Stolberg - Euregiobahn: Ein rundum erneuertes historisches Prachtstück

Euregiobahn: Ein rundum erneuertes historisches Prachtstück

Von: Toni Dörflinger
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Hier fehlt momentan die Bahnho
Hier fehlt momentan die Bahnhofsuhr: für die Zeitungsleser eine gute Gelegenheit, den offenen Rundbogen als „Schaufenster” zu nutzen. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg. Die Leserschar ist in das Herz der Euregiobahn vorgedrungen. Dort, wo in der Leitstelle des neuen elektronischen Stellwerkes im sprichwörtlichen Sinne alle Fäden zusammenlaufen. Es sind rund 200 Kilometer Kabel, die die Euregio Verkehrsschienennetz GmbH (EVS), im und am Bahnhof verlegt hat.

In dem mit fünf Monitoren bestückten Raum herrscht ein gedämpfter Ton. Schließlich muss sich Karsten Riemann, der an diesem Tag Dienst hat, auf das Geschehen am Bildschirm konzen­trieren: Denn am Haltepunkt Alsdorf-Mariadorf, einer Strecke die erst im September vergangenen Jahres in Betrieb genommen wurde, ist ein Zug der Euregiobahn eingelaufen. Das heißt aber nicht, dass der 32-jährige Fahrdienstleiter nicht noch Zeit findet, um bereitwillig die Fragen der Leser zu beantworten, die Teilnehmer der fünften, von unserer Zeitung veranstalteten Sommertour sind.

Begonnen hatte der eineinhalbstündige Rundgang, dessen Ziel der Ende des 19. Jahrhunderts gebaute und derzeit von der EVS rundum erneuerte Hauptbahnhof war, im Außenbereich. Dort wurden die Leser von den beiden EVS-Geschäftsführern Thomas Fürpeil und Christian Hartrampf empfangen, die die Gruppe der besseren Verständigung wegen in zwei Hälften teilten und sie anschließend mit der Fassadensanierung bekannt machte.

„Was geschieht mit der alten Überdachung?” will Bert Vanberg von Fürpeil wissen, als er am Hauptgleis die um 1900 entstandene gusseiserne Konstruktion entdeckt, die dort die Westseite des traditionsreichen Bahnhofs überspannt. „Das ist eine Kostenfrage. Der Erhalt muss sich auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten lohnen. Wir diskutieren derzeit darüber mit dem Denkmalschutz”, hält sich der kaufmännische Geschäftsführer bedeckt.

Mehr zu sehen gibt es hingegen auf der Ostseite, wo die Restaurierung der Fassade kurz vor der Vollendung steht. „Das ist unsere Referenzseite”, sagt Fürpeil, als er die Leser auf das dekorative Schmuckband aufmerksam macht, das sich oberhalb des ersten Obergeschosses befindet. Laut Fürpeil war nicht nur das Schmuckband, sondern auch der gelbe Backstein unter einer dicken Putz- und Farbschicht verborgen, als 2010 die Euregiobahn Verkehrsschienennetz GmbH das marode Gebäude übernahm, um es zu ihrem Firmensitz und ihrer Leitstelle auszubauen.

Arbeiten weit fortgeschritten

Dass die Arbeiten inzwischen weit fortgeschritten sind - wie berichtet gingen Leitstelle und elektronisches Stellwerk schon im Juni dieses Jahres ans Netz - bemerken unsere Leser, als sie den Innenbereich betreten, wo nüchterne Modernität vorherrscht. „Schlichte Eleganz”, lobt Hans-Joachim Held, als er den Raum in Augenschein nimmt, der in Kürze den „Servicepoint” aufnehmen soll. „Das Angebot wird vielfältig sein. Neben belegten Brötchen wird es in Zukunft hier auch Getränke geben”, kündigt der Geschäftsführer an.

100 Kilometer Schienenstrecke

Von dem im Erdgeschoss gelegenen zukünftigen Servicepunkt führt der Weg in die oberen Bereiche, wo - wie eingangs berichtet - das von der EVS betriebene Stellwerk untergebracht ist. Von dort aus wird das Schienennetz der EVS gesteuert, das auch von der Euregiobahn und für Güterverkehr genutzt wird.

Den Besuch im Stellwerk nutzt Fürpeil auch dazu, um den Lesern den Unterschied zwischen Euregiobahn und EVS deutlich zu machen, die oft miteinander verwechselt werden und zu Irrtümern Anlass geben. Grob umrissen stellt der Aachener Verkehrsverbund den Personennahverkehr. In seinem Auftrag fährt die Deutsche Bahn unter anderem auf den Gleisen der EVS.

Fürpeils Unternehmen übernahm 2001 aus dem Besitz der Deutschen Bahn allein 100 Kilometer Schienenstrecke und ist seitdem für den Unterhalt und Ausbau des bis zur Landesgrenze reichenden Netzes verantwortlich.

Auf den für die nächsten Jahre geplanten Ringbahnschluss angesprochen, antwortet Fürpeil: „Es fehlt nur noch das zwischen Eschweiler-St. Jöris und Stolberger Hauptbahnhof liegende Stück, das auch Würselen-Merzbrück berührt. Dann ist die Ringbahn komplett.

Im Atscher Wald fehlt noch Strom

Allerdings muss die durch den Atscher Wald führende Strecke zuvor elektrisiert werden. Ein wenig problematisch gestaltet sich dabei nur das vom Lehmsief berührte Stück.”

Der Rundgang durch den Innen- und Außenbereich des alten Bahnhofs endet im Dachgeschoss, wo die von Fürpeil geleitete Gruppe mit der von Christian Hartrampf geführten zusammentrifft. Dort im großen Schulungs- und Besucherraum, der unter anderem der Ausbildung der Fahrdienstleiter dient, werden die Leser mit Schnittchen und Getränken versorgt.

Videopräsentation zum Abschluss

Zum Abschluss sehen die Teilnehmer der Lesertour eine Videopräsentation, die einen Überblick über das Streckennetz der EVS vermittelt. Damit gehen eineinhalb ereignisreiche Stunden zu Ende, die nach Meinung von Leser Rainer Gerlach „vollgespickt waren mit wertvollen Informationen und außergewöhnlichen Einblicken”. Eine Äußerung, die das in Worte kleidet, was wohl abschließend viele empfanden.
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