Stolberg-Breinig - Familie Ewig steht hinter Bodenhaltung

Familie Ewig steht hinter Bodenhaltung

Von: Doris Kinkel-Schlachter
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Junge Hühner: Christa und Michael Ewig halten 1500 Hennen auf ihrem Hof in Breinig. Und sie versorgen wöchentlich Stolberger Haushalte mit rund 5000 Eiern. Falsch deklarieren?! Auf keinen Fall, das Vertrauen wäre hinüber. Foto: D. Kinkel-Schlachter

Stolberg-Breinig. Betriebe vor Ort kontrollieren, nicht nur vom Schreibtisch aus. Das fordert Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner beim aktuellen Bio-Eier-Betrug. „Wir werden regelmäßig kontrolliert“, sagt Christa Ewig. „Und haben auch nichts zu verbergen!“ Eier falsch zu deklarieren, das käme für Familie Ewig in Breinig niemals in Frage.

1500 Hühner gackern und picken in zwei Gruppen unterteilt – nach Alter – im Stall umher. Ihre Aufgabe: Eier legen. Hört sich viel an, ist es aber überhaupt nicht, wenn man sich vor Augen hält, dass durchschnittliche Biohöfe rund 20000 Hühner beherbergen. „Eigentlich läuft das Hühnergeschäft bei uns nur nebenbei“, sagt Michael Ewig. Und der älteste Sohn der beiden, Thomas (27), ergänzt: „Wir leben hauptsächlich von der Milchviehhaltung, das Hauptstandbein ist also Milch, aber wir züchten auch.“

5000 Eier pro Woche

Und doch nimmt der Nebenerwerb mit dem Federvieh recht viel Zeit in Anspruch. Die Eier, die die Hühner Tag für Tag legen, gehen in die Direktvermarktung. Das heißt, dass sie nicht in den Handel gelangen, sondern von der Breiniger Familie von Haus zu Haus gebracht werden. „Wir liefern bis in den Kühlschrank“, sagt die 49-Jährige und schmunzelt. Zahlreiche Kunden in Stolberg und der näheren Umgebung bekommen die weißen und braunen Eier aus Breinig. Montags geht‘s mit dem silbernen Van, der bis fast unters Dach mit Palletten und Kartons beladen ist, nach Vicht und Zweifall. Donnerstags liegen Breinig und Breinigerberg sowie Venwegen und Kornelimünster auf der Route, freitags noch mal Breinig, außerdem Büsbach, Innenstadt, Donnerberg, Münsterbusch und Walheim. Und am Samstag kommt der Eiermann beziehungsweise die Eierfrau nach Gressenich, Mausbach, Schevenhütte sowie Hamich.

Gut 5000 Eier bringt die Familie damit Woche für Woche unters Volk, „wir fahren bei Wind und Wetter“, erzählt Christa Ewig, „bei 20 Grad im Trockenen ist es natürlich am schönsten“, fügt der 52-Jährige lächelnd hinzu. „Man ist jede Woche im Gespräch“, erzählt Michael Ewig. Nach dem Dioxin-Skandal im Jahr 2011 hätten ihre Kunden Erklärungsbedarf gehabt, auf den Fall mit dem neuesten Überraschungs-Ei, dem Bio-Betrug, sind die Breiniger Landwirte noch nicht angesprochen worden. „Wir haben ein Vertrauensverhältnis, und das baut sich nicht mal eben so auf, sondern über Jahre hinweg“, sagt Christa Ewig. Außerdem: Bio-Eier gibt‘s am Brauneberg ohnehin nicht, „wir haben hier Bodenhaltung, kein Bio“. Falsch deklarieren sei einfach nicht richtig, „zu dem was man tut, sollte man auch stehen“, ist sich das Paar einig.

Auf Bodenhaltung ist der landwirtschaftliche Betrieb 2007 umgestellt worden, vorher kam das Gegacker aus Käfigen. „Und ich bin auch kein Gegner davon“, so Ewig. Käfighaltung könne bei der Beachtung der nötigen Richtlinien auch vernünftig durchgeführt werden. Nach dem von der EU für 2012 verfügten Aus für Mini-Käfige hat Familie Ewig bei der Umrüstung nicht in größere Käfige, sondern eben in die Bodenhaltung investiert, langfristig die sinnvollere Alternative.

Bald eiert‘s bei Ewigs

„Wir können uns sehr gut mit der Bodenhaltung identifizieren. Die Hühner legen jetzt etwas weniger, aber das ist in Ordnung.“ Die Haltung an sich ist tiergerechter, räumt Christa Ewig ein. Das Huhn habe mehr Platz zum Laufen, könne fliegen, und „hat ein besseres Leben“.

