Erdkunde und Politik: In English, please!

Von: Sonja Essers
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Im bilingualen Unterricht spielen auch Filme und Videos eine wichtige Rolle. Gefeiert hat das Goethe-Gymnasium auch das 15-jährige Bestehen des bilingualen Zweigs. Koordiniert wird dieser von Susanne Camphausen. Foto: S. Essers

Stolberg. Als Margarete Schäpers, Adalbert Rüttgers und Jürgen Wilk­ner vor 25 Jahren den bilingualen Zweig am Goethe-Gymnasium ins Leben riefen, wussten sie nicht, was sie erwarten würde. Lehrbücher für den Unterricht gab es zu diesem Zeitpunkt nicht, und auch die Forschung hatte bis dato keinerlei Erkenntnisse gesammelt.

Abgeschreckt hat die ehemaligen Lehrer dies keineswegs. Vielmehr suchten sie andere Wege, um die Fächer Erdkunde, Politik und Geschichte in englischer Sprache unterrichten zu können. Einer davon: Regelmäßige Reisen nach Großbritannien, in denen die Buchhandlungen nach geeignetem Material durchforstet wurden.

Diese Probleme kennt Susanne Camphausen nicht. Sie ist stellvertretende Schulleiterin und Koordinatorin des bilingualen Zweigs am Goethe-Gymnasium, der am Donnerstag sein „Silver Anniversary“, seinen 25. Geburtstag, feiert. Heute erfreut sich diese Möglichkeit bei Kindern und Eltern immer größerer Beliebtheit. Immerhin entscheiden sich rund 50 Prozent der Schüler eines Jahrgangs für den zweisprachigen Unterricht in Erdkunde, Geschichte und Politik. Das war jedoch nicht immer so.

Zum 20-Jährigen wählten gerade einmal zwischen einem Viertel und einem Drittel der Goethe-Schüler die zweisprachige Ausbildung. Der Grund für den Umschwung? Immerhin habe der bilinguale Unterricht allerhand Vorteile, wie Camphausen berichtet. „Die Sicherheit in der englischen Sprache, die die Schüler mit dem Abitur haben, ist immens“, sagt sie. Und was schätzen Eltern an diesem Angebot? „Sie sind davon angetan, weil es auch auf dem Arbeitsmarkt gut ankommt“, weiß Camphausen.

Wie die Idee zum bilingualen Zweig an der Schule entstand? Auch das ist eine besondere Geschichte. Anfang der 90er Jahre kämpfte das Gymnasium mit sinkenden Anmeldezahlen. Schulleiter Wilhelm Hammelstein hatte von der bilingualen Ausbildung, die ursprünglich aus einem Kooperationsvertrag zwischen Deutschland und Frankreich entstanden war (siehe Box), gelesen. Auf diese Weise wollte er nicht nur dem Negativtrend entgegen wirken, sondern Schülern auch eine Chance geben, ihr Profil aufzuwerten.

Gesagt, getan! Mit Schäpers, die die Koordination übernahm, Rüttgers und Wilkner waren die Pioniere der ersten Stunde gefunden, die den bilingualen Zweig entwickelten und prägten – auch ohne Lehrbücher. Heute seien nicht nur Texte, sondern auch Filme und Videos hilfreich für den Unterricht.

Und noch etwas hat sich im Laufe der Jahre geändert. Mussten Schüler und Eltern in der Vergangenheit bereits in der fünften Klasse entscheiden, ob das Kind ab der siebten Klasse am bilingualen Unterricht teilnimmt oder nicht, haben es die derzeitigen Sechstklässler und alle Schüler, die danach folgen, um einiges leichter. Erst kurz vor dem Wechsel in die siebte Jahrgangsstufe ist eine Entscheidung fällig.

Dafür gebe es mehrere Gründe, wie Camphausen berichtet. „Die Lehrer kennen die Kinder und ihre Leistungen bei der Einschulung in die weiterführende Schule noch nicht und auch die Schüler können auf diese Weise besser entscheiden, ob der bilinguale Zweig etwas für sie ist“, sagt sie.

Schüler, die momentan die fünfte Klasse besuchen, haben sieben Stunden Englisch-Unterricht in der Woche, zwei Stunden mehr, als im regulären Lehrplan verankert sind. Bei den Sechstklässler sind es sechs Unterrichtsstunden pro Woche. Kurz vor Ende der sechsten Klasse stellen die Englischlehrer den Schülern eine Empfehlung darüber aus, ob der bilinguale Zweig für sie geeignet ist oder nicht.

Davon verspreche man sich, dass die Schüler die Sprache noch besser beherrschen und zudem eine gute Grundlage für ihre Entscheidung haben. Einziger Wermutstropfen: Die Klassen werden dann neu zusammengesetzt.

Ab der siebten Klasse geht es mit Erdkunde los. In der achten Jahrgangsstufe folgen die Fächer Geschichte und Politik. Diese werden jedoch – ganz gegen die oft verbreitete Meinung – nicht nur in Englisch, sondern zweisprachig unterrichtet. Keine einfache Aufgabe, auch nicht für die Lehrer, wie Camphausen zugibt. „Man muss sich genau überlegen, welche Teile der Stunde man in welcher Sprache unterrichtet“, sagt sie und fügt an: „Wenn ich in einer Klasse Politik auf Deutsch unterrichte, kann ich im bilingualen Zweig nicht den gleichen Unterricht machen.“

Was den zweisprachigen Unterricht ihrer Meinung nach lebendig macht? Neben dem fachlichen Lernen und der hohen Sprachkompetenz bringe jede Schulstunde echte Kommunikationssituationen mit sich.

Auch Themen wie die Asylpolitik in Deutschland und Großbritannien sowie die Beschreibung von Diagrammen stellen für die Schüler kein Problem dar. Das sei aber nur möglich, da im Unterricht sowohl Fremd- als auch Muttersprache eine wichtige Rolle spielen.

Was beim Jubiläum, das am Donnerstag ansteht, geschieht? „Lehrer und Eltern wollen den Schülern auf die Schulter klopfen für das, was sie leisten. Das ist eine intellektuelle Herausforderung, die man nicht einfach so meistert“, sagt Camphausen. So warten auf die Gäste am Donnerstagabend zwischen 18 und 20 Uhr nicht nur zahlreiche lustige Spiele und etliche Leckereien.

Auch die Pioniere der ersten Stunde werden an diesem Abend dort sein und bestimmt noch die eine oder andere Anekdote zum Besten geben.

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