EU-Agrarsubventionen von mehr als 800.000 Euro gehen nach Stolberg

Von: Kolja Linden
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Nachhaltige Landwirtschaft kostet Geld und wird von der EU subventioniert: Davon profitieren auch Bauern in Stolberg. Foto: J. Lange

Stolberg. Die Landwirte in Stolberg erhalten von der Europäischen Union (EU) Subventionen im hohen sechsstelligen Bereich. Nach dem Beschluss der EU, die Agrarsubventionen transparenter zu machen, hat Deutschland im vergangenen Monat alle Namen und die Summen, mit denen die einzelnen Empfänger bedacht wurden, im Internet veröffentlicht.

Auch Bayern, dass sich bis zuletzt geweigert hatte, zieht nun nach. Für das Jahr 2008 befinden sich unter den deutschen Empfängern auch 63 Stolberger Personen und Institutionen, an die insgesamt 805843 Euro verteilt wurden.

Der Großteil des Geldes stammt aus dem Europäischen Garantiefonds für die Landwirtschaft (EGFL). Das sind direkte Zahlungen an Bauern zum Beispiel als Ausgleich für Preissenkungen bei landwirtschaftlichen Produkten. Laut EU sind die Zahlungen gebunden an hohe Umwelt-, Verbraucher-, Tierschutz- und Sozialstandards. Sie sollen einen verantwortungsvollen Umgang mit den natürlichen Ressourcen sicherstellen.

Geld aus zwei Fonds

Weiteres Geld können Bauern aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) erhalten. Diese Zahlungen werden gewährt, um die Entwicklung des ländlichen Raums besonders zu fördern. So erhalten Landwirte einen Ausgleich, wenn sie sich zu besonders umweltfreundlichen Produktionsweisen verpflichten oder die erwünschte landwirtschaftliche Bewirtschaftung ertragsarmer Flächen aufrecht erhalten. Das soll die Wettbewerbsfähigkeit erhalten.

Zum Teil sehr kleine Summen

Unter den Stolberger Empfängern sind allerdings nicht nur einzelne Landwirte, sondern auch Privatleute, die ein Stück Land besitzen und bewirtschaften, zum Beispiel eine Streuobstwiese oder einen kleinen Acker. Deshalb sind es manchmal auch äußerst geringe Summen, die aus Brüssel nach Stolberg gehen, die kleinste im Jahr 2008 betrug gerade einmal 194,28 Euro. Der größte Subventionsbrocken dagegen, 95497,77 Euro, ging an einen landwirtschaftlichen Betrieb nach Dorff.

Ebenfalls zu den Begünstigten gehören Institutionen wie die Biologische Station des Kreises Aachen an der Zweifaller Straße, die im vergangenen Jahr mit 12982,82 Euro bedacht wurde. „Unter den geförderten Flächen sind zum Beispiel Obstwiesen oder kleinere Flächen in den Naturschutzgebieten, die von Hand gepflegt werden müssen”, erklärt Josef Wegge, wissenschaftlicher Leiter der Biostation. Diese sehr kleinen Flächen werden von den Mitarbeitern der Biostation zum Teil selbst gepflegt, wenn sich das für Landwirte
nicht lohnt.



Auch Vereine wie der Arbeitskreis Naturschutz oder die Stolberger Pferdefreunde haben kleinere Beträge erhalten.

Die jetzt veröffentlichten Zahlen sind allerdings nicht immer ganz genau zu nehmen. Denn das Haushaltsjahr der EU geht nicht von Januar bis Dezember, sondern beginnt und endet jeweils am 15. Oktober eines Jahres, wie Natascha Kreuzer von der Landwirtschaftskammer NRW in Bonn erklärt. Die Direktzahlungen aus dem EGFL hingegen gehen immer erst im letzten Quartal eines Kalenderjahres an die Landwirte. So kann es sein, dass eine Zahlung, die im Jahr 2008 überwiesen wird, dem EU-Haushaltsjahr 2007 zuzuordnen ist.

Ohnehin sind gerade für Stolberger Empfänger große Unterschiede zwischen den beiden Jahren auffällig. So wurden laut Liste, die von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung veröffentlicht wird, im Jahr 2007 25 Stolberger Empfänger mit insgesamt 117164 Euro bedacht, während es ein Jahr später schon 63 Empfänger waren, auf die 805843 Euro entfielen. „Es gibt Betriebe, die neu einsteigen”, erklärt Natascha Kreuzer, „zum Beispiel in ein bestimmtes Umweltprogramm.”

Auch die Frage, warum ein Betrieb in einem Jahr besonders hohe, in einem anderen aber keine oder nur geringe Subventionen erhält, lässt sich leicht beantworten. Das könne der Fall sein, wenn jemand beispielsweise einen neuen Stall baut, der dann besonders hoch subventioniert wird.
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