Fantasieland in stimmungsvoller Architektur

Von: Toni Dörflinger
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Der unterste Hof, auch Burg Bl
Der unterste Hof, auch Burg Bleibtreu genannt, hat seinen Charme behalten. Foto: T. Dörflinger

Stolberg. Efeu hat die alte, verfallene Kapelle fest im Griff und sorgt dafür, dass das auf einem Hügel liegende Gebäude, das einst dem Industriellen Emil Schleicher als Grablege gedient hat, einen geradezu mystischen Charakter erhält.

Zu finden ist die Ruine im „Schleicherpark”, der im Zeitraum von 1890 bis 1910 entstanden, im Mittelpunkt des von der Stolberg-Touristik organisierten Denkmaltages am Sonntag, 11. September, steht.

Mit diesem Vorhaben - das Stadtführerehepaar Katharina und Helmut Schreiber wird die Besucher gruppenweise mit den historischen und landschaftlichen Besonderheiten des ansonsten für die Öffentlichkeit nicht zugänglichen Geländes vertraut machen - beteiligt sich die Stolberg-Touristik an der bundesweiten Aktion „Tag des offenen Denkmals”, die in diesem Jahr unter dem Motto „Romantik, Realismus, Revolution - Das 19. Jahrhundert” steht.

Denn der Romantik und ihren Ideen fühlte sich Emil Schleicher verpflichtet, der Ende des 19. Jahrhunderts das zwischen Fettberg und Kohlbuschweg liegende Terrain mit Gedenksteinen, Wasserfällen, einer Grotte und einem See ausstatten ließ. Ziel der Umgestaltung des zuvor durch die Münsterbuscher Zinkindustrie und ihrem Schwefeldioxidausstoß schwer in Mitleidenschaft gezogenen Geländes, war es, dem idealisierten Landschaftsempfinden des 19. Jahrhunderts gerecht zu werden, indem man die Natur buchstäblich in Szene setzte.

Kaum gepflegt

Dieses führte dazu, dass Schleicher eine Fantasielandschaft gestaltete, die sich durch verschlungene Wege, eine artenreiche Vegetation und stimmungsvolle Architekturelemente auszeichnete. Wenn man heute das in Richtung Schlossberg weisende Gelände betritt, ist von der einstigen Pracht nur noch wenig zu sehen. Die alte Wegführung ist zerfallen, die Gedenksteine sind umgestürzt oder von Erde bedeckt und die alte Kapelle, die in ihrem Untergeschoss eine Gruft enthält, ist zur Ruine verkommen.

Allerdings hat das rund 4000 Quadratmeter große Gelände, das in den vergangenen 50 Jahren wenig Pflege erfuhr, seinen Charme bewahrt. Denn das urwaldähnliche, morbid wirkende Areal hält viele Geheimnisse bereit: Künstlich angelegte, kaskadenartige Wasserläufe oder eine Aussichtsplatform, die durch Bäume verstellt zwar keinen Blick mehr auf die alten Kupferhöfe „Unterster Hof” oder „Weide” freigibt, aber einen so fantasievollen Namen trägt wie „Guillam-Höhe”.

Einer der sich in dieser romantischen Wildnis auskennt, ist Klaus Schleicher. Der 57-Jährige, der als Prokurist im Auftrag der Firma Schleicher tätig ist, die sich inzwischen nur noch der Immobilienverwaltung und -betreuung widmet, hat die Wege, die am 11. September von den Besuchern begangen werden sollen, provisorisch mit rotweißem Absperrband gekennzeichnet. „Das von der Stolberg-Touristik vorgetragene Anliegen, den Park am Denkmaltag zu öffnen, hat mich anfänglich überrascht. Mein spontaner Gedanke war, dort gibt es doch nichts mehr zu sehen”, bekennt der Insider, der selbst überrascht ist, wenn der Waldboden nach kurzem Scharren mit dem Fuß die Überreste alter Inschriftentafeln freigibt.

Allerdings, bevor es soweit ist, dass die Besucher des Denkmaltages, von Katharina und Helmut Schleicher betreut, selbst auf Entdeckungstour gehen können, sind noch etliche Aufräumarbeiten erforderlich, die Schleicher den beiden firmeneigenen Gärtnern übertragen will. Denn die alten Wege müssen freigeschnitten und von Totholz befreit werden. Wenn die Arbeiten erledigt sind, soll eine Route zur Verfügung stehen, die am Untersten Hof, der auch Burg Bleibtreu genannt wird, beginnt und am Kohlbuschweg endet.

Vorbei am Luftschutzstollen

Eine Route, in deren Verlauf die Teilnehmer des Denkmaltages die grottenähnliche Unterführung an der Euregiobahnstrecke, die alte Kapelle, die Gedenksteine, die früheren Wasserfälle „Kaiser Wilhelm” und „Moltke” sowie die „Guillam-Höhe” und den „Godart-See” kennenlernen werden. Außerdem führt der Weg an einem im Zweiten Weltkrieg entstandenen Luftschutzstollen und den Überresten des alten Mühlgrabens vorbei.
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