Stolberg - EWV will den Gashahn doch nicht abdrehen

EWV will den Gashahn doch nicht abdrehen

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
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Rechtsanwalt eingeschaltet: Besorgte Mieter aus dem RML-Objekten beratschlagen mit Dr. Werner Pfeil (3.v.r.) wie dem befürchteten kalten Winter am besten begegnet werden Foto: J. Lange

Stolberg. Die wichtigste Nachricht für zahlreiche Bewohner der ehemaligen Gehag-Häuser auf der Liester vorweg: Sie sollen von der kommenden Woche an nicht frieren müssen. Die EWV signalisierte am Montag, den Gashahn am 24.November nicht zuzudrehen.

Denn mittlerweile zeichnet sich eine Lösung zwischen dem Versorgungsunternehmen und einer für Teile der Objekte zuständigen Hausverwaltung über die Begleichung rückständiger Gasrechnungen von über 17.000 Euro ab. „Bis Ende der Woche ist uns eine Zahlung zugesichert worden”, erklärte EWV-Sprecherin Michaela Humphries auf Anfrage. „Wir sind auf gutem Wege, alles zu klären”, bestätigte Imverma-Geschäftsführer Gültekin Aka, „und stehen in engem Kontakt zu Dr. Pfeil.”

Wechselnde Hausbesitzer

Der Stolberger Rechtsanwalt macht derzeit das, was die EWV den Mietern rät, falls wider Erwarten nun doch noch die Versorgung unterbrochen werden muss: Die Interessen zu bündeln und direkt mit der EWV zu einer Lösung zu kommen. Eine Option für den schlimmsten Fall, wenn die seit Montag intensivierten Gespräche, in die auch Bürgermeister Ferdi Gatzweiler eingeschaltet , ist zwischen allen Beteiligte doch noch scheitern sollten.

Eine Heizung für alle Häuser

Denn Beteiligte gibt es viele, und noch mehr mögliche Opfer. Als solche fühlen sich die Bewohner der einstigen Vorzeigehäuser auf der Liester aber immer mehr. Immer wieder haben sie es mit wechselnden Eigentümern zu tun, immer größer werden die Beschwerden über die Substanz ihrer Wohnungen, und immer größer die Sorge um Gesundheit und ganz aktuell um eine warme Wohnung, seitdem die Androhung der EWV, das Gas abzustellen im Briefkasten lag. „Denn bezahlt”, so Rechtsanwalt Dr. Pfeil, „haben meine Mandaten die Nebenkosten”. In einigen Fällen habe die Arge das direkt beim Vermieter erledigt. Nur der wiederum habe kein Geld an die EWV überwiesen.

Ein Umstand, den die Düsseldorfer Hausverwaltungs GmbH Imverma auch nicht bestreitet. „Der letzte Monatsabschlag ist noch offen”, erklärt Aka. Aber der Teufel steckt hier im Detail. Das besagt, dass die elf ehemaligen Gehag-Häuser von einer einzigen Heizung aus gewärmt werden. Diese steht im Pirolweg 15. Das Haus Pirolweg 15 ist mit weiteren vier Gebäuden zum 1. Oktober 2008 an die Rhein Münster Liegenschaften GmbH (RML) veräußert worden, die wiederum zur börsennotierten Nau Real Estate Group AG in Berlin gehört. „Weit desolater als gedacht” sei die Stolberger Erwerbung gewesen, sagt Unternehmenssprecher Matthias Mengdehl. Aber die Zahlung der EWV-Rechnung sei „geklärt und sichergestellt”.

Deutlich differenzierter sieht das allerdings die Imverma, die von Düsseldorf aus die fünf RML-Gebäude verwaltet. Dort klagt die Geschäftsführung nicht nur über ausstehende Mieteinnahmen, sondern vor allem über fehlende Abschlagszahlungen der Eigentümer der übrigen sechs ehemaligen Gehag-Gebäuden, allen voran dem direkten Rechtsnachfolger Real Immobilien AG in Köln. „Wir sind zwar der Vertragspartner der EWV”, sagt Gültekin Aka, „aber wir können ja nicht die Gaskosten für alle elf Gebäude alleine vorstrecken.” Und namentlich die Real habe nicht gezahlt.

Das wiederum bestätigte zwar Thomas Löhr, aber der Vorstand der Kölner Real verweist auf gänzlich andere Ausgangsvoraussetzungen: „Uns gehören schon längst nicht mehr fünf Gebäude, sondern lediglich noch fünf Wohnungen, eine davon ist vermieten, und wenige meist leerstehende Gewerbeeinheiten”. Die relativ niedrige Abschlagssumme dafür hätte Real auch sicherlich berücksichtigt, „falls wir eine vernünftige Abrechnung bekommen hätten”, so Löhr. Dann hätten die Kölner diese Summe am liebsten mit ausstehenden Forderungen an die RML verrechnet.

Immerhin sei Löhr sogar auf den Nebenkosten für die drei Monate nach dem Verkauf an RML hängen geblieben. „Aber damit die Mieter nicht in der Kälte sitzen, würden wir die für unsere verbliebenen Wohnungen auch direkt an die EWV zahlen”, sagt der Vorstand. Bereits im Sommer habe er an RML eine fein säuberlich aufgelistete Übersicht mit den Eigentümern der übrigen Wohnungen aus dem einstigen Bestand übersandt.

Die wiederum ist offensichtlich nicht an Imverma weitergeleitet worden, denn Gültekin Aka ging bis Montag davon aus, dass Real sein Hauptansprechpartner sei. „Da gibt es offensichtlich ein riesiges Kommunikationsproblem, das wir nicht auf dem Rücken der Mieter austragen können”, kündigte der Geschäftsführer eine schnelle Aufarbeitung an.

Weitere Sanierungen

Aber auch grundsätzlich Verbesserungen plant Aka insbesondere für die RML-Objekte auf der Liester. Mittels Contracting soll die Heizungsanlage regelmäßig betreut und auch getrennt abgerechnet werden. Geplant sind weitere Investitionen, um den Unterhaltungsstau abzuarbeiten. Nach Ende der Schlechtwetterzeit sollen desolate Fensteranlagen ausgetauscht und die Ursachen von Schimmelbefall in Wohnungen beseitigt werden. Und im Frühjahr sollen auch die Außenanlagen saniert werden.
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