1500 Hennen können ganz schön Krach machen. Wer reinschaut in den Stall am Ortsausgang von Breinig, hört das. Gegacker, Gepieke, Gescharre, Geflatter. Auf der einen Seite sind kürzlich 750 junge Hühner angekommen, unterteilt in weiß und braun. Sie sind hauptverantwortlich für die gefärbten Eier, die es demnächst gibt. In gut einem Monat ist Ostersonntag, und in der Woche davor geht es rund bei den Ewigs: „Dann eiert es bei uns!“

Mit 3000 bis 4000 Eiern im Wagen geht es dann etappenweise nach Düren zur Färberei, damit die Kunden pünktlich zu Ostern Eier in allen möglichen Farben in Nestern, Körbchen und auf dem Tisch haben. Das erklärt auch die Ankunft der jungen Hühner, die im Herbst und eben einige Wochen vor Ostern angeflattert kommen. Mit 17 Wochen auf den Federn kommen sie nach Breinig, in der 20. Woche kugeln die ersten Eier übers Band. Die sind noch schön klein und sind wie gemacht fürs Färben – sobald sie mindestens Größe M haben. Die „alten“ Hühner legen große Eier in L und XL, deren Schale sich aber nicht so gut zum Färben eignet, weil sie dünner ist und damit schneller bricht.

Zurück zu den 1500 gefiederten Zweibeinern. Jede der beiden Gruppen hat einen so genannten Scharrraum. Die Fläche mit lockerer Einstreu aus Hobelspänen dient den Hennen zum Sandbaden, Picken und Scharren. Bei Bodenhaltung muss mindestens ein Drittel der Stallfläche als Scharrraum zur Verfügung stehen. Auf den beiden Podesten gibt es Futter und ständig frisches Wasser aus der „Nippeltränke“. Das Wasser wird freigegeben, wenn das Huhn den Nippel mit seinem Schnabel betätigt. Diese Tränken können nicht so leicht verschmutzen.

Das recht grob gemahlene Legemehl, was die Hühner bekommen, besteht aus Mais, Weizen und Soja. Auf den Recken (Holzständer) sitzen und schlafen die Hennen. Zum Eierlegen ziehen sie sich gerne zurück, und das können sie auch: In Breinig haben sie die Möglichkeit, Eier in kleinen Kästen zu legen, an denen rote Vorhänge angebracht sind. Bei 1500 Hühnern können die Eier natürlich nicht jeden Morgen im Stall gesucht werden, deswegen läuft auch in Breinig einiges automatisch ab: Die Henne legt ihr Ei ins Nest. Von dort gelangt es auf ein Band, welches die Eier in den Vorraum bringt. Dort werden sie mit Hand nach Größen sortiert, „und jedes Ei wird gewogen“. Dann kommt der Stempel „2-DE-0511501“ drauf. Die 2 steht für Bodenhaltung, das DE für Deutschland, die ersten beiden Ziffern, 05, für NRW, der Rest gehört zur Betriebs- und Stallnummer. „Und diese Deklaration stimmt unter Garantie“, betont Christa Ewig. Dass alles rechtens ist, davon überzeugt sich regelmäßig das Veterinäramt, und auch das Landesamt für Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutz NRW kontrolliert regelmäßig. Schließlich werden die Eier in Kartons verpackt, ins Auto geladen und zur Kundschaft gebracht.

Christa Ewig fährt Eier aus, seitdem sie vier Jahre alt ist. Als Kind haben ihre Eltern sie mitgenommen, seit sie mit ihrem Mann den Hof übernommen hat, fährt sie selber, insgesamt also schon 45 Jahre.

„Er lebt für seine Kühe“

Und vielleicht übernimmt irgendwann mal Enkelsohn Jannik den Hof. Der Kleine ist jetzt vier Jahre alt, hegt und pflegt seine Treckersammlung, zieht aber bisher die Kühe eindeutig vor. Ebenso wie sein Vater, Thomas Ewig, der als ältester Sohn von Christa und Michael in die Fußstapfen seiner Eltern und die Betriebsnachfolge antritt.

„Er lebt und stirbt für seine Kühe“, sagt seine Mutter, und schon legt Thomas los: „Hühner sind eins wie das andere, die kann man ja gar nicht mit Kühen vergleichen!“ Die wiederkäuenden Vierbeiner haben auch alle einen Namen und kommen, wenn sie gerufen werden. Den Beruf des Landwirts übt Thomas mit Leidenschaft aus, „jeden Tag steht was anderes an, sonntags gibt‘s eine Überraschung“. Und tatsächlich: Letzten Sonntag hat Kuh Madonna gekalbt, eine Woche früher als geplant.

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