Erste Hilfe im Notfall: Es kann um Leben und Tod gehen

Von: Leandra Kubiak
Letzte Aktualisierung:
13230176.jpg
Den Körper aufrichten, die Arme durchstrecken und mit dem eigenen Körpergewicht auf den Brustkorb des zu behandelnden Patienten drücken: So funktioniert die Herzrhythmusmassage. Michael Bartz ist Notfallsanitäter und weiß bestens, wie es geht. Foto: Leandra Kubiak
13230179.jpg
Auch der Früh-Defibrillator kann im Ernstfall helfen: Im Falle eines Herzkammerflimmerns kann er einen elektrischen Schock abgeben. Foto: Leandra Kubiak

Stolberg. Man ist mit dem Auto unterwegs und vor einem ereignet sich ein Unfall; man kauft im Supermarkt ein und plötzlich verliert eine Person das Bewusstsein – Szenarien, die sich niemand wünscht, in die aber letztlich jeder einmal verwickelt werden kann. Der Erste-Hilfe-Kurs in der Fahrschule liegt für die meisten weit zurück, und daher stellt sich die Frage: Wie reagiere ich in so einer Situation richtig?

Dass man sich nicht scheuen sollte, einzuspringen und zu helfen, ist eine Botschaft, die die Notfallsanitäter der Feuerwehr wohl nicht oft genug vermitteln können. Michael Bartz ist einer von ihnen. Er ist einer von drei Kollegen der Stolberger Feuerwehr, die dieses Jahr einen Aufbaulehrgang besucht und erfolgreich ihre Prüfung zum Notfallsanitäter abgelegt haben.

Dieter Albrecht, Norbert Janssen und Bartz sind nun beispielsweise dazu berechtigt, im Einsatz Notfallmedikamente zu verabreichen und selbst Behandlungen durchzuführen, die vorher nur den Notärzten vorbehalten waren. Mit dem Lebenretten kennt Bartz sich aus, denn schon vor seiner Zusatzausbildung war er 14 Jahre lang als Rettungsassistent tätig.

Für einen Ersthelfer gibt es einiges zu beachten: Findet man eine Person bewusstlos, oder vermeintlich bewusstlos, auf, gilt es zunächst, den Zustand zu überprüfen. Man sollte immer versuchen, Kontakt mit der Person aufzunehmen, sie anzusprechen, rät Bartz. Steht dann fest, die Person reagiert nicht, sollte der Notruf gewählt werden.

Die acht bis zwölf Minuten, die verstreichen, bis ein Rettungswagen eintrifft, sollten aber in jedem Falle vom Helfer vor Ort genutzt werden. „Schon nach einer Minute, die ein Mensch nicht mit Sauerstoff versorgt wird, beginnt eine Zellschädigung“, sagt der Sanitäter. Es zählt also jede Minute!

Ist ein Mensch bewusstlos, wird seine Muskulatur schlapp. Die Zunge fällt dann beispielsweise nach hinten in den Gaumen. Der erste Schritt, um die Atmung wieder zu aktivieren, ist also, den Kopf zu überstrecken, um den Weg zur Luftröhre frei zu machen. Dafür fasse man am besten Kinn und Hinterkopf an und lege den Kopf so weit wie möglich in den Nacken. Im nächsten Schritt muss kontrolliert werden, ob der Mensch atmet, oder nicht. „Dafür sollte man sich mindestens zehn Sekunden Zeit nehmen“, empfiehlt der Experte. Andernfalls könne man nicht sicher sein.

Bei der Kontrolle sollte man schauen, ob sich der Brustkorb hebt und senkt; außerdem sollte am Mund der Person beobachtet werden, ob eine Atmung zu hören oder zu spüren ist.

Ist keine Atmung zu verzeichnen, geht es an die Wiederbelebung. Egal, ob es sich um ein Kind oder um eine erwachsene Person handelt, einen Rhythmus kann man sich merken: 30 Mal Druck auf den Brustkorb bei der Herzrhythmusmassage, zwei Mal beatmen, dann wieder von vorne.

Aufhören sollte man grundsätzlich erst dann, wenn die Person wieder atmet und zu Bewusstsein kommt, oder, sobald der Rettungsdienst eintrifft. Da die Wiederbelebung ganz schön anstrengend sei, könne man sich natürlich auch abwechseln, sagt Bartz.

Für die Herzrhythmusmassage sollte der bewusstlose Mensch auf einem harten Untergrund liegen. Die Bekleidung am Oberkörper sollte geöffnet oder ausgezogen werden. Man kniet sich am besten neben den Patienten, richtet den eigenen Oberkörper auf und drückt mit beiden Händen und durchgestreckten Armen kräftig auf die Brust der Person.

Den richtigen Punkt auf dem Brustkorb beschreibt Bartz so: „Mitte-Mitte Brust“. Man setzt also etwa mittig auf dem Brustbein und in etwa auf Höhe der Brustwarzen an.

Für viele ist es sicherlich eine Überwindung, mit dem eigenen Körpergewicht auf den Brustkorb eines Menschen zu drücken. Es sei aber notwendig, den Brustkorb rund fünf Zentimeter runter zu drücken, erklärt der Feuerwehrmann. Andernfalls könne das Herz nicht stimuliert werden. Anderes gilt für Kinder oder gar für Säuglinge: Hier reicht es aus, mit einer Hand zu drücken. Beim Säugling reicht sogar der Druck über zwei Finger aus.

Eines kann man sich zur Erleichterung bewusst machen: „Wenn jemand nicht bei Bewusstsein ist, ist das ein lebensbedrohlicher Zustand. Es geht also um Leben und Tod, und deshalb kann man eigentlich gar nichts falsch machen“, sagt Bartz.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert