Ewige Rosen für die Gedenkstätte in Oslo

Von: Heike Eisenmenger
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Anziehungspunkt für die Mensc
Anziehungspunkt für die Menschen aus der Region ist das Kupferstädter Weihnachtsschmieden. Vor allem den Kindern macht es Spaß, selbst einmal ein Stück Eisen bearbeiten mit Hilfe von Hammer, Feuer und Schmiedeprofi zu bearbeiten. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg. Feuer kann zerstören, es kann aber für einen Neuanfang stehen, den Weg für neues Leben ebnen. Im übertragenen Sinne trifft das auf die rotglühende Rose zu, die Paul Klaasen behutsam aus dem Schmiedefeuer hervorholt.

Die geschmiedete Rose kann zwar nicht ungeschehen machen, was in Norwegen geschehen ist, aber sie ist ein Symbol dafür, dass Toleranz und Nächstenliebe stärker sind als Fremdenhass.

Der Amoklauf eines Fanatikers auf der Insel Utøya mit dem Bombenanschlag in Oslo am 22. Juli dieses Jahres hat 77 Menschenleben gekostet. Die Ereignisse haben nicht nur die Norweger erschüttert, sondern weltweit Bestürzung ausgelöst. Der Terror hat aber auch die internationale Gemeinschaft näher zusammen gebracht.

40 Rosen für Opfer

Die eiserne Rose, die Paul Klaasen an diesem kalten Dezemberabend auf dem Kaiserplatz mit präzisen Hammerschlägen in Form bringt, wird die Gedenkstätte der Opfer schmücken. Es ist eine von 40 Rosen, „die wir in wenigen Tagen auf die Reise nach Oslo schicken”, erzählt Cornelis Pronk, Präsident des „Internationalen Fachverbandes gestaltender Schmiede” (IFGS).

Der Fachverband organisiert in Stolberg das Weihnachtsschmieden. Dieses Mal haben zwölf Schmiede vor dem Rathaus ihre Öfen aufgebaut.

Das Schauschmieden kommt an, und mittlerweile scheint es sich in der Region herumgesprochen zu haben, dass in der Weihnachtszeit in der Kupferstadt geschmiedet wird. Erhitzen, hämmern, klopfen, erhitzen, hämmern, klopfen: Es braucht Geduld, bis Klaasen aus einem unscheinbaren Stück Metall eine Rose gearbeitet hat.

Besonders schwierig ist es, die Feinheit der Blätter umzusetzen. Mit einer Zange holt er die rotglühende Rose aus dem Feuer. Schön sieht das aus, die sanft leuchtende Rose in der Dunkelheit. Viel Zeit, um das Kunstwerk zu fotografieren, bleibt nicht, denn das Metall kühlt schnell ab.

Der 55-jährige Niederländer betrachtet es als Privileg, zur Gestaltung der Gedenkstätte in Oslo indirekt beitragen zu dürfen. Die internationale Schmiedegemeinschaft empfinde es als Ehre, betont er. Dabei gehe es nicht nur um die gemeinsame Trauer. Die Rosen seien Zeichen der Solidarität und der Überzeugung, dass Frieden und Toleranz stärker als Terror und Hass sind, sagen Klaasen und Pronk unabhängig voneinander.

Die Idee, Rosen für die Gedenkstätte zu fertigen, hatte ein norwegischer Kollege, berichtet Präsident Pronk. „Der Ring der Europäischen Schmiedestädte hatte in Tschechien zum Treffen eingeladen. Während der Versammlung trug der Kollege seinen Vorschlag vor. Wir haben alle sofort begeistert zugestimmt”, erzählt der 58-Jährigen.

Gemeinschaftssinn

Der Ring der Schmiedestädte ist wie der Fachverband ein internationales Netzwerk. Stolberg ist eines der europaweiten Mitglieder des Rings. „Diese Idee entspricht unser Geisteshaltung: Wir sehen uns als eine große Schmiedefamilie”, ergänzt Pronk. „Wenn einer aus der Familie in Not ist, dann steht man das doch gemeinsam durch”, beschreibt der IFGS-Präsident den engen Zusammenhalt der Zunft.

