Eröffnung: Das etwas andere Kaufhaus wird größer

Von: Sarah-Lena Gombert
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Es ist zwar ein bisschen anders als ein normales Kaufhaus: Zur offiziellen Eröffnung der neuen Räume des Sozialkaufhauses Wabe an der Stolberger Rathausstraße durften Ballons trotzdem nicht fehlen. Foto: S.-L. Gombert
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Dagmar Offermann von der Wabe stellte den Besuchern das Konzept der Einrichtung vor. Foto: S.-L. Gombert

Stolberg. Ob in der Recycling-Werkstatt, in der Schreiner-Werkstatt, im Bistro oder im Sozialkaufhaus: Vielen Menschen bietet die Wabe in Stolberg eine sinnvolle Beschäftigung. Und viele Stolberger Bürger unterstützen die Einrichtung, so dass die Räume des alten Kaufhauses an der Ellermühlenstraße nicht mehr ausreichten.

Am Dienstag sind die neuen Geschäftsräume dieses etwas anderen Kaufhauses an der Rathausstraße feierlich eröffnet worden. Auch Vertreter der Stadtverwaltung, des Jobcenters der Städteregion und der Landespolitik waren gekommen.

„Seit zehn Jahren gibt es die Wabe bereits am Standort Stolberg“, erklärt Dagmar Offermann, Leiterin des Bereichs Beschäftigungsprojekte, im Gespräch mit unserer Zeitung. Und gerade in einer Stadt wie Stolberg mit der höchsten Arbeitslosigkeit in der Städteregion sei das Angebot, dass die Einrichtung macht, besonders wichtig: Rund 100 Langzeitarbeitslose sind hier über verschiedene Maßnahmen beschäftigt.

Sie haben also einen geregelten Tagesablauf und vielleicht auch eine Chance auf eine Stelle auf dem sogenannten ersten Arbeitsmarkt. Und nicht nur das: „Die Menschen werden hier auch von unseren Sozialarbeitern betreut“, so Offermann.

Die Liste der Probleme ist lang

Denn die Probleme, die die Menschen haben, die bei der Wabe eine Beschäftigung finden, sind oft vielschichtig. „Zur Arbeitslosigkeit kommen oft Probleme wie beispielsweise eine hohe Verschuldung oder Wohnungslosigkeit dazu“, sagt Sozialarbeiterin Claudia Schmidt. Probleme mit Behörden oder mit der Polizei kommen oft hinzu. „Die Liste der Probleme ist lang“, betont Claudia Schmitt, „aber die Liste unserer Hilfsangebote ist es auch.“

Dass man die sozialen Probleme in einer Kommune ernsthaft und ehrlich zur Kenntnis nehmen müsse, das fordert auch der Stolberger Sozialdezernent Robert Voigtsberger in seiner Rede: „Viele Menschen in Stolberg sind arbeitslos oder müssen mit einem geringen Einkommen leben.“

Für ihn bedeute das, dass die Themen soziale Ungleichheit und soziale Gerechtigkeit auf die Tagesordnung gehören. Den Beschäftigten der Wabe spricht der Erste Beigeordnete seinen Dank aus: „Sie packen die Probleme an und engagieren sich ganz praktisch.“ Dadurch, dass Beschäftigung geschaffen werde und auch die Möglichkeit zum günstigen Einkaufen, würde der Stadtteil auf vielfältige Weise geprägt.

Denn neben den Beschäftigten profitieren natürlich auch die vielen Kunden vom Warenangebot des Kaufhauses: Während es in den alten Räumen an der Ellermühlenstraße vor allem Kleidung, Möbel und Haushaltsartikel gibt, sind es in dem Ladenlokal an der Rathausstraße vor allem Kinderspielzeug, Elektronikartikel oder auch Fahrräder, die es zu kaufen gibt. Im Bistro gibt es ein preiswertes Mittagessen oder eine Tasse Kaffee, bei der man sich unterhalten kann.

Allerdings nicht für jeden, wie Wabe-Mitarbeiterin Miriam Kube erklärt: „Unsere Spender sollen wissen, dass ihre Sachen an bedürftige Leute gehen.“ Das heißt, dass jeder Wabe-Kunde seine Bedürftigkeit nachweisen muss, bevor er eine Kundenkarte bekommt. „Berücksichtigt werden aber nicht nur Leistungsempfänger“, sagt Kube.

Auch ältere Menschen, die mit einer sehr kleinen Rente auskommen müssen oder Studenten, die von Zuhause aus nicht viel Geld haben, können Wabe-Kunden werden. „Wir orientieren uns da an den Pfändungsgrenzen.“ Diese Pfändungsgrenzen zeigen an, wie viel Geld ein Schuldner pro Monat trotz Pfändung behalten darf. Bei einer Einzelperson sind das etwa 1000 Euro pro Monat.

So kommt die Wabe nach eigenen Angaben auf einen Kundenstamm von rund 2500 bis 3000 Menschen. Die sind nicht alle aus Stolberg, sondern kommen auch aus Aachen und Eschweiler zum Einkaufen her.

„Es gibt leider immer mehr Kräfte, die versuchen, die Gesellschaft zu entzweien“, erklärte der Landtagsabgeordnete Stefan Kämmerling (SPD) bei der Eröffnungsfeier. Dem Team der Wabe gelinge es, diesen Strömungen etwas entgegenzusetzen.

Küchen sind sehr gefragt

Damit das auch in Zukunft so bleibt, sammelt das Team der Wabe weiterhin fleißig Spenden: „Wir nehmen gerne Spenden aller Art entgegen“, bekräftigt Miriam Kube. Besonders gefragt seien bei den Kunden Möbel – die gebe es im Sozialkaufhaus deutlich günstiger als im Einzelhandel. Auch Küchen seien sehr begehrt. „Wenn wir genug Spenden hätten, könnten wir jeden Tag zehn Küchen verkaufen“, schätzt die Mitarbeiterin.

Zum Abschluss der Eröffnungsfeier lassen die Festgäste die Korken knallen und noch ein paar bunte Helium-Ballons fliegen, an denen Gutscheine für die Wabe-Kunden baumeln. Eine symbolische Aktion, klar. Aber Dagmar Offermann sagt: „Ich hoffe, dass der ein oder andere Kunde mit einem Gutschein den Weg zu uns findet“, sagt Dagmar Offermann.

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