Es kommt auf jede Minute an

Von: Jürgen Lange
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50 Minuten verstreichen, bis dieses Wasser aus der Versorgungsleitung fließt. Bis dahin muss die Wehr mit dem Vorrat auskommen. Foto: J. Lange

Stolberg-Atsch. Steinbachshochwald steht in Flammen. Die Tiere sind zwar aus den Stallungen gerettet, aber große Mengen Stroh und Heu in einer der Scheunen des Gutes lodern lichterloh. Ein infernalisches Bild bietet sich Zugführer Helmut Brück, der um 19.15 Uhr mit dem ersten Löschfahrzeug der Wache eintrifft.

Während er sofort ein Trupp unter Atemschutz zum Innenangriff vorschickt, wird Großalarm ausgelöst. Denn Brück und seine Jungs haben nur 2500 Liter Wasser mit im Tank - ein Tropfen auf den heißen Stein. Woher das Wasser nehmen, denn die frühere Löschwasserleitung zum städtischen Bauernhof besteht nicht mehr?

Das ist der realistische Hintergrund einer Großübung der Stolberger Feuerwehr, weil Enwor in der Tat die Leitung im Rahmen der Restrukturierung ihres Versorgungsnetzes zurückbaut. Die nächsten Hydranten liegen in gut 1400 Meter Entfernung Richtung Atsch sowie einen Kilometer weit weg im Camp Astrid. Im Führungsstab der Feuerwehr hat Herbert Wenn den Rechenschieber bemüht, kalkuliert, wieviel Wasser vor Ort sein müsste, um eine sichere Versorgung für den Fall des Falles gewährleisten zu können, bis die Hydranten angezapft werden können. Ein Tank mit 170 Kubikmeter ist die Antwort.

Nur 90 statt 170 Kubikmeter

Den kann man aber nicht von der Stange kaufen. Der Vergabeausschuss hat einen 90.000 Liter fassenden Behälter bestellt, der neben dem Gut in die Erde eingelassen wird. Wird diese Menge ausreichend sein, zumal die Feuerwehr nicht sicher sein kann, ob der Tank voll gefüllt ist?

Kalkuliert wird bei der Übung mit den 170 Kubikmeter-Tank. Mit einem eigens erstellten Programm berechnen die Kollegen um Karl Köhnen im Einsatzleitwagen den Verbrauch und das mit den Löschfahrzeugen zugeführte Wasser, während immer mehr C- und B-Rohre angeschlossen werden von eintreffenden Einheiten.

Das sind fünf bis zehn Minuten nach der Hauptwache die Gruppen aus Atsch sowie Münsterbusch. Sie bauen als erstes eine Verbindung auf zwischen dem Bodentank und dem ersten Löschfahrzeug, von dem aus der Angriffstrupp am Brandort vorrückt. Denn dessen Tank soll immer voll sein, um im Ernstfall die Kameraden retten zu können. Dann gehen die Löschgruppen selbst mit B- und C-Rohren gegen den Brand vor.

Nahezu im Minutentakt folgen die Gruppen Donnerberg, Mitte und um 19.38 Uhr Büsbach, dessen Löschfahrzeug mit seiner starken Pumpenleistung eine besondere Rolle als Verteilstation zufallen wird, wenn die Leitungen zum Hydranten gelegt sind.

Das ist die Aufgabe der Kräfte, die aus Schevenhütte, Gressenich und Mausbach herangeführt werden. Und das braucht seine Zeit. Mittlerweile verbrauchen sechs angeschlossene Rohre gut 2700 Liter Wasser pro Minute, 110.000 Liter sind noch verfügbar, sie reichen noch für 40 Minuten.

Es ist 19.54 Uhr als der Wasserwerfer aus Mausbach mit seinen 9000 Litern den Vorrat aufstockt. Erst 50 Minuten nach der Alarmierung kann aus den ersten Schlauchleitung das Wasser fließen - eine kalkulierte Zeit. Über 1000 Meter Schlauch sind ins Camp gelegt; während drei Löschfahrzeuge unterwegs als Druckstation dienen, ist der Schlauchwagen aus Gressenich beim Verlegen eine schnelle Hilfe.

Über 1400 Meter Schlauch können am Stück ausgezogen werden. Somit kann das Fahrzeug auf dem Rückweg auch die Basis für eine zweite erforderliche Leitung zum Hydranten verlegen; der Rest muss von Hand ausgerollt werden, was Zeit in Anspruch nimmt.

Probleme mit Funkverbindung

Als das erste vom Camp kommende Wasser an Steinbachshochwald aus den Rohren fließt, beträgt hier der Wasservorrat noch 90.000 Liter - inklusive Bodenbehälter und Fahrzeugtanks. Die dokumentierten Zahlen müssen zwar noch genau ausgewertet werden, aber ein erstes Fazit lautet: „Die Versorgung ist mit einem 90 statt 170 Kubikmeter-Tank zwar knapper, aber ausreichend”, bilanziert die Einsatzleitung mit Toni Sturz, Herbert Wiese und Karl Wenn. Zumal bei der Übung Maximalanforderungen zugrunde gelegt wurden, die bei realistischen Einsätzen unterschritten werden.

Aber für solche Ernstfälle hat der Abend weitere Erkenntnisse geliefert. Drei Wasserrohre können im Camp Astrid angezapft werden: Die 150er- und 200er-Leitung liefern ausreichend Wasser, weisen aber Druckschwankungen auf. Die bevorzugte 800er-Leitung kann nicht getestet werden; Holzstapel versperren den Hydranten.

Wichtig für die Wehr bleibt, dass der Feldweg zwischen Steinbachshochwald und Camp frei befahrbar bleibt, und dass ein Einsatzleitwagen nicht ausreichend ist, um die wichtige Funkverbindung durch den Wald zwischen Brandherd und Versorgungsstützpunkten aufrecht zu erhalten. Die Konsequenz: Der große Einsatzleitwagen muss das Camp ansteuern, weil er nicht durch die Unterführung Steinbachstraße passt, der kleinere vor dem Gut an anderer Stelle positioniert werden.

Und noch eins: Die mehr als 80 eingesetzten Feuerwehrleite haben ihre Aufgabe gut gemeistert.
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