Stolberg - Erste Hochwasser-Warnstufe: Bau der Rückhaltebecken nicht in Sicht

Erste Hochwasser-Warnstufe: Bau der Rückhaltebecken nicht in Sicht

Von: Ottmar Hansen
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Schon nach zwei Tagen Regen wies die Vicht Freitagmorgen einen hohen Wasserstand auf. Bei einem 20-jährlichen Hochwasser entstehen erste Schäden, bei einem 50-jährlichen Ereignis beziffert der WVER sie bereits auf 13,4 Millionen Euro. Foto: J. Lange

Stolberg. Kaum hat es einige Tage kräftiger geregnet, schwillt die Vicht im Herzen der Stadt imposant an. Aus dem Vichtbach ist ein reißender Fluss geworden, der reichlich lehmiges Wasser führt. Nicht erst bei einem Jahrhunderthochwasser droht der Innenstadt die Überschwemmung. Etliche Keller und Wohnungen liefen in diesem Fall voll Wasser. Die Schäden gingen weit in die Millionen. Seit Jahren plant der Wasserverband Eifel Rur (WVER) zwei Rückhaltebecken für die Vicht. Wann das Projekt realisiert wird, ist jedoch weiter offen.

Bis Freitag war der Pegel des Münsterbachs (Inde) auf 1,60 Meter angestiegen. Der Mittelstand liegt bei 40 Zentimetern. Von der ersten Hochwasserwarnstufe (1,90 Meter) war die Inde damit jedoch noch einiges entfernt. Der Wasserstand der Vicht betrug rund einen Meter, damit war die erste Warnstufe erreicht (0,90 Meter), der sonst übliche Wasserstand liegt etwa bei 25 Zentimetern.

Risikokarten erstellt

Die Bezirksregierung Köln hat inzwischen Hochwasserrisikokarten für die meisten Bäche und Flüsse in ihrem Zuständigkeitsbereich ins Internet gestellt. Unter der Web-Adresse www.bezreg-koeln-nrw.de kann man auch aufrufen, wie weit die Vicht bei einem Jahrhunderthochwasser über die Ufer treten würde. Oder auch bei einem Hochwasser, wie es statistisch etwa alle 20 Jahre vorkommt. Beim Blick auf die Karte wird dem Betrachter schon mulmig. Selbst bei einem „kleineren“ Hochwasser hieß es in der Stolberger Innenstadt „Land unter“. Die Schäden würden rund 14 Millionen Euro betragen. Bei einem Jahrhundert-Hochwasser rechnet der WVER mit Schäden in Höhe von fast 25 Millionen Euro. Oberstolberg würde von Dalli bis zum Kaiserplatz, Unterstolberg vom Kaplan-Dunkel-Platz bis hinter Vegla unter Wasser stehen.

„Die Probleme sind in diesem Bereich nur schwer in den Griff zu bekommen“, bekannte Marcus Seiler, Sprecher des WVER, am Freitag auf Anfrage. „Der Vichtbach läuft in Stolberg ja zwischen den Häusern hindurch.“ Für den Wasserverband gebe es deshalb nur eine Lösung: „Wir müssen das Wasser schon oberhalb von der Innenstadt abfangen.“

So sieht es auch Thomas Meurer, beim WVER für den Hochwasserschutz in Stolberg zuständig: „Dass Stolberg in Gefahr ist, war schon länger bekannt.“ Bei einem Dauerregen trifft der Scheitelpunkt des Hochwassers nach rund neun Stunden Stolberg. Die beiden geplanten Hochwasserrückhaltebecken für die Vicht seien unverzichtbar. Doch wann sie gebaut werden, könne derzeit nicht genau gesagt werden. Immerhin: „Anfang des Jahres hatten wir einen Termin mit der Bezirksregierung vor Ort, um mögliche Flächen für die Becken zu begutachten“, sagt Meurer. Seither seien die ausgewählten Flächen weiter untersucht worden. Meurer: „Man muss ja feststellen, welche Pflanzen und Tiere in diesem Bereich vom Bau der Becken betroffen wären.“ Erste Ergebnisse der Untersuchungen sollen bis zum Jahresende vorliegen. Dann werde man die Genehmigungsplanung fertigstellen.

Doch damit können die Bagger noch längst nicht anrücken. Die Flächen für die beiden Becken, die rund 1,2 Millionen Kubikmeter Wasser auffangen sollen, müssen vom Wasserverband zunächst erworben werden. Wie lange sich die Verhandlungen mit den heutigen Eigentümern hinziehen werden, könne niemand voraussagen, so Meurer. Die Baukosten sind auf zehn Millionen Euro taxiert.

Wie berichtet, hatte der Wasserverband durch Baumaßnahmen am Münsterbach im Bereich Gewerbepark Atsch die Hochwassergefahr zumindest an dieser Stelle gebannt. Im Bereich Schnorrenberg hatte die Redaktion schon vor Jahren auf eine marode Spundwand aus Holz hingewiesen, die den Münsterbach auf einem Niveau von 1,50 Meter oberhalb der Keller von Mehrfamilienhäusern „kanalisieren“ soll. Die löchrigen Holzbretter würden durch eine neue Konstruktion ersetzt, versprach Thomas Meurer am Freitag. Entlang der Vicht hätten sich viele Unternehmen durch den Bau von Wällen bereits selbst vor Hochwasser in Sicherheit gebracht.

Für den Mausbach hat der Wasserverband keine Schutzmaßnahmen vor Hochwasser geplant. Meurer: „Hier gibt es keine Probleme.“ Eher schon am Hasselbach, aber auch dort seien keine Rückhaltevorrichtungen für Starkregenereignisse vorgesehen.

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