Euregiobahn: Axel Wirtz sieht das Land gefordert

Von: Jürgen Lange
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Über unterschiedliche politische Ebenen für die Region engagiert: Axel Wirtz kandidiert im Mai nicht mehr für den Stolberger Stadtrat.
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Der Einbau neuer Signal- und Sicherungstechnik 2011 machte die Trennung der Netze der EVS und der Deutschen Bahn möglich. Nun soll die verbleibende Strecke der Euregiobahn elektrifiziert werden. MdL Axel Wirtz sieht das Land dabei gefordert. Foto: J. Lange

Stolberg. „Düsseldorf ist jetzt eine schwierige Zeit“, hadert Axel Wirtz. Nicht nur mit dem Wechsel seiner CDU aus der Regierungsverantwortung auf die harte Bank der Opposition, sondern auch mit geringeren Möglichkeiten, viel für die Region bewegen zu können. „Das machen Grüne und Genossen nun unter sich aus“, sagt der Landtagsabgeordnete und lehnt sich während des Gespräches auf der Terrasse in seinem Stuhl zurück.

Dabei möchte sich der 56-Jährige bei seiner Arbeit gar nicht zurücklehnen.

Gerne erinnert sich der Gres­se­nicher zurück an die frühere Legislaturperiode, als er im Schulterschluss mit seinen Parteifreunden in Düsseldorf und Köln viele Projekte nach vorne bringen konnte. Eines davon ist die Euregiobahn. „Wir waren immer ein verlässlicher Partner für den Ausbau“, sagt Wirtz. Mit Blick auf den demografischen Wandel, auf die Energiewende, auf die Verkehrspolitik und die strukturelle Entwicklung in der Region kann Wirtz nur noch hoffen, dass Rot-Grün in Düsseldorf die Investitionen fortsetzen und die Elektrifizierung der Strecke fördern wird. „Alles andere wäre Unsinn“, sagt er in seiner burschikosen Art.

Wenn die Städteregion Modellregion für den Klimaschutz werden wolle, hätten Dieselloks nichts mehr auf den Schienen zu suchen. Der Stolberger Landtagsabgeordnete möchte seinen Teil dazu beitragen, den Nahverkehr nachhaltig und zukunftsträchtig aufzustellen. „Das geht, indem man das Augenmerk von Entscheidungsträgern auf solche Projekte lenkt“, versichert Wirtz und erneuert seine These, dass unterschiedliche politische Ebenen gut miteinander vernetzt sind.

Über Ebenen hinweg vertreten

Das hat der Christdemokrat immer praktiziert. In Parlamenten wie in der Partei. Etwa als Mitglied diverser Gremien, von Landtag, Städteregions- beziehungsweise Kreistag und als Mitglied des Stadtrates. Dem wird Axel Wirtz in wenigen Monaten 30 Jahre, dem Kreistag 20 Jahre angehören.

Bei der Kommunalwahl 2014 wird er sich aber nicht mehr um ein Ratsmandat bewerben. „Man muss auch jungen Leuten im Wahlkreis eine Chance bieten“, sagt Wirtz und legt seiner Partei den angehenden Juristen Marc Delzepich als Nachfolger ans Herz, der im Leben in Gressenich und Schevenhütte gut verwurzelt sei. „Ich werde mich konzentrieren auf den Landtag sowie die Städteregion, um Helmut Etschenberg bei seiner Arbeit und den anstehenden wichtigen Projekten zu unterstützen“, verliert Wirtz dabei die Euregiobahn nicht aus den Augen. Gemeinsam werde es gelingen, den Info-Punkt im Hauptbahnhof zu realisieren.

