Stolberg - Fahrzeugbestand bei der Feuerwehr ist stark überaltert

Fahrzeugbestand bei der Feuerwehr ist stark überaltert

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
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Lebensgefahr beseitigt: 103 neue Atemschutzgeräte und einen Kompressor hat die Wehr im vergangenen Jahr unerwartet anschaffen müssen.
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Sie soll weitere zehn Jahre halten: Wartung, Reparaturen und Nachrüstungen an der Drehleiter summieren sich auf 83000 Euro. Foto: J. Lange

Stolberg. Es brennt bei der Feuerwehr. Ihr Bestand an Fahrzeugen ist so überaltert, dass sich Reparaturen und Ausfälle häufen – und damit auch die Kosten steigen. Ganz aktuell auf dem Donnerberg. Wenn die bis zu 36 Köpfe starke Löschgruppe ausrückt, steigt sie jetzt in einen Mannschaftstransporter – ein Ford Transit ohne Feuerwehr-Ausrüstung.

Der steht seit Mittwoch, dem Tag nach der Sitzung des Hauptausschusses, an der Heidestraße. Und die Donnerberger rücken recht häufig aus. Sie zählen mit weiteren vier Löschgruppen zum 2. Zug, der im Umfeld der Innenstadt immer dann gemeinsam mit der Hauptwache ausrückt, wenn mehr als ein Papierkorb brennt.

Normalerweise rücken die Donnerberger mit einem Iveco-Magirus aus, ein so genanntes Löschgruppenfahrzeug 8 mit dem Baujahr 1988. Doch in seinem 25. Lebensjahr machte im Mai die Bremsanlage schlapp. Aufgrund des Alters sind Ersatzteile nicht mehr lieferbar; sie müssen individuell angefertigt werden.

18 Fahrzeuge älter als 20 Jahre

Weil die Donnerberger Löschgruppe die größte im Stadtgebiet ist, wurde ihr aus einsatztaktischen Gründen nach dem Ausbau des Gerätehauses 2011 ein zweites Fahrzeug zugewiesen: ein LF 8 von Daimler-Benz mit dem Baujahr 1972. Diesen „Florian 8-41-4“ hat der TÜV im vergangenen Herbst aus dem Verkehr gezogen. Er wurde durch einen Mannschaftstransporter ersetzt. Der wurde im Mai gegen einen Oldtimer des Baujahres 1972 (8-41-10) ausgetauscht, der wiederum durch ein baugleiches Fahrzeug der Münsterbuscher Löschgruppe mit dem Baujahr 1980 (8-41-6) ersetzt werden sollte. Doch auch in diesem Fall hatte der TÜV etwas dagegen. Es kehrte der 72er Benz zurück an die Heidestraße. Doch mit dem wollen die Donnerberger nicht ausrücken, wie sie in einem Eilbrief an die Ratsfraktionen berichten: „Der technische Zustand weist im Bereich der Lenkung und Bremsen erhebliche Mängel auf. Es ist bereits zu gefährlichen Verkehrssituationen gekommen.“ Nach der Sitzung des Hauptausschusses reagierte die Wehrleitung. Jetzt steht wieder der Mannschaftstransporter in der Fahrzeughalle.

Solche Probleme mit dem Fahrzeugbestand sind kein Einzelfall bei der Stolberger Feuerwehr. Zu ihrem Fuhrpark zählen 34 Fahrzeuge. Nachdem der TÜV zugeschlagen hat, verbliebt noch ein 41-jähriger Mercedes-Oldtimer aus dem Jahr 1972. Weitere sechs Fahrzeuge sind älter als 30 Jahre und wurden zwischen 1980 und 1988 beschafft. Älter als stattliche 20 Jahre sind elf Fahrzeuge, die zwischen 1990 und 1999 zur Stolberger Wehr kamen. Weniger als die Hälfte der Einsatzfahrzeuge – 16 an der Zahl – stammen aus diesem Jahrhundert. „Altersbedingt sind hier Ausfälle vorprogrammiert“, analysiert ganz sachlich Fachbereichsleiter Walter Wahlen, dass weitere unvorhergesehene Reparaturen zu erwarten sind. Mindestens 20.000 Euro sind dafür zu kalkulieren.

