Erlebnisgastronomie im Zellentrakt: Projekt verstaubt in der Schublade

Von: Jürgen Lange
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Eine Terrasse an der Vicht, Pavillon und Außen- sowie Erlebnisgastronomie im alten Amtsgericht waren 1997 schon einmal ein Thema. Foto: J. Lange

Stolberg. Was die Kupferstadt bieten könnte, kann man bei einem Besuch in Roermond finden – nur alles ein paar Nummern größer: Natur und eine erlebbare Wasserlandschaft, jede Menge Einkaufsmöglichkeiten in Innenstadt und Outlet-Center – sowie Hotel und Restaurant in dem bis 2007 betriebenen Gefängnis.

Seit 2011 bietet dort das noble Hotelrestaurant „Het Arresthuis“ Erlebnisgastronomie und Wellness – nebst Gästezimmern im früheren Zellentrakt. Man könnte meinen, die Idee dazu haben sich die Niederländer in Stolberg abgeschaut. Denn sie entspricht ziemlich genau dem, was bereits Ende der 90er Architekt Karl-Heinz Keune und als Investor AMW-Projekte-Chef Norbert Hermanns für ihr Sanierungsprojekt altes Amtsgericht vorgeschlagen hatten.

Mit ihren Vorschlägen legten sie bereits vor mehr als einem Dutzend Jahren die Pläne vor, über die heute einmal mehr in der Kupferstadt geredet wird: Die Öffnung und Einbeziehung von Vichtbach und Kaiserplatz sowie die Schaffung attraktiver Gastronomie mit Außenbewirtschaftung. Rund 500 ausgesprochen interessante Quadratmeter im Kellergeschoss mit gemauerten Gewölben und Gänge für die schmalen Zellen auf bis zu drei Etagen lassen sich auch heute noch mieten und für eine Erlebnisgastronomie gewinnen.

Derzeit sind hinter den schweren Holztüren aus preußischen Zeiten lediglich Akten eingelagert, ein Potenzial das nach jahrelanger Haft nur wach geküsst werden müsste.

Dort, wo heute in Innenhof Autos parken, sollte eine Außengastronomie für Leben sorgen. Auch an eine Bewirtschaftung auf dem Kaiserplatz wurde nachgedacht. Die Ufermauer der Vicht sollte abgesenkt werden zugunsten einer schmucken Terrasse. Außerdem sollte mit einem Fußweg entlang des Bachlaufes der Kupferhof Sonnental mit den Serpentinen der Grünanlage Bergstraße verbunden werden. 90 000 DM hätte das gekostet, der Investor hätte die Hälfte getragen; aber für die verbleibenden 45 000 DM fehlte der Stadt das Geld oder ein Sponsor.

Ebenso wie die Hoffnungen auf den Bachuferweg platzten die Träume der Erlebnisgastronomie, weil in den auch damals schwierigen wirtschaftlichen Zeiten sich kein geeigneter Gastronom als Pächter finden ließ. Doch während im Rathaus diese alten Pläne in Vergessenheit geraten sind, ist Immobilien-Eigentümer Norbert Hermanns noch immer Feuer und Flamme. „Gerne würden wir das tolle Projekt wieder aufgreifen, wenn wir die erforderliche Unterstützung bekommen würden“, sagt Hermanns, der neben Amtsgericht und Gymnasium auch bei Burg-Center und Kaufland engagiert war und versucht hatte, im oberen Steinweg mehrere Immobilien unter ein gemeinsames Dach zu bekommen.

Als Ergebnis der äußerst schwierigen Bemühungen blieb der Parkplatz an der Rathausumfahrt mit Passage zum Steinweg. Doch mit einer Förderung des Innenstadtkonzeptes könnten Erlebnisgastronomie und andere Ideen wieder aufleben.

Mit Hermanns haben Vertreter der Stadtverwaltung bis Donnerstag aber ebenso wenig über das neue Innenstadtkonzept gesprochen wie mit Karl-Heinz Keune. Der baute unter anderem vor 25 Jahren das Victor-Kaufhaus, und hatte bereits seinerzeit Konzepte zu barrierefreiem Wohnen etwa im alten Gymnasium und ehemaligen Schwimmbad vorgelegt.

Spricht man den langjährigen Architekten auf eine Wiederbelebung der Stolberger Innenstadt an, sprudeln die Ideen nur so heraus – einige davon sind dem interessierten Betrachter der Kupferstadt nicht unbekannt, wie das begehbare Bachbett der Vicht zwischen Enkerei und Arnolds Mühle.

Auch an den guten, alten Burgkeller erinnert Keune – ein langjähriger Ort der Spitzengastronomie mit Vicht-Terrasse, der seit drei Jahren auf eine Wiedereröffnung wartet.

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