Mit Hilfe des Aachener Verkehrsverbundes (AVV) und des Zweckverbandes Nahverkehr Rheinland (NVR) – dort ist Wirtz Aufsichtsratsvorsitzender beziehungsweise Mitglied in Ausschüssen – wurden über 2,7 Millionen Euro Zuschüsse für den Bau eines Parkhauses mit „Skywalk“ zum Mittelgleis locker gemacht. Mit Geld vom Bund und Land gehe es weiter mit dem Ringschluss von Alsdorf über St. Jöris und dann nach Stolberg; und nun sei das Land gefordert, seine Zusage bei der fehlenden Elektrifizierung auf den 36 Kilometern Strecke zu halten. Dabei dürfe der Anschluss Breinigs an das Netz der Euregiobahn natürlich nicht aus den Augen verloren werden.

Dass eine verlässliche Politik wichtig ist, dafür führt der Kommunalpolitiker die Große Koalition in Stolberg und die schwarz-grüne Koalition in der Städteregion ins Feld. „Hier sieht man auch, wie wichtig Kommunikation untereinander ist“, sagt Wirtz und erinnert an vergangene Zeiten, in denen es schwarze und rote Politiker in der Kupferstadt gar nicht miteinander konnten.

„Heute ist die Zusammenarbeit vertrauensvoll, sie ist durchsetzungsfähig, und das ist gut so“, betont der altgediente Politiker. In Stolberg seien wichtige Entscheidungen auf den Weg gebracht worden. Im Rahmen des Konsolidierungsprozesses bestehe Einigkeit in Fragen von Schul- und Sportplatzpolitik, Projekte wie das Seniorenheim auf Süssendell oder die Belebung der Innenstadt seien auf dem Weg. Da mahnt der seit 1999 amtierende Kreisvorsitzende der CDU, der auf dem Parteitag im Oktober noch einmal seinen Hut in den Ring werfen möchte, um Besonnenheit im Wahlkampf: „Sicherlich muss dann jede Partei Charisma zeigen, aber die Bürger, die einen erheblichen Anteil zur Konsolidierung der Stadt leisten, vertrauen auf eine Fortsetzung dieser vertrauensvollen Politik“, meint Wirtz.

Vergleichbar gut laufe die Zusammenarbeit mit den Grünen auf städteregionaler Ebene, aber es müssten auch noch Lösungen für Zukunftsprojekte gestaltet werden. Beispiele seien eine Steigerung der Leistungsfähigkeit der Bundesstraße 258, das Medizinische Zentrum leistungsfähig aufzustellen und zu verhindern, dass die Müllverbrennungsanlage Weisweiler eine Ruine werde. Allesamt Herausforderungen, bei denen sich Axel Wirtz auch zukünftig weiter einbringen will.

Dagegen bereitet die Politik des Landes für diese Region dem Mitglied der Opposition Sorgen. „Wir können nicht auf den dritten Bauabschnitt der L 238 von Stolberg nach Eschweiler verzichten.“ Einerseits sei es den Anliegern nicht zuzumuten, dass das wachsende Verkehrsaufkommen durch das Nadelöhr der Stolberger Straße geschleust werden, andererseits werde die Erschließung von Gewerbegrundstücken und Camp Astrid blockiert.

Ärztemangel in der Heimat

„Das Kind mit dem Bade“ schüttet nach Meinung des Familienvaters die Landesregierung mit ihren Vorstellungen zur Inklusion ebenso aus wie mit ihrem Vorgehen beim Nichtraucherschutz. Die innere Sicherheit durch die Polizei werde vernachlässigt, die Nachwuchswerbung der Feuerwehr boykottiert und Lösungen für den zunehmenden Ärztemangel in ländlichen Gebieten durch zusätzliche Anreize und Studienplätze blockiert.

„Man muss sich einmal vorstellen, dass es in Werth, Schevenhütte und Gressenich keinen Arzt mehr gibt“, zeigt Axel Wirtz die Auswirkungen ferner Landespolitik für die Heimatstadt auf. Und dann ist der Abgeordnete wieder ganz in seinem Wahlkreis im Südosten Stolbergs angekommen. Den vertritt er noch bis zum kommenden Mai im Rathaus der Kupferstadt.

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