Fasten ist gut für Körper und Seele

Von: Heike Eisenmenger
Letzte Aktualisierung:
Die Fastenzeit ist gut für Ge
Die Fastenzeit ist gut für Geist und Körper: Wichtig ist aber eine gesunde, ausgewogene Ernährung und ein bisschen mehr Bewegung. Das wissen auch Silvia und Heinz Engels. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg. Der Alkohol floss in den vergangenen Wochen reichlich, und geschlemmt wurde auch, als ob es die Waage im Badezimmer nicht gäbe. Doch nun ist Schluss ist damit - am Mittwoch beginnt die Fastenzeit. Bis Ostern, also für die nächsten 40 Tage, wird in der katholischen und in der evangelischen Kirche gefastet.

Doch es geht beim Fasten nicht nur darum, einen Bogen um Schokolade zu machen und den Wein im Keller zu lassen: Vielmehr ist Fasten Mittel zum Zweck, es hilft sich über bestimmte Dinge bewusst zu werden. „Die Fastenzeit hat einen spirituellen Ansatz”, bringt es Privatdozent Dr. Dr. Christoph Dietrich vom Bethlehem-Gesundheitszentrum auf den Punkt.

Damit ist das Fasten auch keine Frage der religiösen Überzeugung oder Ausrichtung, sondern es tut Geist und Körper gut. Die Gesundheit profitiert, wenn wir auf Süßigkeiten, Alkohol oder Nikotin verzichten. Das kann aber etwa auch Kaffee sein: Statt acht Tassen sind es nur drei. Populär ist auch das radikale Fasten. Auf dem „Speiseplan” stehen nur Wasser, ungesüßter Tee und vielleicht noch eine klare Brühe. Von dieser Art des Fastens rät Dietrich jedoch dringend ab. Bei kranken Menschen sowieso, aber auch wer gesund ist, sollte davon Abstand nehmen. „Eine extreme Hungerkur ist für den Körper eher belastend”, stellt der Chefarzt der Klinik für Innere Medizin des Stolberger Krankenhauses klar.

Die Fastenzeit an sich befürwortet der 42-Jährige jedoch voll und ganz. „Es geht beim Fasten darum, auf Dinge zu verzichten, an denen das Herz hängt.” Positiver Nebeneffekt: Am Ende der Fastenzeit ist einem nicht nur leichter ums Herz, sondern die meisten sind auch etwas schlanker als vorher. Der Wunsch, Gewicht zu verlieren, spielt beim Radikalfasten eine zentrale Rolle. „Für eine dauerhafte Gewichtsreduktion ist das radikale Fasten überhaupt nicht geeignet.” Sobald wieder normal gegessen wird, schießt das Gewicht hoch. Und nicht selten ist man schwerer als vorher, zumal je nach genetischer Veranlagung das schnelle Ab- und Zunehmen unschöne Spuren hinterlassen kann, denn die Haut muss sich in einem relativen kurzen Zeitraum zusammenziehen und wird dann wieder gedehnt.

Radikal zu fasten, ist aber laut Dietrich aus einem weiteren Grund kontraproduktiv: „Die Leber ist sozusagen das Kraftwerk unseres Körpers. Wird die Kalorienzufuhr komplett eingestellt, muss der Körper auf die Fettreserven zurückgreifen, um die nötige Energie zu gewinnen. Was zur Folge hat, dass die Leber verhältnismäßig große Mengen an Fett verstoffwechseln muss”, erklärt Dietrich.

Die Leber wird somit mehr belastet als entlastet. An dieser Stelle kommt spätestens das Gegenargument, der Körper werde entschlackt, ins Spiel. „Wie soll dieses Entschlacken denn funktionieren?”, erwidert der Mediziner. Die Leber sei das zentrale Organ, um Giftstoffe und Stoffwechselprodukte abzubauen, gibt Dietrich zu bedenken.

„Nur durch Weglassen von Nahrung und große Flüssigkeitszufuhr kann die Leber aber nicht schneller abbauen. Es werden seit Jahren Untersuchungen zu diesem Thema gemacht, die das belegen”, berichtet Dietrich. Dennoch ist Flüssigkeit ein markantes Stichwort für Dietrich: „Reichlich Wasser oder ungesüßten Tee zu trinken, ist generell wichtig. Ideal ist, wenn es bis zu 2,5 Liter pro Tag sind.”

Das Auto auch mal stehenlassen

Wer trotz der Argumente des Chefarztes am radikalen Fasten festhält, sollte dies auf 24 Stunden begrenzen und während dessen sogar vier bis fünf Liter Flüssigkeit zu sich nehmen.

Zusammengefasst ist die Botschaft klar: Radikales Fasten ist für den Körper eher schwierig und als Mittel zur Gewichtsabnahme absolut ungeeignet. Das „normale” Fasten, sprich der Verzicht auf Genussmittel, hingegen ist nicht nur aus spiritueller Sicht sinnvoll, sondern auch zur schonenden Gewichtsreduktion. Es wird langsam abgenommen, weil überflüssige Kalorien wie etwa durch den Verzicht auf Alkohol und Süßigkeiten wegfallen.

Zur Fastenzeit gehört für Dietrich auch, nicht so bequem zu sein, Mobilität zurückzugewinnen. Statt den Knopf des Fahrstuhls zu drücken, wird die Treppe genommen. Statt für den kurzen Weg zum Briefkasten das Auto aus der Garage zu holen, geht man zu Fuß. Das sind nur Kleinigkeiten, die aber in der Summe die Pfunde purzeln lassen und vielleicht dauerhaft im Alltag etabliert werden können.

Und fastet er denn auch? „Ja. Meine Schwäche ist Schokolade. Aber die ist bis Ostern gestrichen”, versichert der Chefarzt lächelnd.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert