicht. „Für Schnierchen läuft´s wie am Schnürchen” titelte die Stadionzeitung von Rot-Weiß Essen in der vergangenen Saison vor dem traditionsreichen Derby gegen Preußen Münster.

„Schnierchen” ist der Spitzname von Patrick Schnier, für den die ersten Monate nach seinem Wechsel ins Ruhrgebiet nach Wunsch verliefen. Der junge Stolberger und Rot-Weiß Essen - das passte. „Unser absolutes Ziel war die 3. Liga, alles andere wäre auch peinlich gewesen. Wir hatten eine richtige Übermannschaft”, erzählt Schnier von Essens geplanter Rückkehr in den Profifußball. Und Profifußballer zu werden, das war auch sein großes Ziel.

Mittlerweile steht Patrick Schnier bei Alemannia Aachen unter Vertrag. Dort gehört er derzeit zum Kader der zweiten Mannschaft - der Traum vom Profidasein ist deshalb noch nicht ausgeträumt. Der Weg durch das Aachener Amateurlager soll nur ein Umweg sein.

Der Förderer nimmt seinen Hut

Doch was war aus den Essener Ambitionen geworden? „Am Anfang lief es super”, erinnert sich Schnier immer wieder gerne an die ersten Spiele für den Deutschen Meister von 1953 zurück. Trainer und Manager Thomas Strunz hatte den heute 22-jährigen Offensiv-Allrounder von Regionalliga-Absteiger Kleve für zwei Jahre nach Essen an die Hafenstraße geholt, wollte ihn behutsam aufbauen. Bereits am 3. Spieltag stand Schnier gegen den 1. FC Saarbrücken in der Startelf. „Ich habe viel Einsatzzeit gehabt. Aber in Essen werden die Fans nach ein paar Niederlagen sehr unruhig, also war Thomas Strunz schon nach wenigen Spieltagen weg”, erinnert sich der Stolberger - der Förderer musste früh seinen Hut nehmen.

Plötzlich lief nichts mehr wie am Schnürchen. Uwe Erkenbrecher und Ralf Aussem übernahmen die Mannschaft, Schnier spielte - auch aufgrund von vielen Verletzungen - kaum noch. Und dann, während der gemeinsamen Abschlusstour der Mannschaft, ereilte Schnier und seine Mitspieler die Nachricht von der Insolvenz ihres Arbeitgebers.

„Samstags wurde noch ein Vertrag eines Spielers verlängert, Montag auf Mallorca haben wir dann davon erfahren. Das war ein richtiger Schlag”, stand Schnier zu einem Zeitpunkt, zu dem viele Vereine in ihrer Kaderplanung schon fortgeschritten waren, plötzlich ohne Verein da. Den Niedergang eines Traditionsklubs hatte Schnier bereits zwei Jahre zuvor bei seiner ersten Station im Seniorenfußball erlebt, als er den ambitionierten - und später insolventen - KFC Uerdingen in Richtung Kleve verließ.

Doch die Saison unter Trainerikone Aleksandar Ristic beim KFC bereitete den Stolberger nur zu gut auf das vor, was junge, talentierte Fußballer, die den Traum vom Profigeschäft träumen, erwartet. „Das war ganz alte Schule, da bin ich von der U19 knallhart im Männerfußball gelandet”, erzählt Schnier und schmunzelt.

Im Gegensatz zu seinen alten Arbeitgebern hat Patrick Schnier das Ziel Profifußball aber noch lange nicht aufgegeben. Der 22-Jährige, der am Stolberger Goethe-Gymnasium sein Abitur gemacht hat, plant zwar zweigleisig und ist an der FH Hamburg für ein Fernstudium der Wirtschaftspsychologie eingeschrieben, nimmt jetzt aber in seiner fußballerischen Heimat einen neuen Anlauf.

Zur neuen Saison wechselte Schnier - wie sein Essener Trainer Ralf Aussem - zu den Amateuren von Alemannia Aachen, seine Möbel stehen nicht mehr in Bottrop, sondern wieder in Vicht.

In Aachens Jugend hatte Schnier zuvor schon von der C- bis zur A-Jugend gespielt. „Sportlich ist das natürlich ein großer Rückschritt”, bedauert Schnier den Gang in die NRW-Liga, in der er auch auf die zwangsabgestiegenen Essener treffen wird. „Aber ich habe hier gleichzeitig eine große Chance, da ich näher am Profifußball bin als in der Regionalliga”, weiß der technisch versierte Fußballer um die Philosophie der Alemannia, auf junge und ehrgeizige Spieler aus der Region zu setzen.

„Damals hat nie einer aus der Jugend eine Chance bekommen, jetzt sind fünf Leute, die jünger sind als ich, in der Startelf. Ich will mich am liebsten hier in Aachen bei meinem Heimatverein durchsetzen, wo ich mich wohlfühle und jeden kenne. Aber ich bin jetzt neu, will mich erst einmal empfehlen und auf mich aufmerksam machen.”

Drei Spiele, drei Scorerpunkte

Der Kontakt zu Erik Meijer ist zwar noch nicht hergestellt. Sollte Schnier so weiter machen, wie bisher, wird der Aachener Manager den Stolberger aber mit Sicherheit bald persönlich kennen lernen wollen. Zwei Tore und eine Vorlage stehen für Schnier nach drei Spielen zu Buche. Für „Schnierchen” läuft es also wieder wie am Schnürchen.
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