Fahrer hoffen, dass Kunden treu bleiben

Von: Lukas Franzen
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Für die befragten Stolberger Taxiunternehmer ist die Sachlage einfach: Noch zahlen sie ihren Fahrern weniger als 8,50 Euro. Wenn sie auf diesen Stundenlohn erhöhen müssen, soll das auf die Kundschaft umgelegt werden. Ziehe die nicht mit, koste das Arbeitsplätze. Foto: L. Franzen

Stolberg. Im Taxigewerbe ist vieles vorgeschrieben: die Fahrpreise innerhalb eines Landkreises, die Anzahl der Taxis in einer Stadt und sogar deren Farbe. Was ein Taxifahrer pro Stunde mindestens verdienen soll, wird ab dem 1. Januar 2015 ebenfalls einheitlich geregelt.

Dann nämlich greift der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro auch in der Taxibranche.

Damit die Unternehmer ihre steigenden Lohn- und Lohnnebenkosten kompensieren können, so das Argument, gilt eine Erhöhung der Fahrpreise im nächsten Jahr als sicher. Bis zu 25 Prozent sollen diese nach dem Willen der Fachvereinigung Personenverkehr Nordrhein im ehemaligen Aachener Kreisgebiet steigen – also auch in Stolberg. Ob der Städteregionstag, der letztlich über die Erhöhungen abstimmt, die Maximalforderung von 25 Prozent jedoch mittragen wird, bleibt abzuwarten. Neben der Fachvereinigung haben zwei Aachener Taxizentralen eigene Anträge bei der Städteregion eingereicht, die derzeit geprüft werden.

Wie reagieren Gewerbekunden?

Steigende Löhne, steigende Fahr­preise, weniger Arbeitsplätze? Das befürchtet zumindest der Deutsche Taxiverband und spricht davon, dass 70000 der 200.000 Taximitarbeiter bundesweit ihre Jobs verlieren könnten. Müssen also auch Stolberger Taxi- und Mietwagenfahrer um ihre Arbeitsplätze bangen? „Entlassungen stehen bei uns nicht an“, sagt Marco Böttger, stellvertretender Geschäftsführer von Burg Taxi, das über acht Taxis und vier Mietwagen verfügt. Bei ihm sind derzeit 19 Vollzeitkräfte, dazu 15 Fahrer auf 450-Euro-Basis eingestellt. Was seine Fahrer genau pro Stunde verdienen, möchte Böttger nicht verraten. „Nah am Mindestlohn“ zahle sein Unternehmen aber jetzt schon. Dadurch hofft Böttger, die anstehenden Lohnerhöhungen vergleichsweise leicht kompensieren zu können.

Die beiden anderen Stolberger Firmen, die ebenfalls im Besitz von Taxilizenzen sind, gelangen zu einer pessimistischeren Einschätzung. So erklärt das Unternehmen Taxi Fix, das in Stolberg mit zehn Taxis und sechs Mietwagen fährt, auf Anfrage, dass Arbeitsplatzverluste im nächsten Jahr nicht ausgeschlossen seien. Im Gegensatz zur Konkurrenz liegt der Schwerpunkt von Taxi Fix auf Botenfahrten und Flughafentransfers für Unternehmen in der Region, darunter auch große Stolberger Firmen. Dagegen mache das Privatkundengeschäft lediglich fünf Prozent des Umsatzes aus, wie das Unternehmen erklärt. Man schätze, so ein Firmenverantwortlicher, dass man die Preiserhöhungen bei den gewerblichen Kunden nicht durchsetzen könne. 35 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen aktuell.

Skeptisch ist auch Bert Hannemann, der mit seiner Frau das Taxiunternehmen Vier Wege (ein Taxi, zwei Mietwagen) führt: „Wenn die Fahrpreise steigen und dadurch weniger Menschen Taxi fahren, befürchte ich, dass wir unserem einzigen Aushilfsfahrer kündigen müssen.“

„Es ist deutlich ruhiger geworden“, sagt auch Marco Böttger und meint damit vor allem die niedrigen Fahrgastzahlen, mit denen seine Firma gerade nachts zu kämpfen hat. Weil das Nachtgeschäft deutlich eingebrochen sei, so Böttger, komme es durchaus vor, dass Taxiunternehmen zu bestimmten Zeiten nur noch mit einem Fahrer unterwegs seien, was wiederum die Wartezeiten für die Kunden verlängere. Immerhin, so erklärt Böttger, wolle seine Firma versuchen, die Preise für eine Mietwagenfahrt weiterhin stabil zu halten. Denn im Gegensatz zu Taxis unterliegen Mietwagen keiner Preisbindung, weil diese nicht als öffentliche Verkehrsmittel gelten.

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