Erste Sekundarschule startet: „Müssen fast alles neu erfinden“

Von: Michael Grobusch
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Die letzten Vorbereitungen im noch überschaubaren Kollegium laufen: Morgen nimmt die neue Sekundarschule mit ihren drei Eingangsklassen den Betrieb auf. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Für Außenstehende ist die Lage schwer zu überblicken. Im Sekretariat herrscht ein ständiges Kommen und Gehen, in den Klassen stapeln sich die Kisten, und auf den Fluren gibt es ein munteres Stimmengewirr, das gelegentlich von lauten Bohr- und Hammergeräuschen übertönt wird. Willkommen im Chaos?

„Keinesfalls!“, betont Jörg Klein, der trotz des regen und mitunter etwas chaotisch wirkenden Treibens mit großer Überzeugung feststellt: „Wir sind bereit und freuen uns, dass es endlich losgeht.“

Schon seit gut einer Woche ist das neue, noch sehr überschaubare Kollegium bei der Arbeit und trifft sich täglich in Stolbergs erster Sekundarschule, die am morgigen Donnerstag den Betrieb aufnehmen wird. Sieben Lehrerinnen und Lehrer starten mit den 80 Kindern der drei Eingangsklassen in das Schuljahr.

Zu ihnen gesellen sich vier Förderlehrer mit jeweils knapp einer halben Stelle, zwei Sozialarbeiter mit ebenfalls eingeschränktem Stundenkontingent, sowie mehrere Honorarkräfte, die sich um die verschiedenen Arbeitsgemeinschaften kümmern werden. „Damit haben wir eine ganz breite Palette an Fachkompetenz“, betont Klein, der – zunächst kommissarisch – die neue Schule gemeinsam mit seiner Stellvertreterin Petra Mersmann leiten wird.

Beide sprechen von einem „sehr ambitionierten Projekt“, das am Anfang noch von einigen Unannehmlichkeiten begleitet sein dürfte: Die Computer- und Kommunikationstechnik muss noch optimiert werden, die Klassenräume müssen eingerichtet und nicht zuletzt die neuen Toiletten fertiggestellt werden.

Darüber hinaus stellt sich die Herausforderung, das die ab diesem Schuljahr auslaufende Hauptschule und die neue Sekundarschule parallel zueinander in den Räumen an der Kogelshäuserstraße arbeiten und unterrichten werden. Schrittweise wird dann in jedem Sommer ein Abschlussjahrgang die Hauptschule verlassen, während die Sekundarschule jeweils drei neue Klassen bildet. Bis Juli 2018 wird die „Verwandlung“ dauern.

„Wir müssen im Grunde fast alles neu erfinden“, meint Jörg Klein und ist deshalb sehr froh, „dass das Kollegium mit einem hohen Maß an Motivation bei der Sache ist“. In den vergangenen Tagen wurde das inhaltlich-pädagogische Konzept erarbeitet, „damit unsere Schüler so gut wie möglich gefördert werden können“. Das Zauberwort lautet „Teamteaching“: Ein großer Teil des Unterrichtes wird in Doppelbesetzung möglich sein. Der Stellenschlüssel für Sekundarschulen macht‘s möglich: Rein rechnerisch kommt auf 16,29 Schüler ein Lehrer.

Organisatorischer Aufwand groß

Das Kollegium wird gerade in der Anfangsphase selbst einiges zu lernen haben. „Die interkollegiale Arbeit unterscheidet sich von denen an anderen Schulformen“, weiß Petra Mersmann. Genaue Absprachen seien enorm wichtig, damit das Modell funktioniere und auch ein paralleles Arbeiten möglich sei. „Das bedeutet organisatorisch einen großen Aufwand und viel Arbeit“, betont Jörg Klein.

Ein zentrales Element der Sekundarschule wird die Gestaltung der Übungsphasen sein. Sechs Stunden pro Woche werden für sogenannte Lernbüros zur Verfügung stehen. In dieser Zeit können die Schüler entsprechend ihrer Schwächen und Stärken Förderschwerpunkte wählen. „So entsteht für jeden Schüler eine individuelle Stundentafel.“

Die klassischen Hausaufgaben sind passé, vielmehr gibt es für jeden Schüler Aufgaben, die sich nach dem Lern- und Wissensstand des Einzelnen richten. Schließlich kommen in der Sekundarschule, ähnlich wie an der Gesamtschule, Kinder mit unterschiedlichen Empfehlungen und Voraussetzungen zusammen, „um beim gemeinsamen Lernen in einem differenzierenden System die bestmögliche individuelle Förderung zu erhalten“, so Petra Mersmann. In diesem Sinne ist die Schullaufbahn nicht auf ein Jahr, sondern auf sechs Jahre ausgerichtet. Sitzenbleiben ist nicht vorgesehen.

„Was zählt, ist die lange Perspektive. Das Ziel lautet, die Schullaufbahn am Ende erfolgreich zu gestalten“, erklärt Jörg Klein. Das kann durchaus auch bedeuten, das Abitur zu machen. Weil die Sekundarschule allerdings keine eigene Oberstufe bilden wird, ist eine Kooperation mit dem Ritzefeld-Gymnasium und dem Berufskolleg bereits besiegelt und mit der Gesamtschule in Vorbereitung.

Der Presslufthammer dröhnt, das Kollegium steckt bei der Konferenz die Köpfe zusammen und lacht. Verständigungsschwierigkeiten gibt es offensichtlich auch unter erschwerten Bedingungen nicht. Gute Voraussetzungen also für das Premierenschuljahr, das morgen um 15 Uhr mit einem multireligiösen Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Franziskus und der offiziellen Einschulungsfeier auf dem Außengelände der Schule eingeläutet wird.

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