Entwicklungskonzepte: Bürger planen die Zukunft ihrer Dörfer

Von: Jürgen Lange
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Mit der Idee zur Sanierung des Bürgerhauses in Werth fing alles an; das Dorfinnenentwicklungskonzept schafft eine Grundlage zur Förderung. Foto: J. Lange
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In Mausbach steht der Markusplatz im Fokus der Planungen. Foto: J. lange
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In Zweifall soll noch in diesem Jahr mit der Brückensanierung und Platzgestaltung begonnen werden. Foto: J. Lange

Stolberg. In Werth liegen die Anfänge für das, was die Bürger in den nächsten Monaten entwickeln können, etwa im Sommer 2013. Da fanden die aktiven Werther Rückendeckung bei der Mehrheitskoalition: Geld zur dringend erforderlichen Sanierung des Bürgerhauses, der Heimat der Dorfvereine, soll durch das 2015 angelaufene Leader-Programm der EU kommen.

Ein vergleichbarer Weg wurde ein Jahr später für den Wunsch des Vereins Alte Schule Venwegen für einen Ersatz des abgängigen Pavillons eingeschlagen. Doch das Projekt in Venwegen fiel durch die Maschen der Förderkulisse; die Kupferstadt investiert dort nun selbst 350.000 Euro.

Werth hat Chancen auf eine Förderung. Voraussetzung ist aber, dass zuvor ein Entwicklungskonzept für den Dorfinnenraum aufgestellt wird. Solch einen Prozess haben die Mausbacher bereits vor zehn Jahren absolviert. Seitdem wurde zwar das alte Feuerwehrgerätehaus durch eine Treppe zum Platz am Bürgerhaus ersetzt, aber auf die Umsetzung ihrer Pläne zur Neugestaltung des Markusplatzes warten die Mausbacher auch heute noch.

Die Stadt hat damit zu lange gewartet. Die „Haltbarkeitsdauer“ für Dorfentwicklungskonzepte von fünf Jahren ist abgelaufen. Es muss eine neue Planung her. Sie wird mittlerweile Dorfinnenentwicklungskonzept genannt. Am Donnerstag fällt in Werth der Startschuss dazu; Mausbach folgt eineinhalb Wochen später.

„Mit bis zu 20.000 Euro wird die Planung für Mausbach gefördert, für das kleinere Werth liegt die Grenze bei 18.466 Euro“, erklärt Tobias Röhm. Für Werth hat der Stadtrat für die nächsten Jahre 1,4 Millionen Euro, für Mausbach 900.000 Euro etatisiert, so der Technische Beigeordnete weiter. Es winken Zuschüsse von bis zu 65 Prozent aus den EU-Mitteln.

„Es kann, aber es muss nicht zwingend der Markusplatz sein“, sagt Andreas Pickhardt. Der Leiter des Planungsamtes hatte bereits vor zehn Jahren den Entwicklungsprozess in Mausbach begleitet. „Auch wenn der Handlungsbedarf für den Platz förmlich auf der Hand liegt, so sind es doch die Bürger, die bestimmen, was und wie es gemacht werden soll“, verweist Pickhardt auf die vielfältigen Veränderungen, die der Stadtteil in den vergangenen zehn Jahren erfahren hat.

Ein neues Einkaufszentrum ist entstanden, Mausbach wird Gesamtschulstandort, es gelte den Bestand der Grundschule zu sichern, umfangreiche Baugebiete sieht der Gebietsentwicklungsplan vor. „Wir möchten mit den Ergebnissen aus der Dorfentwicklung in die Gespräche mit der Bezirksregierung gehen“, so Pickhardt weiter. Ende diesen Jahres beginnen die Vorbereitungen zur Aufstellung einer neuen Regionalplanung.

Gleiches gilt natürlich auch für Werth. „Und der Ort hat viel mehr zu bieten, als man auf den ersten Blick glauben mag“, unterstreicht Ulrike Sommer, die im städtischen Planungsamt die beiden Dorfinnenentwicklungskonzepte betreut. Die beginnen erst einmal mit einer Analyse des Bestandes des Ortes. Die Infrastruktur, Verkehrsverbindungen und Freizeitangebote werden ebenso dokumentiert wie die Bevölkerungsstruktur und das Landschaftsbild.

