„Euregiobahn ist ein Modell für das Land”

Von: Jürgen Lange
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Werbung für die Euregiobahn:
Werbung für die Euregiobahn: Helmut Conrads, Thomas Fürpeil, Reiner Priggen, Dr. Tim Grüttemeier, Hans-Joachim Sistenich, Axel Wirtz, Michael Groschek, Stefan Kämmerling, Hildegard Nießen und Christian Hartrampf (v.r.) diskutieren Perspektiven. Foto: J. Lange

Stolberg. Mit mehr Geld vom Land, das macht der Minister bei seinem Besuch in Stolberg gleich mehrfach klar, damit sollte man lieber nicht rechnen. „Wir steigen am Wochenende in schwierige Haushaltsberatungen ein”, sagt Michael Groschek.

Da wird auch der Minister für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr sein Scherflein beitragen müssen, um die in der Verfassung verankerte Schuldenbremse treten zu können. „Es gibt ein weiter so wie bisher, sondern es wird weniger werden”, kündigt der Sozialdemokrat „schmerzhafte Veränderungen” an, die allerdings ausbalanciert werden sollen.

Auf diesem Balanceakt ruhen dennoch die Hoffnungen der Verantwortlichen, die die Euregiobahn rollen lassen und der Stadt. Denn einerseits soll das Land einen 30-prozentigen Beitrag zur Elektrifizierung der Strecke beitragen, während der Bund 60 Prozent bezahlt.

Die Elektrifizierung sehen die Euregioverkehrsschienennetz GmbH (EVS) als Infrastrukturbetreiber sowie der Aachener Verkehrsverbund (AVV) und der Nahverkehr Rheinland (NVR) als Auftraggeber der Euregiobahn als Voraussetzung für den Ringschluss zwischen Stolberg und Alsdorf an. Er soll „im Fahrplan 2013/14 realisiert werden”, sagt AVV-Geschäftsführer Hans-Joachim Sistenich. Der Förderbescheid für den Ringschluss liege vor; das Konzept die Elektrifizierung sei erstellt.

Neben Investitionen in die Strecke soll sich das Land auch bei flankierenden Maßnahmen engagieren und die erforderliche Aufstockung des P+R-Angebots durch den Bau einer Parkpalette mit barrierefreier Überquerung der Gleise zum Mittelbahnsteig hin („Skywalk”) bezuschussen sowie die Deutsche Bahn AG zum schnellen Handeln bewegen.

„Der Skywalk ist eine ausgezeichnete Lösung”, verspricht Groschek bei der DB Druck zu machen, nachdem er sich vom Zustand der bisherigen Unterführung ein Bild gemacht hat. Sie soll nach derzeitiger Planung durch einen längeren Tunnel am Ende des Bahnsteigs ersetzt werden. „Menschen gehören nicht unter, sondern über die Erde” sagt Groschek und verspricht sich bei der DB für Stolberger Interessen stark zu machen.

Denn der aus Oberhausen stammende Minister zeigt sich begeistert vom Elan und dem Engagement, mit dem in dieser Region die Euregiobahn und die Elektromobilität forciert werden. Über eine Stunde lang hatten zuvor Helmut Conrads, Christian Hartrampf und Thomas Fürpeil (EVS), Hans-Joachim Sistenich (AVV/NVR), stellvvertrende Bürgermeisterin Hildegard Nießen, Dr. Tim Grüttemeier und Eschweilers Bürgermeister Rudi Bertram den Verkehrsminister sowie seinen Landtagskollegen Reiner Priggen und dessen Referenten Horst-Dieter Heidenreich über das Projekt Euregiobahn und mögliche Ausbaustufen nach Baesweiler und Breinig informiert und dabei auch weitere Perspektiven für Personen- und Güterverkehr aufgezeigt. Ein Thema, bei dem das dritte Gleis zwischen Düren und Aachen nicht fehlen dürfen.

Der dokumentierte Erfolg der Partnerschaft von öffentlicher Hand und Privatunternehmen verfehlt seine Wirkung nicht. Der Verkehrsminister nennt die Euregiobahn „ein Modell für das Land”, lobt die Innovation der Region als „Motor für die wirtschaftliche Entwicklung”, und sieht die Projekte zur Elektromobilität der „Städteregion als Vorreiter” - nur Zusagen über eine weitere Förderung lässt sich Michael Groschek trotz aller Begeisterung nicht entlocken.

Allerdings hat er das Aachener Campus-Bahn-Projekt als eines von fünf Highlights zur Förderung beim Bund angemeldet. Mit dem verhandelt das Land ebenso wie Bayern und Baden-Württemberg über eine Verlängerung des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes über 2019 hinaus, damit „angefangene Projekte nicht unvollendet bleiben” - auch ein Ansatz für die Euregiobahn.

Dass der Besuch im Stolberger Hauptbahnhof beim Minister einen nachhaltigen Eindruck hinterlassen hat, zeigt sich auch eine gute Stunde später, als Michael Groschek am Rande seines Besuches beim Sozialen Projektes in der Velau noch einmal die Euregiobahn als Vorzeigeprojekt und das Engagement der Beteiligten als beispielhaft lobt.

Doch auch beim Besuch im gut besuchten „Kultur- und Generationenhaus” (Kugel) lautet neben der Anerkennung des hier Geleisteten die Kernbotschaft von Michael Groschek, dass das Land zukünftig auf die Ausgabenbremse treten wird. Mit Landes- und Bundesmitteln ist die Initialzündung zur Belebung und Integration in dem Stadtteil ermöglicht worden. Im kommenden Jahr läuft die Förderung aus.

Prägnant informieren Stadtteilmanager Dr. Wolfgang Joußen, Bürgermeister Ferdi Gatzweiler und AGS-Vorsitzender André Brümmer sowie Andrea Müller als Vorsitzende des Trägervereins über Projekte und Strukturen bevor Mazina Ismael am Beispiel der Frauengruppe die praktische Seite des Projektes dokumentiert.

„Der Sozialstaat wird deutlich”

Vor einem Jahr mit sieben Damen gestartet, treffen sich mittlerweile regelmäßig 75 Frauen. „Frauen müssen ihre Scheu verlieren, um sich zu intergrieren”, sagt die vor 23 Jahren aus Sri Lanka eingewanderte Stolbergerin. „Dazu muss man die deutsche Sprache sprechen.”

Wenn man eine gemeinsame Sprache spreche, ließen sich Probleme lösen und Gemeinsamkeiten entwickeln, ergänzt Groschek: „Der Sozialstaat wird beim Bürger deutlich durch eine soziale Stadt”. Und als offizielles Zeichen einer Einweihung des Projektes greifen Minister und Bürgermeister zum Spaten, um am umgestalteten Kreuzungsbereich der Mittelstraße einen Baum zu setzen.
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