Familienunternehmen Kerschgens setzt auf den Stammsitz

Von: Michael Grobusch
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Der Geschäftsführer als Mode
Der Geschäftsführer als Moderator: Heinz Herbort hat gestern das neue Formstahl-Center der Firma Kerschgens in Stolberg offiziell in Betrieb genommen. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Das ganze Ausmaß lässt sich nur aus der Luft erfassen: An der Steinbachstraße ist ein Riese zu Hause, den es schon seit 126 Jahren gibt, und der doch oft übersehen wird: die Firma Kerschgens.

Das Stolberger Familienunternehmen entwickelt sich stetig weiter, verfügt mittlerweile über 250 Mitarbeiter an fünf Standorten und seit Donnerstag über das nach eigenen Angaben „modernste Formstahl-Center Europas”. Das war trotz der sonst üblichen Zurückhaltung dann doch ein Grund zum Feiern.

Gut zehn Millionen Euro sind in den vergangenen drei Jahren am Stammsitz investiert worden. Das zeigt Wirkung in einer Branche, die von der Wirtschaftskrise betroffen war und ist. „Die Nachfrage war zuletzt rückläufig, die Margen sind minimal”, berichtete der geschäftsführende Gesellschafter Manfred Kerschgens. Unterm Strich wird sich das auf das Jahresergebnis voraussichtlich mit zehn Prozent weniger Absatz und - wegen gefallener Rohstoffpreise - einem noch deutlicheren Umsatzminus auswirken.

Doch anders als mancher Konkurrent schaffte es der Stahl- und Werkstoff-Großhändler Kerschgens, die schwierigen Zeiten für eine Stärkung am Markt zu nutzen. „Mit der neuen Anlage schaffen wir in Sachen Lieferschnelligkeit, Lagerverfügbarkeit und dem Umfang der Anarbeitungsleistungen neue Maßstäbe”, frohlockte Heinz Herbort am Donnerstag bei der offiziellen Einweihung. Auf mehr als 10.000 Quadratmetern ermögliche das neue Formstahl-Center „das perfekte Sägen, Bohren, Ausklinken, Markieren, Strahlen und Konservieren von Profilen”, so der geschäftsführende Gesellschafter.

Ergänzend wurden fünf neue Kräne angeschafft, die eine noch schnellere, sichere und präzisere Verladung des bearbeiteten Materials ermöglichen - direkt auf den Lastwagen oder in das 21 Meter hohe und 3000 Kassetten umfassende Hochregallager, das Kerschgens vor zweieinhalb Jahren gebaut hatte.

„Eine Investition in dieser Größenordnung war für uns als Familienunternehmen eine gewaltige Herausforderung”, blickt Manfred Kerschgens zurück auf die finanzielle, aber auch organisatorische Leistung. „Alle Baumaßnahmen mussten sich parallel zum laufenden Tagesgeschäft bei Vollbetrieb einfügen”, erklärt Projektleiter Markus Lüttgens. „Ein besonderes Lob gebührt unseren Mitarbeitern, denn sie haben fast zwei Jahre lang unter erschwerten Bedingungen gearbeitet.”

Und nicht nur das: „Die Kollegen sind von der ersten Minute in das Projekt eingebunden gewesen”, betont Heinz Herbort, der darauf verweist, dass es trotz der Automatisierung keine Einschnitte beim Personal gegeben habe. „Niemand ist wegen unserer neuen Anlage entlassen worden.” Stattdessen habe man weitere Geschäftsfelder erschlossen und die Mitarbeiter für die aufgrund der Modernisierung und Technisierung nun anspruchsvolleren Aufgaben qualifiziert. „Die Investition sichert unsere Wettbewerbsfähigkeit und damit den Erhalt der Arbeitsplätze in den nächsten Jahren”, ist Herbort sicher. Das hört man gerne in Zeiten von Massenentlassungen (KME) und Standortschließungen (Bombardier) in der Region. „Sie geben uns ein Vorbild für die regionale Wirtschaft”, lobte Michael F. Bayer, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Aachen. Und Bürgermeister Ferdi Gatzweiler meinte: „Was Sie hier machen, ist leider nicht mehr alltäglich.”

Ausruhen kann sich die Geschäftsführung auf dem Erreichten allerdings nicht, die nächste Investition ist bereits in Auftrag gegeben worden: Ende Februar soll eine Maschine zur Bearbeitung von Platten ihren Betrieb aufnehmen. Kostenpunkt: Knapp 700.000 Euro. Heinz Herbort stellt fest: „Wir sind längst nicht mehr ein reiner Stahlhändler, sondern werden immer mehr zu einem Dienstleister.” Und er lässt keinen Zweifel daran: Diese Entwicklung ist erforderlich, damit der Riese auch in Zukunft seine Heimat an der Steinbachstraße haben wird.

250 Mitarbeiter, 24.000 Sortimentsartikel

Die Kerschgens-Gruppe hat rund 250 Mitarbeiter an den Standorten Stolberg, Würselen, Bitburg, Trier und Viersen und generierte 2011 einen Umsatz von 100 Millionen Euro.

Muttergesellschaft ist die Kerschgens Werkstoffe & Mehr GmbH & Co. KG mit Sitz in Stolberg.

Das Produkt- und Leistungsportfolio umfasst nach Unternehmensangaben 24 000 Sortimentsartikel in den Bereichen Baustahl, Bauzusatzprodukte, Profile, Bleche, Rohre, verzinktes Material, Qualitäts- und Vergütungsstahl, Blankstahl, Edelstahl, NE-Metalle, Lochbleche, Kunststoffe und Schrauben.

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