Erstes Stolberger Weinfest: „Nichts geht über einen guten Wein“

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Spitzenkoch Paul Schutze dit Belkner mit Lebensgefährtin Waltraud Berlin. Der Gastronom kennt sich mit Weinen aus. Foto: Annika Kasties

Stolberg. Eine Premiere für die Stadt ist das erste Stolberger Weinfest am Wochenende 16./17. September. Viele Winzer und Weinhändler präsentieren erstklassigen Wein. Dazu gibt es außerdem Flammkuchen sowie Spezialitäten aus Frankreich und der Region.

Auf der großen Bühne auf dem Kaiserplatz unterhalten unter anderem Soul Drops, Solid Wax, das Duo Power Holland und die Oberländer Blasmusiker das Publikum mit Livemusik. Und es präsentiert sich die erste und frisch gekürte Weinkönigin Julia Vockenberg. Das Fest startet am Samstag um 13 Uhr und am Sonntag um 11 Uhr.

Wein-Experte Paul Schutze dit Belkner steuert einige Gedanken rund um das Getränk bei. Er zitiert den Onkologen Dr. David Khayat: „Wein trinkt man nicht nur, sondern man streichelt einen Moment Geschichte. Der Mensch hat den Wein domestiziert, aber der Wein hat den Menschen zivilisiert.“

Ein Weinfest sei die ideale Gelegenheit, verschiedene Weine zu probieren, ohne die Katze im Sack zu kaufen. „Deutschland ist ein Weinland, auch wenn es bei uns viele Bierliebhaber gibt.“ Wenn man in Richtung Elsass fahre, passiere man immerhin ein halbes Dutzend Weinbaugebiete, so Schutze.

Die deutschen Weine seien eine große Chance für die Gastronomie. Man müsse jedoch beachten, dass dem Gast beim Blick in die Weinkarte Informationen zu Anbaugebiet, Winzer, Traube, Jahrgang und Alkoholgehalt nicht fehlen dürfen.

Roséweine erlebten derzeit eine Renaissance. „Jahrelang galt der Rosé als Kreuzung zwischen Weiß- und Rotwein. Heute weiß der Konsument, dass die Farbe des Weines von der Schale der Traube bestimmt wird, und er weiß auch, dass es keine Champagnertraube gibt, sondern dass es sich beim Champagner um einen Cuvee aus Petit Meunier, Pinot Noir und Chardonnay handelt, was für jeden Champagner zutrifft.“

In Frankreich finde man auf jeder Weinflasche die Warnung „Zuviel Alkohol schadet der Gesundheit“. Es gebe lebhafte Debatten um das „Zuviel“. Grundsätzlich sei Alkohol gefährlich. Aber für den Franzosen sei Wein kein Alkohol, sondern Medizin.

Schutze dit Belkner: „Der Franzose nimmt fettige Speisen zu sich wie Crème fraiche, Käse, Butter, Gänsestopfleber etc. Trotzdem haben laut Statistik die Franzosen nach den Japanern die zweitlängste Lebenserwartung.

Dass Wein gut ist, wissen auch die Chinesen, die laut Hochrechnung im Jahr 2020 Wein im Wert von 21,7 Milliarden Euro kaufen werden, immerhin 40 Prozent mehr als in 2017. Weltmeister werden die Amerikaner mit 38,6 Milliarden.“

Man sollte sich von den Klischees befreien, dass zum Käse ein Rotwein unerlässlich ist oder dass zum Käse der beste Wein gereicht werden muss. Zu Weiß- oder Schimmelkäse passe ein Weißwein, ein fruchtiger Champagner oder – sehr aktuell – eine Spätlese.

Außerdem müsse ein Wein, der beim Händler 80 Euro koste, nicht unbedingt zehn Mal besser sein als der Wein zu acht Euro. Auch ein alter Wein sei nicht immer besser als ein jüngerer. Nicht jeder Rotwein sei lagerfähig im Gegensatz zu Bordeaux oder Burgunder. Bei Weißweinen (z. B. halbtrocken, Spätlese oder Eiswein) treffe dies nur auf Weine aus Spitzenregionen zu. „Ich hatte Rot- und Weißweine aus den 1960er bis 1970er Jahren; sie alle waren ungenießbar.“

Wichtig beim Weingenuss sein auch die geeigneten Gläser. Bitte keine „Blumenvasen“ verwenden. Zur Öffnung hin sollten die Gläser schmal zulaufen. Außerdem brauche ein guter Weißwein keinen Eiskübel. Es gelte: vom Keller auf den Tisch.

„Meine Kenntnisse über Wein sind naturgemäß durch meinen Beruf als Koch bedingt“, so Schutze dit Belkner. „Als Koch arbeitet man eng mit dem Sommelier zusammen. In Spitzenhäusern lagern bis zu 2000 und mehr verschiedene Flaschen Wein. Ein halbes Dutzend Kellner und Sommeliers überwachen regelmäßig die Reife der Weine.“

Kürzlich zahlten in einem Pariser Restaurant drei Gäste für drei Flaschen Wein 54.000 Euro. „Ich besitze mehrere Hundert Bücher und Fachzeitschriften zum Thema Wein, unter anderem die kompletten Ausgaben der Magazine „Passion Vin“ und „3 Etoiles“. In letzterem wird ausschließlich über Drei-Sterne-Restaurants berichtet.

Ein sehr schönes Erlebnis sei eine Champagnerprobe im Hause Moet & Chandon gewesen. „Nach Besichtigung der Keller waren wir eingeladen, unseren Champagner im Salon von Napoleon und Josephine zu genießen.“ Gut organisiert, könne ein Weinfest über viele Jahre einen riesigen Erfolg für die ausrichtende Stadt bedeuten, die mit zahlreichen Touristen beschert wird. À votre santé!

Paul Schutze dit Belkner ist in Stolberg als „Der Elsässer“ bekannt. Sechs Jahre betrieb der gebürtige Straßburger sein Restaurant in der Altstadt. Zuvor war der Koch fünf Jahrzehnte in der französischen Spitzengastronomie unterwegs.

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