Erhitzte Gemüter und Spielabbruch

Von: Lukas Franzen
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Da kochten die Gemüter hoch: Das Spiel Vichttal gegen Donnerberg wurde beim Stand von 1:2 abgebrochen und 2:0 für Vichttal gewertet, weil ein Donnerberger Spieler nach einer Roten Karte dem Schiedsrichter einen Stoß versetzte. Foto: Franzen
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Zum zweiten Mal in Folge jubelten die Fußballer des VfL Vichttal über den Stadtmeister-Titel. Foto: Franzen

Stolberg-Münsterbusch. Als Günter Samens nach mehrminütiger Spielunterbrechung zum Mikrofon griff, beruhigten sich die erhitzten Gemüter auf dem Hallenparkett wie auf den Rängen für einen kurzen Moment und es herrschte Stille. „Wir alle haben gerade gewisse Dinge gesehen, die beim Fußball nichts verloren haben.“

Der Vorsitzende der Gastgeber Adler Büsbach fand deutliche Worte, bevor er aussprach, was die meisten Zuschauer in diesem Moment wohl schon geahnt hatten: „Das Spiel wird abgebrochen und 2:0 für Vichttal gewertet.“

Viele Zuschauer applaudierten, andere skandierten „Schiebung“. Und die tumultartigen Szenen bei der 26. Hallenstadtmeisterschaft blieben das dominierende Thema an diesem Sonntagnachmittag. Was war passiert? In der Gruppe A bestritt der TSV Donnerberg sein entscheidendes Spiel gegen den VfL 08 Vichttal, der zu diesem Zeitpunkt bereits als Gruppensieger feststand. Ein Unentschieden hätte dem TSV bereits für den Halbfinaleinzug genügt, aber der A-Ligist spielte auf Sieg und belohnte sich wenige Minuten vor Schluss mit einem Treffer zum 2:1. Die Mannschaft der Spielertrainer Daniel Hoven und Torsten Hansen stand mit mehr als einem Bein in der nächsten Runde und konnte sich nun eigentlich nur noch selber schlagen. Genau das tat sie!

Mit provozierenden Gesten in Richtung Tribüne und Gegner entschied sich Jens Hansen für eine fragwürdige Art des Torjubels und handelte sich dafür die rote Karte ein. Bei provokativen „Stinkefingern“ und Faustbewegungen beließ es sein Mannschaftskollege – auch er wurde dafür mit einem Platzverweis bestraft – jedoch nicht. Nach seinem Platzverweis sah dieser nun buchstäblich rot und versetzte Schiedsrichter Alexander Kohl einen Stoß. Der Unparteiische unterbrach das zehnte Spiel des Tages und pfiff es nicht wieder an. Aus einer 2:1-Führung war eine 0:2-Niederlage aus Donnerberger Sicht geworden und die unschönen Szenen überschatteten ein bis dato sehr fair geführtes Turnier.

„Eine Tätlichkeit gegen mich selbst habe ich in zehn Jahren, seitdem ich pfeife, noch nie erlebt“, zeigte sich der Bezirksliga-Schiedsrichter nach der Partie schockiert. Spiele bei Stolberger Stadtmeisterschaften seien in der Vergangenheit eigentlich immer recht fair verlaufen, so der 23-Jährige. „Ich stelle aber fest, dass die Aggressivität auf den Fußballplätzen in dieser Saison deutlich zugenommen hat.“

Auf völliges Unverständnis stieß das Fehlverhalten der Donnerberger Spieler auch bei Bert Kloubert, dem Vorsitzenden des Stadtsportverbands: „Wie kann ein Tor für die eigene Mannschaft nur solche Reaktionen auslösen? So ein Verhalten muss drakonische Strafen nach sich ziehen. Schiedsrichter müssen geschützt werden. Sonst haben wir bald gar keine mehr.“

Gänzlich anders beurteilt der Vorstand des TSV Donnerberg die Vorfälle rund um das Skandalspiel ihres Clubs. „Die Vichter Zuschauer haben uns beschimpft und die Stimmung in der Halle extrem aufgeheizt“, gibt Geschäftsführer Markus Baginski den gegnerischen Anhängern die Schuld für die Eskalation. Auch sei der Schiedsrichter nicht geschupst, sondern nur „leicht berührt“ wurden. „Die Entscheidung, das Spiel abzubrechen ist für mich völlig unverständlich.“

Fußball wurde auch gespielt

Fußball gespielt wurde in der Turnhalle des Goethe-Gymnasiums übrigens auch noch! Dem VfL Vichttal folgte nun der FC Stolberg als Nutznießer des Eklats in die Runde der besten Vier. In der Finalgruppe B setzte sich die SG Stolberg noch vor dem SV Breinig durch. ASA Atsch und der FC Breinigerberg schieden hingegen ebenso aus wie Gastgeber Adler Büsbach. Zu einer Neuauflage des vergangenen Endspiels kam es nicht. Denn Titelverteidiger Vichttal und Rekordsieger SV Breinig trafen bereits im ersten Halbfinale des Tages aufeinander, gefolgt von dem Duell der beiden A Ligisten: SG gegen FC Stolberg. In beiden Begegnungen stand kein Sieger nach regulärer Spielzeit fest. Die Entscheidungen mussten im Neunmeterschießen fallen. Und dieses Mal war das Quäntchen Glück auf Seiten der Vichttaler (6:5) und des FC Stolbergs (6:4).

