„Equal Pay Day“: Stolberger Frauen prangern ihre Benachteiligung an

Von: dim
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Am „Equal Pay Day“ forderten auch Stolberger Frauen gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit. Foto: D. Müller

Stolberg. „Die Entwicklung ist eher schleichend als positiv“, erklärte Susanne Goldmann. Am „Equal Pay Day“ machten die Stolberger Gleichstellungsbeauftragte und ihre Mitstreiterinnen mit einem Informationsstand auf dem Kaiserplatz auf die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern in Deutschland aufmerksam.

Der Tag markiert symbolisch das Datum, an dem Frauen das durchschnittliche Vorjahresgehalt der Männer erreicht haben. „Für das, was ein Mann am 31. Dezember 2014 verdient hat, muss die Frau umgerechnet bis zum 20. März 2015 arbeiten. Im vergangenen Jahr bis zum 21. März und 2011 bis zum 24. März. Es wird besser, aber eben sehr langsam“, beschrieb Goldmann aus ihrer Sicht die Entwicklung. Noch immer würden laut Statistischem Bundesamt Frauen im Schnitt 22 Prozent weniger verdienen als Männer. „Und das liegt weniger darin begründet, dass Frauen oft im Niedriglohnsektor oder in Teilzeit arbeiten. Vielmehr verdienen sie einfach weniger für genau die gleiche Arbeit.“

Diese rein geschlechtsbedingte Diskriminierung, die sich auch in Stolberger Geldbörsen bemerkbar mache, treffe Frauen jeder Qualifikationsstufe und in nahezu allen Berufen. „In Deutschland verdient eine Bankkauffrau durchschnittlich 21 Prozent weniger als ein Bankkaufmann. Eine Gebäudereinigerin gut 26 Prozent und eine Grafikdesignerin fast 29 Prozent weniger als ihr männlicher Kollege, der die gleiche Arbeit verrichtet“, nannte Goldmann Beispiele.

Verantwortlich dafür seien auch festgefahrene Strukturen, die selbst heute noch an die nächsten Generationen weitergegeben würden: „Statistisch bekommt ein 14-jähriger Junge mehr Taschengeld von den Eltern als seine gleich alte Schwester.“ In den veralteten und ungerechten Strukturen seien auch die Frauen verhaftet. „Zu oft sind Frauen es gewohnt, weniger oder sogar gar nichts für das Geleistete zu erhalten. Andererseits sind viele es leider einfach nicht gewohnt zu hinterfragen, was ein Mann für die gleiche Arbeit verdient, und Gehaltsverhandlungen mit Arbeitgebern selbstbewusst anzugehen.“

Die städtische Gleichstellungsbeauftragte schließt sich daher den Forderungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes an. Etwa der Abschaffung des Ehegattensplittings. „Durch die Steuerklasse 5 werden Frauen vom Staat in die Rolle der zweitrangigen Erwerbstätigen gedrängt.“ Entgeltsysteme sollten grundsätzlich transparent und diskriminierungsfrei sein, um gleiches Geld für gleichwertige Arbeit zu gewährleisten. Ein Gleichstellungsgesetz für die Privatwirtschaft in Deutschland solle die ungerechte Entlohnung von Frauen verhindern.

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