Stolberg - Es sieht nach einer roten Karte für die Braunen aus

Es sieht nach einer roten Karte für die Braunen aus

Von: Michael Grobusch
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Stolberg. Die Resonanz ist enorm - zumindest was das bundesweite Medienecho angeht. Aber nicht nur weil mehrere Radio- und Fernsehsender und diverse Vertreter der schreibenden Zunft im Rathaus vorstellig geworden sind, sieht Ferdi Gatzweiler die einmalige Chance, die für den 4. April angekündigten Neonazis in die Schranken zu weisen und das arg ramponierte Image Stolbergs aufzubessern.

„Wenn es diesmal nicht gelingt, gegen den Rechtsextremismus aufzubegehren, dann ist es wirklich schlecht um unsere Stadt bestellt”, fasst der Bürgermeister seine Einschätzung der Lage zusammen.

Allerdings weist gut fünf Wochen vor dem angekündigten „Trauermarsch” der Rechten einiges darauf hin, dass die Bevölkerung den Braunen diesmal tatsächlich die rote Karte zeigen und dem offiziellen Slogan entsprechend „gemeinsam auf die Straßen für ein nazifreies Stolberg” gehen wird.

Auf der kompletten 1,6 Kilometer langen Innenstadtachse soll an dem besagten Samstag ein „politisches Volksfest” stattfinden, wie der von städtischer Seite mit der Organisation beauftragte Stabsstellenleiter Hans Baum ankündigt. „Ich hoffe, dass der Staat uns Stolberger davor schützt, dass Antidemokraten dieses Fest stören werden”, unterstreicht Ferdi Gatzweiler, dass er auch auf die Unterstützung der Polizei setzt.

Deren Präsident Klaus Oelze liegt mittlerweile das vorläufige Programm der Veranstaltung vor. Allerdings gibt es bislang keine offizielle Stellungnahme. Nur so viel scheint bereits klar zu sein: Sowohl die Anmeldung der rechten Kundgebung als solche wie auch die Ankündigung, in den kommenden neun Jahren ebenfalls immer wieder am 4. April in Stolberg „demonstrieren” zu wollen, stoßen in Polizeikreisen auf große Skepsis.

Pressesprecher Paul Kemen formuliert es so: „Die Aachener Polizei hat eine solche Vorab-Anmeldung für eine Serie von Versammlungen in den nächsten zehn Jahren als bloße Absichtserklärung gewertet, nicht jedoch als eine rechtsverbindliche Versammlungsanmeldung. Dies wurde dem betreffenden Mann in einem rechtlichen Bescheid so mitgeteilt.” Dazu passt, dass der Initiator nach Informationen unserer Zeitung bislang weder Angaben zur Teilnehmerzahl noch zu verbindlichen Uhrzeiten machen kann.

Das sieht bei der Großveranstaltung in der Innenstadt ganz anders aus, wie Hans Baum betont. Den Auftakt wird um 10 Uhr ein ökumenischer Gottesdienst in der katholischen Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt bilden. Um 11 Uhr folgt auf dem Kaiserplatz die Eröffnungskundgebung, ehe sich von der Zweifaller Straße aus ein Demonstrationszug Richtung Mühlener Markt in Bewegung setzt. Er wird neben dem Kaiserplatz auch an den übrigen drei Veranstaltungsplätzen zu Zwischenkundgebungen Halt machen.

Vor der Stadthalle werden türkische Folkloregruppen musikalische Akzente setzen, auf der Frankentalwiese beteiligen sich zahlreiche Stolberger Karnevalsgesellschaften, die Arbeiterwohlfahrt und die Pfadfinder an dem Programm, und der Jordansplatz soll geprägt werden von einem Rockkonzert, das zehn Schülerbands gestalten.

Auch der Sport bildet einen Schwerpunkt. Während der Atscher Turnverein um 14 Uhr einen Volkslauf durch die City und rund um den Kaiserplatz startet - jeder Teilnehmer wird mit einem geschmiedeten Blatt für den Baum der Toleranz belohnt -, findet zwischen 11 und 17 Uhr auf dem Rathausvorplatz ein vom Jugendtreff Westside organisiertes Streetsoccerturnier statt.

In der Talbahnstraße gehen derweil unter der Leitung der Stolberger Turngemeinde die Basketballer auf Korbjagd. Auch Ausstellungen - unter anderem im alten Rathaus -, zahlreiche Infostände und Podiumsdiskussionen werden geboten.

Bleibt noch die Frage nach der erhofften Prominenz. „Die Rückläufe sind spärlich, Zusagen gibt es noch nicht allzu viele”, räumt Baum ein. Das allerdings kann sich noch ändern. Schließlich dürfte das bundesweite Medienecho auch bei Politikern und Musikern nicht ungehört verhallen.
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