300.000 Euro Budget gedeckelt

Hinzu kommen absehbare Wartungs- und Instandsetzungskosten, die gerne auch einmal höher ausfallen, als gedacht. Beispielsweise bei der Drehleiter, die durch die Zehn-Jahres-Inspektion gebracht werden muss – in der Hoffnung, dass sie dann weitere zehn Jahre einsetzbar ist. 55.000 Euro hatte die Feuerwehr für den Haushalt angemeldet, die dort nicht berücksichtigt wurden. 53 000 Euro hätten zur Wartung ausgereicht. Hinzu kommen weitere 22.000 Euro für entdeckte Mängel sowie rund 8000 Euro für erforderliche Nachrüstungen. Das macht rund 83 000 Euro aus, während für eine neue Drehleiter gut 700.000 Euro kalkuliert werden müssten.

Weitere Reparaturen summieren sich. Von den eingeplanten 96.390 Euro sind bis Mitte Juni bereits 78.745 Euro verausgabt. Inklusive Drehleiter stehen als Ausgaben über 170.000 Euro an. Beispielsweise 21.000 Euro für das Venwegener Löschfahrzeug. Das gehört eigentlich dem Land, das aber angesichts des Alters von 24 Jahren die Mängel nicht mehr beseitigen möchte. Einen Ersatz gibt‘s nicht. Verzichten auf das Einsatzmittel kann die Wehr nicht. Sie möchte den Iveco übernehmen und selbst reparieren, denn die Beschaffung eines gleichwertigen Fahrzeuges würde mehr als das Zehnfache kosten.

Gespräch mit den Fraktionen

Ersetzt werden müssen ebenfalls verschlissene Winter- und Sommerreifen an den Rettungsfahrzeuge; Karosserieschäden und ein defektes Seil der Winde am einzigen Rüstwagen der Stolberger harren der Behebung, und auch ein undichter Abstützzylinder am Wechsellader mit Kranmulde füllt die Reparaturliste auf.

Noch liegen die Ausgaben für die Feuerwehr innerhalb des vom Rat angesichts der Finanzsituation auf 300.000 Euro gedeckelten Budgets. Aber es stehen Ersatzbeschaffungen für Fahrzeuge aus. Beispielsweise für den Münsterbu­scher Oldtimer, der auf dem Donnerberg den Geist aufgab. Bereits im Haushalt 2012 wurden 220.000 Euro bereitgestellt. Aber bei der Position musste sich die Wehr bedienen, als im vergangenen Jahr aus Sicherheitsgründen in einen neuen Atemschutz investiert werden musste. Dann musste auf eine Ausnahmegenehmigung bei der Abgasnorm gewartet werden. „Nunmehr ist es dringend ein Ersatzfahrzeug zu beschaffen“, mahnt der Fachbereichsleiter an.

Aus einsatztaktischen Gründen hat die Wehrleitung sich anstelle des Ersatzes für das Löschfahrzeug für einen Wagen entschieden, der sowohl zur Brandbekämpfung wie zur technischen Hilfsleistung verwandt werden kann. Die Mehrkosten liegen bei rund 30.000 Euro. Für die Fahrzeugbeschaffung fehlen aber derzeit unter dem Strich 65.000 Euro, die der Hauptausschuss überplanmäßig bereitstellen müsste. Der beschränkte sich in seiner Sitzung am Dienstag aber erst einmal darauf, 100.000 Euro für die dringendsten Reparaturen bereitzustellen.

Geplant ist nun ein Gespräch zwischen Fraktionen, Verwaltungs- und Wehrleitung, wie angesichts der Finanzlage der Misere beizukommen ist. So gilt die Beschaffung von drei gebrauchten statt eines neuen Einsatzfahrzeuges als eine mögliche Alternative.

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