Es gibt ihn noch, den Tante-Emma-Laden

Von: Dirk Müller
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Die frische Ware und der persönliche Kontakt werden von vielen Kunden geschätzt, die Matthias Mulbach in seinem rollenden Laden bedient. Foto: D. Müller

Stolberg. Wenn der Kühlschrank leer ist, die Gläser trocken bleiben, und es an allen erdenklichen Konsumgütern mangelt, zieht es die Kupferstädter heutzutage in einen Supermarkt. Große Discounter locken mit einer schier allumfassenden Warenpalette sowie praktischen Parkmöglichkeiten.

Längst vorbei sind die Zeiten, da man das kleine Geschäft in unmittelbarer Nähe aufsuchte, in dem das Angebot eher übersichtlich ausfiel, der Kunde aber dennoch eigentlich alles für den täglichen Gebrauch Benötigte käuflich erwerben konnte.

Wir befinden uns im Jahre 2010. Ganz Stolberg ist frei von Tante-Emma-Läden. Ganz Stolberg? Nein! Drei von unbeugsamen Kupferstädtern bewohnte Ortsteile hören nicht auf, bei Tante Emma einzukaufen, auch wenn diese dort mittlerweile auf den Namen Matthias Mulbach hört.

Denn wenn es dienstags um die Mittagszeit in den Straßen von Gressenich und Mausbach zweimal klingelt, ist es nicht der Postmann, sondern Mulbach mit seinem rollenden Tante-Emma-Laden. Er hält mit seinem Transporter direkt vor der Haustüre, öffnet die große Klappe an der Seite und gewährt Einblick in das Sortiment seines Geschäfts auf vier Rädern.

Nachmittags ertönt seine Klingel dann in Dorff, wo er ebenfalls seine erstaunlich breite Produktpalette präsentiert. „Die Leute kaufen gerne frische und qualitativ hochwertige Lebensmittel, von denen sie auch die Herkunft kennen”, erklärt der fahrende Händler und verweist zum Beispiel auf die Eifeler Brot- und Backspezialitäten, die er an Bord hat.

Kartoffeln, Obst und Gemüse, Fleisch, Eier und Milchprodukte finden sich ebenfalls in den Regalen des motorisierten Tante-Emma-Ladens neben Süßigkeiten, Sauerkraut, Käse und Marmelade. Die Waren, die Mulbach anbietet, stammen vorwiegend aus der benachbarten Eifel. Und eine Art „Zaubertrank” hat er auch dabei: Der „Eifelzwerg” ist ein bekömmlicher Aquavit, der aus seiner Abstammung keinen Hehl macht.

Seit über zehn Jahren ist Mulbach als Händler auf der Straße unterwegs und ersetzt zur Freude vieler Menschen die nicht mehr vorhandenen Läden vor Ort. „Die meisten Leute werden bald zu Stammkunden, die den Service vor der eigenen Haustüre zu schätzen wissen. Besonders ältere Menschen sind oft nicht so mobil, um zu einem Supermarkt fahren zu können. Und in manchen Orten gibt es überhaupt keine Einkaufsmöglichkeit”, beschreibt der Verkäufer auch die Dorffer Realität.

Sehr lange ist es her, dass die Eheleute Karl und Erna Hardt mit ihrem kleinen Lädchen die örtliche Nahversorgung sicherten, indem sie für die Einwohner Dorffs bequem zu Fuß zu erreichen waren. In dem Geschäftsraum in der Pfarrer-Gau-Straße trotzt seit geraumer Zeit ein Elektrofachgeschäft der übermächtigen Konkurrenz lautstark werbender Tiefpreis-Anbieter. Lebensmittel aber sind im Ort nicht mehr zu kaufen.

So ist der fahrende Frischemarkt gerade in der kalten Jahreszeit eine willkommene Gelegenheit, um einzukaufen und mit den Nachbarn an der mobilen Ladentheke ins Gespräch zu kommen. Und sollten einmal keine in der Nähe sein, springt Matthias Mulbach selber in die Bresche: „Ein Schwätzchen über das Wetter oder dies und das ist immer drin und gehört ganz einfach dazu.”
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