Ernsthaftigkeit mit zwinkerndem Humor

Von: Dirk Müller
Letzte Aktualisierung:
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Der norddeutsche Künstler Hans-Ruprecht Leiß (rechts) im Gespräch mit einem Besucher der Sonderausstellung „Gezeichnete Welten” in der Stolberger Steinweg Galerie. Foto: D. Müller

Stolberg. Eigentlich wollte der Künstler Hans-Ruprecht Leiß nur ein großformatiges Bild aus Flensburg in die Eifel liefern. Doch seinem „Kunden”, dem Kunstsammler, Leiter der Volkshochschule Eschweiler und ehemaligen Vorsitzenden des Rheinischen Kunstvereins, Hans-Werner Schmidt, kam die Idee, den Besuch des „Nordlichts” mit einer kurzen Ausstellung zu verbinden.

„Das war schon sehr spontan, doch sowohl der Künstler als auch Christa und Karl-Heinz Oedekoven von der Stolberger Steinweg-Galerie haben sich als äußerst flexibel erwiesen und die zweitägige Sonderausstellung tatsächlich möglich gemacht”, beschreibt Schmidt, der seit langem das Schaffen von Hans-Ruprecht Leiß verfolgt.

So kamen Kunstfreunde am Wochenende in den Genuss der Schau „Gezeichnete Welten”, die - obwohl quasi nur auf der Durchreise - mit ihren zahlreichen Exponaten die gesamte Steinweg Galerie einnahm. Zu sehen waren Werke von poetischer Ausstrahlung. Leiß´ Zeichnungen offenbaren eine interessante Symbiose von Ernsthaftigkeit und augenzwinkerndem Humor, sie sprechen auf den ersten Blick an und fordern gleichsam die eingehendere Betrachtung, das genaue Hinsehen in ihrem präzisen Detailreichtum. Seine heiter bis ironischen Bilder sind gegenständlich wie surreal, die dargestellten Szenen oft absurd und grotesk sowie farben- und lebensfroh.

Der Künstler erblickte 1954 in Husum das Licht der Welt und absolvierte zunächst ein Lehramtsstudium für Kunsterziehung in Flensburg, wo der 1985 freischaffende Künstler bis heute lebt. Das Meer und die Unterwasserwelt als mittelbare Lebensumgebung von Leiß finden sich so auch oft in seinen Motiven wieder. Boote und Fische verschiedenster Art, Krebse und Küstenlandschaften alternieren fantasievoll mit skurrilen Fabelwesen und fantastischen Zwittern, die zum Beispiel halb Vogel und halb Fisch sind.

Menschlicher Größenwahn

Häufig stellt Leiß in unterschiedlichen Variationen und Zusammenhängen den Turm zu Babel, Symbol menschlichen Größenwahns und Scheiterns, dar. Er lässt zum Beispiel Elefanten eine Pyramide vor ihm bauen, oder umringt ihn mit einer munteren Schar Skelette als ein im Bild zitierter Totentanz.

Andere Zeichnungen führen in den Orient oder zeigen Giraffen - auch auf Rädern - und eine Schnecke, die in ihrem Haus zwei barbusige Schönheiten beherbergt. Und auch wenn auf dem Panzer eines Hummers ein Boot mit einem Nashorn und einem Elefanten als Besatzung gestrandet ist, handelt es sich um einen „echten Leiß” aus Flensburg.
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