Der ausgeprägte Gemeinschaftssinn unter den Kollegen ist auch für Adi Radermacher und Lars Potente aus Stolberg der Motor ihres Handelns. Der fachliche Austausch sei sicherlich auch ein Argument, aber es seien mittlerweile echte Freundschaften entstanden, versichert Metallgestalter Adi Radermacher, der am kommenden Wochenende die Rose für Oslo schmieden wird.

Die Bandbreite der Dinge, die die Schmiede fertigen, ist groß. Sie reicht von Alltagsgegenständen wie Besteck und Korkenziehern bis hin zum Dekoraktivem wie Kerzenhaltern und Armreifen.

Ein Ehepaar aus Hambach bei Düren ist gleich mit einer ganzen Schar Jungen angerückt. Mit Schutzbrille, Handschuhen und Lederschürze ausstaffiert, dürfen die Kinder den Schmieden zur Hand gehen, einen Haken schmieden und ähnliches. Einer der Jungen ist Konrad Ebel aus Hambach. Der Bummel über den Kupferstädter Weihnachtsmarkt mit Besichtigung der Burg mit all seinen Freunden - das haben ihm seine Eltern zu seinem zwölften Geburtstag geschenkt. „Das macht Spaß”, versichert der junge Dürener, als er einen Hammer auf den Amboss niedersausen.

Nur einen Steinwurf entfernt von Konrad und seinen Freunden preist Janny Huisman Schmiedekunst an. Zwischen geschmiedeten Kerzenleuchtern, Armreifen, Messer, Gabel, Schale, Korkenzieher und Co. funkeln kleine Sterne und Glitterstaub, sogar die Kerzen in den Haltern hat sie angezündet, damit es schöner aussieht. „Blöd ist nur, dass der Wind die Kerzen immer wieder ausbläst”, verkündet sie fröhlich.

Was das Kaufverhalten der Besucher betrifft, sei ein neuer Trend zu erkennen. „Früher haben die Leute Dinge gekauft, weil sie schön anzusehen waren. Heutzutage aber sind Gegenstände für den Alltag beliebt als Accessoires, die keinem unmittelbaren Zweck dienen. Sie finden die Sachen zwar toll, aber das entsprechende Kleingeld dafür ausgeben, wollen sie nicht”, erzählt die Ehefrau des Präsidenten Pronk. Ob das Geschäft gut oder weniger gut läuft, sei jedoch nicht so entscheidend. „Das ist immer so nett hier beim Weihnachtsschmieden in Stolberg. Wenn wir abends zusammenpacken, gehen wir anschließend alle noch zusammen essen. Es sind einfach zwei sehr, sehr nette Tage, die wir hier gemeinsam verleben”, sagt die Niederländerin und das glaubt man ihr auch sofort.

Die Bearbeitung von Glas ist das Handwerk von Berend Leünen aus Hoensbroeck. Er ist zum zweiten Mal beim Weihnachtsschmieden dabei und demonstriert seine Kunst vor Publikum. Brennen kann er das Glas nicht, das würde zu lange dauern, aber der 33-Jährige demonstriert den Besuchern, wie er aus Bruchstücken hübschen Schmuck fertigt. Auffallend sind die niedrigen Preise für die handgemachte Glaskunst. „Man darf beim Weihnachtsschmieden nicht so teuer sein, die Leute müssen sich doch ein bisschen freuen, das ist der Sinn dabei”, so seine Antwort.

Eine der Rosen, die für die Gedenkstätte in Oslo bestimmt sind, schmiedet der Stolberger Adi Radermacher am kommenden Wochenende im Heimat- und Handwerksmuseum in der Torburg (jeweils Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr).
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