Daraus soll eine Stärken-Schwäche-Analyse erwachsen, aus der der Handlungsbedarf abgeleitet wird. Mit Leuchtturmprojekten sollen Förderanträge und die Umsetzung der ersten Maßnahmen eingeleitet werden. Dabei sollen Stärken gestärkt, Schwächen behoben und Ziele aufgezeigt werden. „Welche Entwicklung soll Werth nehmen?“, fragt Sommer die Bürger, die diese Ziele von Donnerstagabend an selbst erarbeiten sollen, wobei sie von dem Aachener Büro Raumplan begleitet werden.

Sicherlich bietet sich für die Zukunftsgestaltung des 1050-Seelen-Ortes die Modernisierung des Bürgerhauses als Treffpunkt der Dorfgemeinschaft an, „aber auch hier muss das nicht zwingend als Ergebnis des Prozesses herauskommen“, unterstreicht Sommer, dass den Bürgern auch ganz andere Handlungsschwerpunkte mehr am Herzen liegen können. „Werth ist ein unterschätzter Stadtteil“, erklärt Ulrike Sommer und spricht von einem städtebaulichen Potenzial, das vielfach noch verborgen liege.

Die punktuellen Aufweitungen der langen Hauptstraße durch den Ort böten Gestaltungsmöglichkeiten, während sich angesichts der starken Eingliederung des Dorfes in die landwirtschaftliche Umgebung die Fragen stelle, wo der Ort weiter wachsen kann und welche Identität Werth habe? „Die Zukunftswerkstatt ist der Einstieg in eine mehrmonatige Arbeitsphase mit mehreren Workshops“, betont Ulrike Sommer, dass es „entscheidend auf die Bürger ankommt, wie die Ergebnisse aussehen werden“. Diese sollen im Herbst vorliegen.

Zu diesem Zeitpunkt hofft Tobias Röhm, bereits mit den Arbeiten am Zweifaller Ortskern beginnen zu können. Das Eifeldorf liegt zwar auch in der förderfähigen Leader-Region, aber auf die Erarbeitung eines formalen Dorfinnenentwicklungskonzeptes verzichtet die Stadt. Das hat zur Folge, dass anstelle einer 65-prozentigen Förderung lediglich 45 Prozent an Zuschüssen akquiriert werden können. Aber die Zeit rinnt den Stadtvätern förmlich durch die Hände.

Die Überbrückung des Hasselbachs bereitet zunehmend Sorgen. Genauer gesagt sind es zwei Brücken, die wie eine Einheit wirken. Unter der Döllscheidter Straße und dem alten Schulhof rinnt der bei Hochwasser stark anschwellende Bach. Die Bauwerke sind so sanierungsbedürftig, dass die Brücke in der Döllscheidter Straße bereits seit Jahren auf eine Belastung von 2,5 Tonnen begrenzt ist.

Die Erneuerung der Brücken dieses zentralen Platzes war der Anlass, die Zweifaller an der Planung eines neuen Dorfmittelpunktes zu beteiligen. Sie haben sich für eine Variante entschieden, die den Hasselbach umfangreich wieder an das Tageslicht holt, und gleichzeitig zu einer Aufwertung des zentralen Platzes beitragen soll.

Der soll von der Döllscheidter Straße über die querende Landesstraße 238 hinaus bis zum Bereich vor der gegenüberliegenden Metzgerei ein abgestimmtes Bild erlangen. In einem zweiten Schritt soll der „Huck“ aufgewertet werden, wo absehbar die Feuerwehr ihr Gerätehaus verlässt. Zu diesem Bereich können die Bürger noch ihre Ideen einbringen.

Der Stadtrat hat für das Gesamtpaket 2,8 Millionen Euro eingeplant. Aktuell wartet die Verwaltung auf die Genehmigung der Brückenarbeiten durch die Untere Wasserbehörde. Zuschüsse zur Offenlegung des Hasselbaches werden zudem vom Wasserverband erwartet.

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