Ein Finale ohne Breiniger Beteiligung? Das hatte es mindestens zehn Jahre nicht mehr gegeben. Und so ergab die Finalkonstellation für so manchen Hallenstammgast ein durchaus ungewohntes Bild. Doch auch im „kleinen Finale“, dem Spiel um Platz 3, machten die Breiniger und die SG Stolberg eine gute Figur – und Werbung für ihren Sport.

In einem Duell mit wechselnden Führungen erzielten sie acht Treffer in 15 Minuten und toppten damit den mit sechs Toren pro Spiel ohnehin schon hohen Schnitt des Finaltages. Am Ende stand es 5:3 für den SVB, der in diesem Jahr lediglich mit fünf Spielern seiner 1. Mannschaft vertreten gewesen war. Mit drei Treffern trug Peter Flaam maßgeblich zum Breiniger Sieg gegen die SG bei. Als bester Schütze des Turniers erzielte er insgesamt 12 Tore.

Dass ein entscheidendes Spiel emotional und dennoch fair geführt werden kann, bewiesen in der letzten Partie des Tages auch der VfL Vichttal und Überraschungsfinalist FC Stolberg – das dritte Aufeinandertreffen beider Clubs im Laufe des Turniers. Sollte nach zwei stets knappen Niederlagen des FC nun der Außenseiter die Nase vorn haben?

Das Team von Holger Peters schlug sich erneut wacker gegen den Landesligisten, der jedoch nach sechs Minuten durch den perfekt freigespielten A-Jugendspieler Ihsan Bal mit 1:0 in Führung ging. Der Ausgleich zum 1:1 folgte postwendend nach Foulspiel von Keeper Marcel Herzog per Neunmeter. Was nun folgte, war Vichttaler Powerplay auf das Gehäuse von FC-Schlussmann Thorsten „Toto“ Willhardt, der mit Glanzparaden im Minutentakt über sich hinauswuchs und das Unentschieden über die Zeit rettete. Das nunmehr dritte Neunmeterschießen im vierten Entscheidungsspiel musste über den 26. Hallenstadtmeister entscheiden. Und wieder blickten alle auf die starken Torhüter Marcel Herzog und „Toto“ Willhardt. Eine Vorentscheidung schien endgültig gefallen, als der der FC Stolberg seine ersten beiden Versuche vergab. Doch im Anschluss ließ auch der VfL gegen Willhardt Federn. Noch immer lag der Landesligist mit einem Treffer in Front. Würde Hassan Koubaa mit dem letzten von fünf Schüssen nun alles klar machen? Nein! Er traf nur das Aluminium. Weitere fünf Versuche sollte es dauern, bis der Sieger des Sparkassenpokals endlich feststand. Sven David vergab den zehnten Versuch für den FC; Koubaa machte es hingegen besser als bei seinem ersten Schuss und setzte dem VfL damit zum zweiten Mal in Folge die Stadtkrone auf.

„Die Meisterschaft gehört eindeutig unserem Torwart Marcel Herzog“, erklärte VfL-Coach Udo Lipka den kurzfristig eingesprungenen U23-Feldspieler zum Matchwinner an diesem Finalwochenende. „Wir wollten den Titel unbedingt verteidigen. Das ist ein schöner Erfolg für uns.“ Lipkas Trainerkollege Holger Peters äußerte trotz der Finalniederlage ebenfalls zufrieden: „Wir haben das ganze Turnier sehr diszipliniert gespielt. Die Vizemeisterschaft ist doch auch etwas und bringt Motivation für die Rückrunde.“

Trotz des Eklats am Nachmittag, überwogen bei der Siegerehrung also wieder die strahlenden Gesichter. Nur einer, TSV-Geschäftsführer Baginski, wurde mit „Buh“-Rufen bedacht, als er einen Scheck für den fünften Platz seines Vereins entgegennehmen sollte. „Aus Protest“ (Baginski) gegen die Ankündigung Bert Klouberts, „Vereine, die sich derart daneben benehmen“ zukünftig mit einer Jahressperre zu belegen, landete die Prämie des Hauptsponsors denn auch prompt vor Klouberts Füßen. Der Betrag soll auf Wunsch des TSV nun einem Kindergarten zugutekommen. Und so hatte das Fehlverhalten einiger weniger am Ende zumindest noch eine positive Seite.

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