Erster Stolberger Begegnungstag zum Thema Inklusion

Von: mlo
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Die Theater AG der Grundschule Grüntal und die pro futura katholische Kita St. Hubertus singen das Lied von der „kleinen blauen Kugel“, das die Erde symbolisiert. Durch Klimaveränderungen entsteht Leid für Mensch und Tier, so dass es im Dorf bald keinen Brunnen mehr gibt, aus dem Wasser geschöpft werden kann. Rettung kommt von den Astronauten, die die Menschen zum Umdenken auffordern. Foto: M. L. Otten

Stolberg. Mit Stolz begrüßte Lukas Franzen die große Anzahl von Menschen im ökumenischen Gemeindezentrum beim 1. Stolberger Begegnungstag zum Thema Inklusion. Mit so einem Ansturm hatte er nicht gerechnet.

Inklusion bedeute, so der Moderator und Inklusionsbeauftragte der Stadt Stolberg, dass niemand in der Gesellschaft ausgeschlossen werden sollte. Jeder Mensch sei gleichberechtigt und könne selbstbestimmt am Leben teilhaben - unabhängig von Geschlecht, Alter oder Herkunft, von Religionszugehörigkeit oder Bildung, von eventuellen Behinderungen oder sonstigen individuellen Merkmalen.

Auch Bürgermeister Tim Grüttemeier bekannte sich zu dem in einfacher Sprache verfassten Slogan der Willi-Fährmann-Schule „aufeinander zugehen, voneinander lernen, miteinander leben“ und bedankte sich bei allen, die zur inklusiven Gesellschaft beitragen. Manches habe man in Stolberg schon umgesetzt, aber zweifelsohne müsse noch viel getan werden.

Bundestags-Vizepräsidentin Ulla Schmidt, Schirmherrin der Veranstaltung, hatte eine Videobotschaft geschickt, in der sie Stolberg für den Mut, Menschen mit und ohne Behinderung auf Augenhöhe zu begegnen, gratulierte. Sie betonte, dass Stolberg die erste Stadt in der Städteregion mit einem Inklusionsbeauftragten sei.

Einzelne Gruppen stellten sich zum Thema Inklusion vor und zeigten wie „voneinander gelernt wurde“. Den Anfang machte ein Video des Tabalingo-Vereins, wo mittlerweile 340 Teilnehmer zwischen vier und 70 Jahren ohne Leistungsdruck zusammenkommen, um sich sportlich oder kulturell zu betätigen. Leiterin Ursula Espeter, persönlich betroffen durch die Geburt einer Tochter mit Downsyndrom, erzählte ihre nachdenklich machende Geschichte und warum sie diesen Verein gegründet hat.

Die Theater AG der Grundschule Grüntal und die integrative Kita St. Hubertus führten drei Szenen aus dem Theaterstück „Der rote Knopf für den Kopf“ auf. Die Gesamtschule Stolberg brachte mit dem selbst komponierten Lied „Egal“ die Aussage der Inklusion auf den Punkt. Das Kunstwerk „Scherenschnitte“, hatte die Köpfe der Kinder zu einem „Gemeinsam in Vielfalt“ zusammengesetzt.

Inklusion zu erklären, sei schwierig, meinte Monika Haaß, zu leben dagegen so einfach. Man bräuchte nur das Herz sprechen zu lassen. Ein anderes Projekt der Schule „Jung lehrt Alt“ hob Schüler der Klasse 9 hervor, wie sie Senioren in der Handhabung der neuen Medien unterrichten. Claudia Dix erzählte von einer Bildungsfahrt nach Oberzauch in Österreich. Als Selbstversorger in einer Hütte untergebracht, lernten die Kinder, was es heißt, auf sich selbst gestellt zu sein.

Kooperationsvertrag

Seit 2012 gibt es zwischen der Grundschule Hermannstraße und der Regenbogenschule einen Kooperationsvertrag. Dieser beinhaltet einen gemeinsamen Waldtag und gemeinsames Theaterspielen bei Schwarzlicht und hilft damit, Vorurteile abzubauen und Begegnung zuzulassen. Marita Holper gründete mit anderen betroffenen Familien 2011 eine Einrichtung nach Petö in Stolberg. Sie hilft 23 Teilnehmern im Alter von 15 Monaten bis 32 Jahre durch intensive Förderung, wieder aktiv am Leben teilzuhaben.

Als nächstes stellte sich die Willi-Fährmann-Schule (Teilstandort Stolberg) vor. Den einfachen Slogan „Soziale Kupferstadt 2030“ prägten die dortigen Schüler, denn das Rathaus-Deutsch erschien ihnen zu kompliziert. Weitere Beispiele wurden in einem kurzen Film dokumentiert. Die Sekundarschule hatte sich im Literaturkurs mit dem inklusiven Roman „Unterm Zitronenmond“ von Rainer Neutzling, einem Kölner Autor, beschäftigt.

Schüler Moritz wollte wissen, wie es mit der Barrierefreiheit in Stolberg aussieht und wie die Menschen auf ihn reagieren und fuhr daher mit dem Rollstuhl durch die Kupferstadt. Er stellte fest, dass für Menschen mit Behinderung schon einiges umgesetzt wurde, aber dass es auch noch viel Handlungsbedarf gibt. Angelina besuchte Tabalingo, worüber sie viel Positives zu erzählen wusste, und Dennis führte ein Interview in der Schule für Sehbehinderte in Düren.

Die Idee „Jeden Tag eine gute Tat“ der Pfadfinder war Pate für das Projekt „Helfende Hände“, hinter dem sich Schüler ab der 7. Klasse verbergen, die zehn Stunden pro Halbjahr in verschiedenen Institutionen arbeiten. Zu ihnen zählen die OGS Mausbach, die Bücherei, das Seniorenzentrum Amselweg oder das Generationenhaus „Kugel“ in der Velau. Sie helfen bei der Kinderbetreuung, ordnen Bücher einoder helfen Flüchtlingskindern bei den Hausaufgaben.

300 Fotos

Die Jugendlichen der Jugendwerkstatt zeigten in Kooperation mit der Willi-Fährmann-Schule ihre Foto-Show „STO52“. Das Lernziel war, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und Eindrücke über Stolberg zu bekommen, in der es sowohl schlechte als auch gute Seiten gibt. Der Sinn der gelungenen Aktion mit knapp 300 Fotos war: Zur Welt gehören alle Menschen. Und nur der kann die Welt verändern, der genau hinguckt und sich einbringt.

Für das Mittagessen hatten das Stolberger Sozialkaufhaus „Wabe“ und der Verein „Frauen für Frauen in Stolberg“ gesorgt. Dann präsentierten sich unter dem Slogan „aufeinander zugehen“ verschiedene Info- und Themenstände. Der Rundgang führte auch zur Kita Zauberkiste, zum Familienzentrum Städtische inklusive Kita Franziskusstraße und zur städtischen Kita Wiesenstraße, die kreative Beiträge ihrer Mitmach-Aktion unter dem Gesichtspunkt „Miteinander leben“ boten. Zwei Workshop-Phasen zum „Stolberger Generationendialog“ und „Miteinander der Kulturen“ rundeten den vielversprechenden ersten Begegnungstag ab.

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