Stolberg - Fastenbrechen wird zum Fest der Kulturen

Fastenbrechen wird zum Fest der Kulturen

Von: Dirk Müller
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Mehrere hundert Gäste konnten die Initiatoren beim großen Iftar-Fest zum Ende des Fastenmonats Ramadan in der Stadthalle begrüßen. Foto: D. Müller
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Religionsattaché Ahmet Dilek lobte das Miteinander der Religionen... Foto: D. Müller
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. . . ebenso wie Stolbergs Pfarrer Hans Rolf Funken. Foto: D. Müller

Stolberg. Noch sind die Teller leer, die Stadthalle ist bereits gut gefüllt. Hunderte Gäste sitzen zusammen und warten darauf, dass die Sonne untergeht und sie bei dem großen Iftar-Fest das letzte Fastenbrechen in diesem Ramadan gemeinsam begehen können.

„Merkt man den Fastenmonat in der Türkei eigentlich der Wirtschaftskraft an?“, fragt Hanns Kreutz seinen Tischnachbarn. „Nicht nur in der Türkei, teilweise wirkt sich der Ramadan auch hier aus“, antwortet Mehmet Ekin.

Er lebt seit 37 Jahren in Stolberg und erzählt Kreutz, dass es allein in Istanbul rund 130 Möglichkeiten gibt, jeden Abend des Ramadans nach Sonnenuntergang in größeren Gemeinschaften das Fastenbrechen zu begehen. Kreutz will wissen, was es mit den Arbeitern auf sich hat, die derzeit das Glasfaserkabel für schnelles Internet in Stolberg verlegen. „Da sind doch bestimmt auch muslimische Arbeiter dabei. Wie schaffen die es, bei der Hitze schwer zu arbeiten, ohne tagsüber zu trinken und zu essen?“, möchte Kreutz wissen. „Das absolute Fasten ist ja keine Pflicht, man muss das nicht tun“, klärt Ekin auf. „Nur wer kann, soll verzichten – nicht nur Kinder, schwangere Frauen und Kranke sind ausgenommen, sondern es gilt: Das Fasten darf auf keinen Fall der Gesundheit schaden.“

Die angeregten Gespräche an den Tischen in der Stadthalle verstummen plötzlich, denn es erklingt der Gebetsruf von Muhammer Ayar, dem Imam der Ditib-Gemeinde in Alsdorf-Mariadorf. Anschließend verteilen viele flinke Hände das Essen: Eine kräftige Suppe, Rindfleisch, Reis, Gemüse, Salat und „Baklava“ zum Nachtisch werden serviert. Mehr als 1000 Menüs sind vorbereitet. Sie werden kostenlos ausgegeben, bei dem Stolberger Iftar-Fest, das die türkische Mittelstandsvereinigung Side gemeinsam mit den muslimischen Gemeinden Ditib (Rathausstraße), IBV (Schneidmühle), Igmg (Eschweilerstraße) und der Türk Federasyon zum siebten Mal veranstaltet.

Zum ersten Mal dabei ist Sigrid Robert, die mit ihren christlichen Verwandten in die Stadthalle gekommen ist. „Aus Interesse“, sagt sie und ist angetan von der „sehr angenehmen Atmosphäre. Die Menschen sind wirklich freundlich. Man wird schon im Eingangsbereich sehr herzlich begrüßt. Es ist toll zu erleben, wie groß hier die Gastfreundschaft geschrieben wird“, beschreibt Robert ihre ersten Eindrücke.

Vor dem Sonnenuntergang begrüßen Canan Gakmak und Asiye Yildiz die Gäste. Die Frauen sprechen die Besucher wechselweise auf Deutsch und auf Türkisch an. „Für uns ist das Miteinander und das Kennenlernen von besonderer Bedeutung. Die Grundlagen eines friedlichen Zusammenlebens sind Respekt und Toleranz und die Akzeptanz aller Mitmenschen in ihrer Vielfalt“, betonen sie.

Pfarrer Hans Rolf Funken hebt hervor, dass Fasten Gläubige an hungernde und notleidende Menschen erinnere: „Fasten soll dazu beitragen, zu Gott und zueinander zu finden“, sagt der katholische Geistliche und bekräftigt, wie wichtig es sei, Vorurteile abzubauen und „ein gutes Miteinander in unserer gemeinsamen Stadt Stolberg zu pflegen“.

Das Fasten und mehr verbinde Muslime und Christen, meint derweil der Landtagsabgeordnete Stefan Kämmerling (SPD) und lobt: „Die Gastgeber machen das Fastenbrechen in Stolberg zu einem Fest der Kulturen, der Vielfalt und der Gemeinschaft – das finde ich fantastisch.“ Abdullah Kurt, Vorbeter des IBV, rezitiert Koransuren auf Türkisch und Deutsch, und der Kölner Religionsattaché Ahmet Dilek richtet ein Grußwort an die Gäste. Als das Fasten gegen 22 Uhr letztmalig in diesem nun endenden Ramadan gebrochen wird, spricht Muhammet Özgen von der Igmg das Tischgebet ebenfalls zweisprachig, dankt Allah für das gute Essen und bittet ihn, arme und hungernde Menschen – egal welcher Religion – zu speisen.

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