Erinnerungen und kuriose neue Einblicke in 220 Jahre Schulleben

Von: Dirk Müller
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Auch die „Macherinnen“ der Ausstellung, Irmgard Remmert (links) und Petra Grüttemeier, freuen sich sichtlich über ein „neues altes“ Einschulungsfoto. Foto: D. Müller

Stolberg. Bei älteren Semestern wird sie manche Erinnerung wecken, jüngeren Menschen völlig neue Einblicke geben. Sehenswert ist die Ausstellung auf jeden Fall, die 220 Jahre Schulleben am Beispiel Büsbach zeigt und am Freitag, 30. September, um 17 Uhr im Museum Zinkhütter Hof eröffnet wird.

Irmgard Remmert, ehemalige Leiterin der vor 220 Jahren gegründeten Büsbacher Grundschule, und Petra Grüttemeier, Museumspädagogin des Zinkhütter Hofs, haben die Exponate der Schau zusammengetragen, die noch vor dem ersten Schultag beginnt.

Ein Gemälde mit Schneewittchen und den sieben Zwergen, Puppen in Kinderwagen und Wiege, eine Holzroller und Stelzen erinnern an die Freizeitbeschäftigungen von Vorschulkindern in früheren Zeiten.

An der nächsten Station beginnt „der Ernst des Lebens“, und Besucher der Ausstellungseröffnung können für „neue alte“ Einschulungsfotos Modell stehen. Übrigens nicht das einzige interaktive Element der Ausstellung, zu der auch Gruppenführungen und Sütterlin-Workshops angeboten werden (siehe Infokasten).

Gleich daneben zieht ein Lesebuch der ersten Klasse von 1927 die Blicke fast magisch an. In der Sütterlinschrift gehalten beeindruckt es besonders mit liebevollen, detaillierten, farbigen Illustrationen.

Eine Fülle von Lehr- und Unterrichtsmaterial wie historische Schulpulte, Griffelkästchen, Schaubildern, Büchern und mehr werden zur Schau gestellt, und Ausstellungsbesucher können sich zum Beispiel in Handarbeitsstichen üben.

Anhand alter Zeugnisse und Fotos wird die 220-jährige Geschichte der Büsbacher Schule hinsichtlich Lehrer, Gebäude und Schülern dokumentiert. Und wenn bei der musikalisch untermalten Ausstellungseröffnung kurz eine historische Schulstunde nachgestellt wird, dann kann durchaus Kurioses zu Tage treten. Zumindest, wenn man einen Blick auf eine typische Klassenordnung wirft, wie sie vor 200 Jahren galt.

„Jeder Schüler legt seine Hände geschlossen auf den Tisch“, heißt es darin, und „jeder stellt seine Füße genau nebeneinander auf den Boden“. Während nach heutigen Maßstäben der pädagogische Nutzen der Fußstellung angezweifelt werden darf, ist der 1818 von Johann Kopp, Hauptlehrer in Büsbach, erstellte Strafenkatalog noch wesentlich hanebüchener.

Zu dieser Zeit gehörte körperliche Züchtigung noch zum „Lehrauftrag“, und Kopp verhängte für Jungen, die sich Mädchen gegenüber schlecht benehmen, zehn Stockschläge. Vier davon setzte es aber auch, wenn „Mädchen und Jungen zusammen spielen“.

Für Alkoholgenuss kamen die Schüler seinerzeit mit acht Stockschlägen weg, fürs Kartenspielen wurden wieder zehn fällig, wogegen „Glücksspiele oder Wetten“ nur mit vier Schlägen geahndet wurden.

„Günstiger“ waren Hygiene-Verstöße: Für „schmutziges Gesicht und Hände“ gab es ebenso zwei Schläge wie für „sich nass spritzen beim Waschen in der Pause“.

Leicht hatten es die Schüler also nicht, es dem Hauptlehrer recht zu machen, doch darauf hätten sie zum Beispiel besser nicht schwören sollen, denn Punkt 8 des Strafenkatalogs führt „Schwören“ mit der Konsequenz von acht Stockschlägen auf.

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