Stolberg - Entspannte Stimmung an den Zapfsäulen

Entspannte Stimmung an den Zapfsäulen

Von: Lars Brepols
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Hält die Geldscheine fest in der Hand: Claudia Dörband, Angestellte der Freien Tankstelle am Edeka in Münsterbusch. Foto: L.Brepols

Stolberg. Fast minütlich rollt an diesem Dienstagmorgen ein Auto vor den kleinen Container. Claudia Dörband hat alle Mühe, den Überblick über ihre sechs Tanksäulen zu halten. Mit einem freundlichen Lächeln auf den Lippen öffnet die Angestellte der Tankstelle am Edeka ihre Luke und begrüßt die Kunden herzlich.

Und fast immer kommt auch ein freundliches „Guten Morgen” zurück. Die Geldscheine wechseln die Seiten und Dörband wartet schon auf ihren nächsten Kunden. Alles wirkt entspannt und locker. Von Unmut überhaupt keine Spur.

Claudia Dörband erinnert sich aber noch gut daran, dass dies nicht immer so war: „Bei den hohen Benzinpreisen der Vergangenheit waren die Kunden häufig sehr gereizt. Im Augenblick wirken alle viel entspannter.”

Ein ständiges Auf und Ab

Erst 1,60, dann 1,30 und zuletzt sogar 1,10 Euro. Der Spritpreis ist in den vergangenen Wochen rasant in den Keller gefallen. Derzeit liegt der Durchschnittspreis für Super so niedrig, wie zuletzt vor über vier Jahren. Der Ölmarkt bescherte die Autofahrer im vergangenen Jahr mit einem stetigen Auf und Ab an den Zapfsäulen.

Laut der Preisstatistik von Marktführer Aral wurden 139-mal die Preise gesenkt und 154-mal angehoben. „Zurzeit macht Tanken wieder Spass”, man bekommt wieder mehr fürs Geld”, hat Dörband festgestellt, die mit ihrer freien Tankstelle am Edeka generell immer zwei Cent pro Liter unter dem Preis der Markentankstellen liegt.

Erfahrungsgemäß zähle der Montag zu den tankfreudigsten Tagen, denn tendenziell sei dies der preisgünstigste. „Montags ist hier immer die Hölle los”, spricht Dörband aus Erfahrung.

Dass der Montag in aller Regel zu den umsatzstärksten Tagen zählt, hat auch Udo Rusche, Eigentümer der Totaltankstelle auf der Prämienstraße, festgestellt. „Montagabends steigt der Preis dann meist schlagartig an”, berichtet der 40-Jährige. Eine genaue Erklärung dafür hat auch er nicht, denn die Preise werden von der Konzernzentrale in Berlin bestimmt. „Darauf haben wir keinen Einfluss, sogar die Preistafeln werden von Berlin aus gesteuert”, sagt Rusche, der nur per E-Mail über den neuen Preis informiert wird.

Auch Rusche bestätigt, dass die Stimmung unter den Autofahrern insgesamt wieder besser geworden sei und die Kunden wieder häufiger und vor allem mehr tanken würden. „Es ist noch gar nicht so lange her, da wurden wir von den Kunden richtig angefaucht,” erinnert sich Rusche, der jedoch befürchtet, dass der Preis in naher Zukunft wieder steigen werde. Deshalb empfiehlt er den Umstieg auf Autogas, weil dies in jedem Fall die günstigere Alternative sei. „Ein Liter Autogas kostet in der Regel immer nur die Hälfte im Vergleich zu Superbenzin”, sagt Rusche.

Auch für den Taxi- und Mietwagenunternehmer Heinz Koppermann ist die derzeitige Situation äußerst erfreulich. Durch den niedrigen Spritpreis spart der Geschäftsführer der gleichnamigen GmbH rund 4000 Euro im Monat. Um seine 15 Fahrzeuge große Flotte zu betanken, kalkuliert Koppermann monatlich mit etwa 6000 bis 7000 Litern Sprit.

„Mit dem neuen Taxitarif kommen wir aktuell ganz gut über die Runden, aber wehe, wenn der Spritpreis um mehr als zehn Cent steigt. Dann wird es kritisch”, sagt Koppermann, der ausschließlich nach Taxameter fährt.

Seine Angestellten fordert Koppermann auf, so oft wie möglich in den Niederlanden zu tanken, weil dort der Preis für Diesel deutlich unter dem der deutschen Tankstellen liege.

Auf die Idee, den Sprit im benachbarten Ausland in Kanister abzufüllen, wird Koppermann trotzdem nicht kommen. „Das Risiko, erwischt zu werden, ist mir viel zu groß,” sagt Koppermann.

Als eine „gefährliche Sache” bezeichnet der Stolberger Spediteur Heinz Rütgers die schwankenden Spritpreise. Zwar spare sein Unternehmen momentan erhebliche Kosten durch den Benzinpreisverfall, jedoch kämen andere Ausgaben - wie zum Beispiel die Mautgebühr - auf die Spediteure zu. „Außerdem ist der Konkurrenzdruck derzeit extrem hoch”, erklärt Rütgers, „viele meiner Kollegen mussten sich diesem Druck schon beugen.”

Insbesondere die Konkurrenz aus Osteuropa mache den Unternehmen hierzulande zu schaffen und die eigene Preiskalkulation immer schwieriger, verdeutlicht Rütgers, der indes mit seinen Großkunden eine gesonderte Vereinbarung getroffen hat: Bei steigenden Dieselpreisen erhöhen sich automatisch die Frachtkosten.

Jetzt hofft Rütgers inständig, das niedrige Preisniveau möge bestehen bleiben oder besser noch weiter abfallen. „Im Vergleich zu 2007 bescherten uns die gestiegenen Ölpreise in 2008 eine Mehrbelastung von circa 400.000 Euro.”
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