Feministische Formeln und ordnungspolitische Rezepte unwirksam

Von: mlo
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Stolberg. Beim ersten Bürgerinnen-Forum der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) ging es um das Thema „Angst in dunklen Straßen – Frauen und ihre Sicherheit in Stolberg“. Die Vorsitzende Yvonne Mees formulierte mit Nachdruck, dass diese Veranstaltung nicht für Menschen sei, die eine Bürgerwehr gründen möchten oder der „Pegida-Bewegung“ angehören.

Wie sich im weiteren Verlauf des Abends herausstellte, haben die Menschen speziell bei Dunkelheit Angst an der Mühlener Brücke, am oberen Steinweg vom Bürgerbüro bis zum Kaufhaus Kohler, am neuen Parkplatz hinter dem Schmuckgeschäft Nolte mit seinen schlecht ausgeleuchteten Parkplätzen und auf dem Weg vom alten Goethe-Gymnasium zur Bergstraße.

Das Resümee war, nicht zu kapitulieren und die Stadtteile aufzugeben. Es wurden mehr Polizeipräsenz gefordert und härtere Strafen für die Täter. Als weitere Lösungsmöglichkeit gelte es, das Vertrauen der Frauen in die eigenen Fähigkeiten zu stärken.

Gleichstellungsbeauftragte Susanne Goldmann hatte in der Einführung viel Theorie aus dem Buch „Raum beißt nicht“ von Kerstin Sailer, Mitarbeiterin bis 2004 in der Abteilung für Planungs- und Architektursoziologie am Institut für Geschichte und Theorie, Fachbereich Architektur der Universität Hannover, jetzt wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl Industriebau der Technischen Universität Dresden, aufgezeigt. Definiert wurde Sicherheit als gefühlte („Safety“), subjektive (persönlicher Eindruck und Emotionen und tatsächliche) Sicherheit („Security“). Es ging um gebauten und sozialen Raum, um ländlichen gegenüber urbanem Raum, Öffentlichkeit und öffentliche Räume.

Die öffentlichen Städte befinden sich durch die Digitalisierung im Wandel. Man denke an die Einkaufszentren, die außerhalb der Stadt liegen. Es ging um die Frage, ob alles umsonst gewesen sei, die Anfänge von den feministischen Debatten über Männergewalt in den 70er Jahren, der Versuch, die sichere Stadt zu gestalten, bis hin zu neueren Entwicklungen wie Videoüberwachung oder Zero Tolerance. Klar war, dass weder feministische Formeln noch ordnungspolitische Rezepte zum Ziel führen. Goldmann fordert frauengerechte Stadtplanung, denn die Angst gehe nicht von gebauten Räumen, sondern von sozialen Räumen aus. Einstehen für eine offene und integrative Stadtentwicklung, die von vielfältigen sozialen Gruppen geprägt ist, sei auch für Stolberg denkbar – wie es die „Neue Charta von Athen 1998“ fordere.

Dass Stolberg nicht mehr so sicher ist wie angenommen, zeigte die polizeiliche Statistik, die Yvonne Mees zitierte. Die Straftaten wie sexueller Missbrauch, Taschen- und Ladendiebstähle, Sachbeschädigung und Rauschgiftdelikte haben seit 2013 stetig zugenommen und entgegen der Veröffentlichung von Seiten der Polizei seien lediglich Straßenraub und Vergewaltigung zurückgegangen.

Beim letzteren Delikt widersprach Agnes Zilleken vom Frauen-Notruf Aachen. Aus ihren Erfahrungen gebe die Zahl kein realistisches Bild wieder, denn es gebe eine hohe Dunkelziffer in diesem Bereich. Sexuelle Gewalt finde zu 20 Prozent an öffentlichen Orten statt und zu 80 Prozent im privaten Bereich, so die Expertin. Sie sieht ihre Arbeit darin, betroffene Frauen und Mädchen ab 15 Jahren bei Fragen zu Schutzmaßnahmen, Strafanzeige, Nebenklage, Gerichtsverhandlung et cetera zu beraten und zu unterstützen. Jede siebte Frau werde mindestens einmal im Leben das Opfer von sexueller Gewalt. Wichtig sei ihr auch die Prävention, vor allen Dingen was die K.o.-Tropfen betrifft. Zillekens Wunsch ist, die Gewalt in der Gesellschaft nicht nur unter den Frauen zu sehen: Frauen und Männer müssten gemeinsam handeln, denn das Thema gehe alle an.

Auf Fragen aus der kleinen Diskussionsrunde, wie man Kinder heute erziehen soll, sprach sie kleinschrittig vorzugehen. Die Gefahren müssen früh angesprochen werden, denn durch die Medien seien die Kinder vielen Gefahren ausgesetzt. Sie brauchen klare Grenzen und sollen gesund selbstbewusst sein.

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