Fairer Handel in Atsch ist bald Geschichte

Von: Lukas Franzen
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Noch sind die Regale im Atscher Weltladen gefüllt, aber vor Weihnachten soll Schluss sein. Heinz Tripp, der sich viele Jahre um das Geschäft kümmerte, hat die Preise der fair gehandelten Produkte bereits reduziert. Er hofft, dass nicht allzu viele Waren übrig bleiben. Foto: L. Franzen

Stolberg. Stolberg-Atsch.„Jetzt gehe ich schon das zweite Mal in meinem Leben in den Ruhestand“, sagt Heinz Tripp. Er lacht. Er wirkt erleichtert. Aber eine ordentliche Portion Wehmut ist auch dabei. Offiziell ging der gelernte Industriekaufmann im Jahre 1998 in Rente.

Inoffiziell tut er es erst zum Ende des Jahres. Dann nämlich beendet Tripp auch sein ehrenamtliches Engagement für den Atscher Arbeitskreis Mutter Teresa, dem er knapp 25 Jahre angehörte.

Weil keine Nachfolger in Sicht sind, die den Arbeitskreis und seine Projekte weiterführen wollen, löst sich die Gruppe um Tripp demnächst auf – nach 37 Jahren. Rund 550.000 Euro hat die Initiative in dieser Zeit zu Gunsten des Mutter-Teresa-Ordens gesammelt. Die monatliche Altpapiersammlung in der Atsch trug einen wichtigen Teil dazu bei. Aber auch der Weltladen, den Tripp und sein Team in den Räumlichkeiten der Pfarre St. Sebastianus direkt neben der Kirche etablierten, leistete seinen Beitrag zum hohen Spendenaufkommen. Auch er wird noch vor Weihnachten Geschichte sein.

„Oft war ich mehr im Laden als zu Hause“, sagt der 79-Jährige. „Der Weltladen war viel mehr Arbeit, als man denkt.“ Tripp kümmerte sich um das Organisatorische, wickelte die Bestellungen für den Weltladen ab, überlegte, welche Produkte aus fernen Ländern in seiner Nachbarschaft Abnehmer finden könnten und übernahm an den Altpapier-Sammeltagen öfters auch den Verkauf. Fairer Handel und Produkte aus ökologischem Anbau liegen eigentlich erst seit wenigen Jahren im Trend. Eine kleine aber wachsende Gruppe von Käufern möchte verantwortungsvoll konsumieren und legt wert darauf, dass Menschen, etwa aus afrikanischen Ländern, Lebensmittel wie Kaffee oder Schokolade unter angemessenen Arbeitsbedingungen zu einem angemessenen Lohn anbauen und produzieren können. Ein Anliegen, das der Arbeitskreis bereits Anfang der 90er Jahre verfolgte, als er den Weltladen eröffnete.

Von der wachsenden Sensibilität für fairen Handel haben Tripp und seine Mitstreiter in den vergangenen Jahren jedoch wenig profitiert. Im Gegenteil. „In den letzten zwei Jahren waren es eher weniger Kunden“, meint Tripp.

Mit einer kleinen Produktpalette ging es damals in der Atsch los. Kaffee und Honig seien schon immer Teil des Sortiments gewesen, erinnert sich Tripp. Aber mit der Zeit wuchs die Produktpalette aus Ländern, die wahlweise als Staaten der „Dritten Welt“ oder als Entwicklungsländer bezeichnet werden. Und nach wie vor sind die Regale mit verschiedenen Teesorten, Erdnusscreme, Schokolade, Kakao und Reis bestückt. Darunter stapelt sich kartonweise Wein: Rotwein aus Südafrika, Weißwein aus Chile. Auch Exotisches ist in dem Weltladen zu finden, zum Beispiel Quinoa. Eine Beilage, die auch als Andenhirse, Inka- oder Perureis bekannt ist. Die meisten Produkte bezieht der Weltladen dabei von der Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt, kurz GEPA.

Sie gilt als größter europäischer Importeur fair gehandelter Lebensmittel und gleichzeitig als Pionier des „Fair Trade“-Gedankens. „In den ersten Jahren sind wir noch selber mit unseren Autos nach Wuppertal gefahren, um dort neue Waren für den Weltladen zu kaufen“, erinnert sich Tripp. In den vergangen Jahren habe sich dies jedoch geändert. Die meisten Mitglieder des Arbeitskreises Mutter Teresa seien, wie er, eben schon älter, sagt Tripp. Viele führen gar nicht mehr mit dem Auto, so dass Tripp in den letzten Jahren stets über einen Katalog des Handelshauses orderte. Tipps und Wünsche seiner Kundschaft waren dabei immer gerne gesehen. Eine Atscherin, erzählt Tripp, habe zum Beispiel den Wunsch nach Honig in kleineren Mengen geäußert, weil dieser dann besser zum Probieren, aber auch zum Verschenken geeignet sei. Tripp berücksichtige das bei seiner nächsten Bestellung und nahm einen Dreierpack unterschiedlicher Honigsorten mit ins Sortiment auf.

Auch in Supermärkten gebe es mittlerweile natürlich fair gehandelte Produkte, weiß Tripp. Aber nicht überall sei die Auswahl so groß, fänden sich auch exotischere Waren in den Beständen der großen Ketten. Lange zurück liegt seine letzte Bestellung für den Weltladen noch nicht. „Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht, dass wir den Arbeitskreis vollständig auflösen werden“, meint Tripp dazu. Damit er nicht auf den Lebensmitteln sitzen bleibt und diese dann irgendwann ungenießbar sind, hat der engagierte Atscher nun die Preise reduziert. Rohrzucker gibt es nun zum Beispiel für vier statt sechs Euro, Kaffee für 4,50 Euro statt 6,60 Euro. Für Tripp steht fest: „Wegwerfen kommt nicht in Frage. Alles was nach dem 20. Dezember übrig bleibt, wird an die Franziskaner-Schwestern des Aachener Schervier-Ordens gespendet.“

Überbleibsel von fair gehandelten Kleidungsstücken, die der Arbeitskreis bei seinen jährlichen Weihnachtsbasaren in der Pfarre verkaufte, hat Heinz Tripp mittlerweile dem Kleiderladen des Deutschen Roten Kreuzes in der Stadthallenpassage zur Verfügung gestellt. „Die Mitarbeiter des DRK haben die Kleidungsstücke natürlich mit Kusshand genommen. Und dort können sie sinnvoll weiterverkauft werden – an Menschen, die es nötig haben“, ist Tripp überzeugt.

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