Stolberg - Ethikkommission: Stets wenn das Leben eines Patienten auf der Kippe steht

Ethikkommission: Stets wenn das Leben eines Patienten auf der Kippe steht

Von: Christoph Hahn
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Füllen die Arbeit der Ethik-Kommission am Gesundheitszentrum mit Leben, Herz und Verstand: Seelsorger Christoph Schneider, Pfleger Bernd Meuthen, Sprecher Boris Conrads und Oberarzt Dr. Andreas Bootsveld (von links). Foto: Christoph Hahn

Stolberg. Eigentlich sind Andreas Bootsveld, Christoph Schneider, Boris Conrads und Bernd Meuthen heitere Menschen. Zumindest wirken der Arzt, der Priester und die beiden Krankenpfleger im Gespräch so. Das nimmt nur ein kleines bisschen Wunder, denn als Mitglieder der Ethikkommission im Bethlehem-Gesundheitszentrum kommen sie immer dann zusammen, wenn das Leben eines Patienten auf der Kippe steht.

Dann beraten die vier Mitarbeiter des Krankenhauses ihre Kolleginnen und Kollegen, wenn es darum geht, ob eine künstliche Beatmung fortgesetzt wird, was denn nun genau der Wille des Patienten ist (an dessen rechtsverbindlicher Bekundung es oft fehlt) oder andere schwierige Situationen auszuloten. So paradox es klingen mag: Gerade ihre Distanz zu fest gefügten Strukturen unterstreicht die Bedeutung der Arbeit, die die Mitglieder der Kommission leisten. In den Leitlinien für die Ethiker heißt es: „Das Klinische Ethik-Komitee ist hierarchiefrei, das heißt: Es ist weder weisungsgebunden noch weisungsbefugt.“

Statt auf Macht fußt der Einfluss, die Bootsveld und seine Mitstreiter im Hospital ausüben, auf ihrem Charisma und dem dezenten Charme der Machtlosigkeit. Von oben herab Pflegern und Ärzten ihre Weisheiten aufzudrücken, gehört nicht zu ihrem Stil: „Wir verstehen uns nicht als ein isoliertes Expertengremium, sondern möchten den im gemeinsamen Gespräch entwickelten ethischen Überlegungen und ethischen Argumenten in allen Bereichen des Hauses Geltung verschaffen“, definiert Boris Conrads. Der arbeitet im Bereich des so genannten Medizin-Controlling. „Ich lese die Akten.“ Macht besitzen die Mitglieder der Kommission nicht, Einfluss aber wohl. Das kommt zum einen mit Sicherheit daher, dass keiner gezwungen ist, ihre guten Dienste in Anspruch zu nehmen. Ihre Ausstrahlung, das Gefühl, bei Ihnen gut aufgehoben zu sein, die ohne jeden Nachdruck vermittelte Kompetenz – das ist ihr Betriebskapital. Wobei Rechtsinstrumente wie die Patientenvollmacht bei den Beratungen schon eine Rolle spielen – und oft fehlen oder nicht zu finden sind.

„Das macht uns schon mal das Leben schwer.“ Denkanstöße liefern, indem sie sich mit ihren Gesprächspartnern um einen Tisch setzen und dabei vielleicht mehr Fragen stellen als Antworten liefern. Wie dieser Prozess abläuft und wie die Ethiker sich dabei einbringen, beschreibt auch in diesem Fall das Leitbild: Es stellt die Arbeit der Kommission als eine Art von Dienstleistung dar. Wenn die ganz spezielle Lebenslage von Menschen an der Schwelle zum Tod geht, moderieren die Mitglieder „das gemeinsame Nachdenken, die Diskussion und den Austausch von Positionen, das Beleuchten von Widersprüchen und Konflikten“.

Klipp und klar umschreibt das Leitbild, was die Ethiker keineswegs zu ihrem Geschäft machen wollen: „Anderen eine ethische Entscheidung und die damit verbundene Verantwortung abzunehmen“ oder „ethisches Handeln des Einzelnen zu bewerten oder zu kontrollieren“. Im Übrigen, stellt Boris Conrads klar, sind die Beratungen durch die Kommission keineswegs obligatorisch. „Die Ethischen Fallbesprechungen finden auf freiwilliger Basis statt“, formuliert der Krankenhaus-Praktiker.

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