Stolberg - Familienpaten: Unkomplizierte Hilfe für kleine Stolberger

Familienpaten: Unkomplizierte Hilfe für kleine Stolberger

Von: Sarah-Lena Gombert
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Unkomplizierte Hilfe für Stolberger Familien: Das ist Zweck des Familienpaten-Projekts von Krankenhaus und SkM. In Stolberg werden derzeit 15 Familien von Menschen betreut, die sich gerne mit Kindern beschäftigen. Dazu gehört auch Dorothee Heidbüchel (Mitte). Foto: S.-L. Gombert

Stolberg. Kaum hat Dorothee Heidbüchel die Haustüre des Mehrfamilienhauses in der Stolberger Innenstadt aufgedrückt und die ersten Schritte im Treppenhaus gemacht, stürmen der Seniorin bereits zwei gut gelaunte Kinder entgegen und umarmen sie herzlich. Dorothee Heidbüchel ist nicht etwa die Großmutter von Natalie und Edward.

Trotzdem hat sie die quirligen Zwillinge aufwachsen sehen, gehört sie fest zur Familie dazu. Denn Dorothee Heidbüchel ist Familienpatin in Stolberg. Eine von insgesamt 17 Paten, die sich um derzeit 15 verschiedene Familien in der Stadt kümmern.

„Ich habe, nachdem ich in Rente ging, nach einer sinnvollen Tätigkeit gesucht“, erklärt Dorothee Heidbüchel im Gespräch mit unserer Zeitung. Durch Zufall – auf einer privaten Familienfeier – erfuhr sie vom Familienpatenprojekt, dass das Stolberger Bethlehem-Gesundheitszentrum gemeinsam mit dem Sozialdienst Katholischer Männer (SkM) in der Stadt aufgesetzt hat. Nachdem sie sich als freiwillige Patin gemeldet hat, kam sie bald mit Natalies und Edwards Mutter in Kontakt.

„Ich war damals neu in Deutschland und mit vielem noch etwas überfordert“, erzählt die junge, aufgeschlossene Frau. Als sie in dieser Situation dann mit Zwillingen schwanger wurde, sei das eine besondere Herausforderung gewesen. „Mein Mann und ich waren sehr dankbar, dass uns die Hilfe der Familienpaten angeboten wurde.“

Diese ehrenamtliche Hilfe, die beim SkM von Nadine Lange und beim Bethlehem-Krankenhaus von Martina Küpper koordiniert wird, soll für alle Beteiligten möglichst unkompliziert ablaufen. „Es geht darum, Familien mit Kindern in Stolberg durch einen persönlichen Paten in ihrem Alltag zu entlasten“, erklärt Martina Küpper. Mindestens einmal pro Woche sollten die Paten für ein paar Stunden für die Kinder da sein, um beispielsweise ungünstige Kita- Schließzeiten zu überbrücken.

„Ich konnte mir zuerst gar nicht vorstellen, wie das ist, wenn eine fremde Person in unser Haus kommt und sich um die Kinder kümmert“, sagt die Mutter der Zwillinge Natalie und Edward. Doch zu Dorothee Heidbüchel haben sie und ihr Mann schnell Vertrauen fassen können. Auch beim gemeinsamen Gesprächstermin mit der Presse greift die junge Frau immer wieder nach Dorothee Heidbüchels Hand, um zu verdeutlichen, wie eng der Kontakt über die Jahre geworden ist. Aus der Patin für die Kinder ist auch eine Freundin für die Mutter geworden.

„Ich selbst hatte damals das Gefühl, dass die Familie eigentlich alles schon ganz gut alleine auf die Reihe kriegt“, sagt Dorothee Heidbüchel, „dass sie aber ein bisschen moralische Unterstützung brauchten, einfach etwas Zuspruch in dieser stressigen Zeit.“ Sie kam also zu der Familie nach Hause, half der Mutter beim Lernen für den Integrationskurs und ging mit ihr und den Kindern in Stolberg spazieren. Sie hatte immer ein offenes Ohr für die Sorgen der Familie.

„Im Grunde kann jeder Familienpate werden, der etwas Zeit hat und sich gerne mit Kindern beschäftigt“, sagt Martina Küpper. Nicht alle Paten sind Rentnerinnen oder Rentner. Auch eine Schülerin habe sich schon in Stolberg als Familienpatin engagiert, erklärt Martina Küpper. Bevor aber eine Patenschaft beginnen kann, wird unter anderem ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis verlangt. „Außerdem müssen die Paten bei uns eine Verschwiegenheitsklausel unterzeichnen“, betont die Sozialarbeiterin. Stolberg sei klein, und es müsse gewährleistet sein, dass die Paten diskret mit dem Wissen umgehen, dass sie über die Familien erlangen.

Seit Dorothee Heidbüchel Natalie und Edward zum ersten Mal auf dem Arm hielt, sind Jahre vergangen. Heute wechselt sie keine Windeln mehr, heute besucht sie die beiden regelmäßig, um mit ihnen Gesellschaftsspiele zu spielen oder zu puzzeln, „etwas, das die Kinder nach einem anstrengenden Tag in der Schule beruhigt.“ Darüber hinaus telefoniert sie immer mal wieder mit der Mutter der Kinder.

Trotzdem: Allzu eng sollte der Kontakt von Paten zur Familie nicht werden. „Man muss schon wissen, wo eine Grenze ist“, sagt Martina Küpper. Es habe schon Paten gegeben, die emotional zu stark in das Familienleben involviert gewesen seien. Damit das nicht passiert, kümmern sich SkM und Krankenhaus um ihre Paten. „Es gibt regelmäßige Treffen, in denen wir uns alle austauschen. Darüber hinaus gibt es Schulungen, auf denen die Paten das Rüstzeug bekommen für die Aufgabe, die sie übernehmen.“ Trotzdem betont die Sozialarbeiterin, dass eine Familienpatenschaft niemals eine professionelle Hilfe ersetzen kann oder soll, sollte diese einmal notwendig werden.

„Ich bin sehr froh, dass ich mich damals dazu entschieden habe, dieses Ehrenamt zu übernehmen“, sagt Dorothee Heidbüchel. „Das ist ja nicht nur Arbeit. Man bekommt so viel zurück.“ Sei es die Zuneigung der Kinder, für die sie mittlerweile doch irgendwie zur Oma geworden ist, oder die Freundschaft zu deren Mutter. „Die Familie hat mir auch schon bei einem Umzug geholfen und mich besucht, als ich einmal im Krankenhaus lag“, erzählt die Seniorin.

Nicht alle Patenschaften in Stolberg sind zu so engen Freundschaften geworden wie die von Dorothee Heidbüchel und der Familie, die sie seit mehreren Jahren besucht. Das muss aber auch nicht unbedingt sein. Geht es nach Sozialarbeiterin Martina Küpper, könnte es jedenfalls noch viel mehr Paten geben.

Die Warteliste an Familien, die schnelle und unkomplizierte Hilfe benötigen, ist lang und vielfältig. Einige der Familien haben einen Migrationshintergrund und brauchen Hilfe beim Umgang zum Beispiel mit Behörden. Andere Familien bestehen aus Alleinerziehenden, die einfach mal in Ruhe einkaufen gehen wollen. „Und im vergangenen Jahr hatten wir so viele Geburten in der Stadt“, sagt Martina Küpper.

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