Aachen/Stolberg - Ex-Prostituierte sagt aus: Junge Frauen bedroht und ausgebeutet

Ex-Prostituierte sagt aus: Junge Frauen bedroht und ausgebeutet

Von: Wolfgang Schumacher
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Mit der Aussage der zweiten jungen Frau ging der Prozess vor dem Landgericht am Montag weiter. Symbolfoto: Friso Gentsch

Aachen/Stolberg. Bei einem weiteren Tag vor dem Aachener Landgericht im Prozess gegen eine mutmaßliche Zuhälterbande aus Stolberg sagte am Montag das zweite Opfer aus. Angeklagt sind in dem Verfahren die 23-jährige Frederike B. aus Stolberg sowie das Brüderpaar Miguel und Patrick C. (26/28) aus Jülich. Die beiden Männer sollen dem Supporter-Club der Hells Angels, den Black Jackets, angehören oder angehört haben. Alle drei Angeklagten sind wegen Zuhälterei und wegen Menschenhandels angeklagt.

Hatte an den Verhandlungstagen zuvor in ganz leisem und verschüchtertem Ton die Ex-Prostituierte Nadine M. (26) ausgesagt, war am Montag die erst 21-jährige Jessica K. als Zeugin an der Reihe. Die damals junge Mutter Nadine M. („Ich hatte kein Geld für mein Kind“) wurde laut Anklageschrift ebenso wie die damalige Schülerin Jessica K. zur Prostitution in dem Stolberger Haus „Auf der Mühle“ gezwungen. Die erste Zeugin, die erhebliche Angst hatte, überhaupt auszusagen, hatte vor allem den inhaftierten jüngeren Bruder Miguel C. schwer belastet.

Jessica K. hatte es im Jahr 2014 geschafft, sich mit Hilfe eines neuen Freundes aus der Zwangsprostitution zu lösen und einfach zu gehen. Sie wirkte am Montag in ihrer Aussage wesentlich robuster als ihre Ex-Kollegin, die noch währen der Aussage vor der Kammer unter Vorsitz von Richter Hans-Günter Görgen kaum den Anblick der Angeklagten ertragen konnte.

Jessica K. nun belastete insbesondere die heute noch in ihrem bürgerlichen Beruf als Krankenschwester arbeitende Mittäterin Frederike B. schwer. „Das hat alles immer Frederike geregelt“, war ein oftmals wiederholter Satz der Zeugin, die von Richter Görgen immer wieder gefragt worden war, wer nun den größten Anteil an der Zwangsprostitution habe.

Tägliche „Miete“ von 120 Euro

Den größten Druck aber machte wohl die von den Brüdern willkürlich gesetzte tägliche Mietzahlung von 120 Euro für die Nutzung des Bordellzimmers im zweiten Stock des Hauses „Auf der Mühle“. Im Keller habe sich ein Fitness-Raum für die Rocker-Clique befunden. An Aufpasserin Frederike B. hatten die Frauen täglich das Geld cash zu entrichten, sie fungierte als Kassiererin, die die Frauen einwies und das Geld weitergab, soll allerdings auch selber aktiv tätig gewesen sein.

Von März bis Mai 2014 schafften die beiden Frauen gemeinsam für die Stolberger Truppe an. Miguel C. droht stets, dass es bei Nichtbefolgung der Regeln Ärger mit der gesamten Rockergruppe der Black Jackets geben werde. Von dem Hurenlohn sei kaum was übriggeblieben, berichtet auch Jessica K.. Man habe sich nur manchmal ein nettes Wochenende in Aachen machen können, wo man in eine einschlägige, bei den Rockern beliebte Shisha-Bar in der Nähe des Kaiserplatzes ging.

Ansonsten reichte das eingespielte Geld kaum für die Wuchermiete. Jessica K. sei dann im Mai 2014 schwer krank geworden und habe aufhören wollen. Das Ergebnis waren Drohungen von Seiten der Black Jackets, die aber zum Jahreswechsel 2014/2015 aufhörten.

Da sei sie mit ihrem neuen Freund zusammen gewesen und habe ein Kind erwartet. Was sie erst später herausbekam: Der Freund, ein Berufssoldat, hatte wohl in Tagebuchaufzeichnungen beschrieben, wie er Jessica K. von den Zuhältern frei gekauft haben wollte. Als sie ihn zur Rede stellte, waren es zunächst 1800 Euro an Ablösen, dann aber 2500 und schließlich war am Ende von einer Summe in Höhe von 8000 Euro die Rede. Doch die Beziehung zu dem Soldaten ging in die Brüche, Jessica K. landete am Ende mit einem Kleinkind und nach Prügeln von ihrem neuen Freund und Kindesvater im betreuten Wohnen.

K. machte vor Richter Görgen deutlich, dass Frederike B. in allen Dingen den Bordellalltag geregelt habe, Miguel C. allerdings sei der Boss mit handfesten Drohungen gewesen, der mitangeklagte Bruder fuhr wohl mal hier mal da die Frauen außer Haus zu den Freiern. Während ihres Jobs in Stolberg ging die Schülerin noch fleißig auf die Abendrealschule.

Der Prozess wird am 28. November fortgesetzt.

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