Aachen - Fast 40 Jahre lang ein Vorbild der „Nachrichten”: „Charly” Ohst ist tot

Fast 40 Jahre lang ein Vorbild der „Nachrichten”: „Charly” Ohst ist tot

Von: Georg Müller-Sieczkarek
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Karl Ohst ist tot. Der langjährige Chefredakteur unserer Zeitung starb am 15. Februar. Er wurde 81 Jahre alt. Fast vier Jahrzehnte lang prägte Karl Ohst das Profil der „Nachrichten” mit, zehn Jahre lang stand er an der Spitze der Gesamtredaktion.

Leben und Arbeiten waren stets verknüpft mit Stolberg, seiner Stadt. Dort übernahm der gebürtige Dürener 1957 nach Zwischenstationen im hessischen Korbach und Göttingen die Leitung unserer Lokalredaktion. Jeder, der ihn kannte, nannte ihn wie selbstverständlich „Charly”. Er selbst aber ging mit dem Du sehr sparsam um. Plumpe Vertraulichkeit, Kumpanei gar waren ihm zuwider. Er achtete auf Abstand, aber vermittelte dennoch allen, die zu ihm kamen, das Gefühl, wichtig zu sein. Weil es aufrichtig war, war es überzeugend.

Karl Ohst war ein exzellenter Lokaljournalist: offen, bodenständig, akribisch, neugierig, kritisch, meinungsfreudig. Und vor allem: außergewöhnlich hartnäckig. Wenn er ein Thema für sich erkannt hatte, dann ließ er nicht mehr locker. Politiker quer durch alle Lager haben das erlebt, manche auch erlitten. Unabhängigkeit war ihm keine Floskel: Der Journalist Ohst wollte zwar stets der Alles-Wisser sein, aber nie zum Mitwisser werden.

Macht - haben Medien Macht? „Ein Journalist hat Einfluss”, hätte er wohl in seiner abwägenden Art gesagt. Aber er zögerte nicht, seinen Einfluss geltend zu machen, wenn ihm der Gang der Dinge missfiel. Falls nötig, tat er das auch mit Macht.

Der Erfolg gab ihm recht. Karl Ohst machte die liberalen „Nachrichten” im eher konservativen Stolberg zum mit Abstand meistgelesenen Blatt am Ort.

Als er 1994 die Leitung der Chefredaktion in Aachen abgab, hatten die „Nachrichten” die höchste Auflage seit ihrer Gründung im Januar 1945.

Ein bequemer Chef war er nicht und wollte es wohl auch nicht sein. Er hatte seine sehr eigene Auffassung davon, wie Zeitung zu machen und vor allem zu organisieren sei. Das war anstrengend und zeitraubend. Mitunter stritt man miteinander über die Formulierung eines Halbsatzes - eine halbe Stunde lang. Meistens gewann er. So endeten Arbeitstage nicht selten erst nach Mitternacht. Karl Ohst verlangte sich und anderen viel ab. Wer mit ihm arbeitete, hatte das zu akzeptieren. Da war dem überzeugten Protestanten eine geradezu calvinistische Arbeitsethik zu eigen.

Aber er ließ andere und ihre Meinung gelten, auch wenn er sie nicht teilte. Fairness war für den Vater dreier Söhne praktizierte Lebensmaxime. Eine Grundhaltung, die sich in zahlreichen seiner Kommentare widerspiegelte.

Zwei Sätze haben wir Jüngeren oft von ihm gehört. Der eine lautete: „Zeitung ist kein Entertainment, Information ist alles.” Der andere: „Wenn sich die Tageszeitung wandelt, wird sie bestehen.” Beides galt, und beides gilt.

Alle, die Karl Ohst erlebt haben, ob als Förderer, Kollegen oder Vorgesetzten, werden sich auch in Zukunft gerne und dankbar an ihn erinnern.
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