Stolberg - Entscheidung über Schließung des Oberen Steinwegs für den Verkehr naht

Entscheidung über Schließung des Oberen Steinwegs für den Verkehr naht

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
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Stimmt der Verkehrsausschuss zu, darf die Verwaltung nach einer Woche den Oberen Steinweg sperren und die Fußgängerzone somit wieder in Kraft setzen. Nur am Kopf würden wenige Parkplätze erhalten bleiben. Foto: J. Lange

Stolberg. Fast auf den Tag genau nach acht Jahren steht die Entscheidung über das Ende der Probephase im Raum: Am 22. November 2008 öffnete Bürgermeister Ferdi Gatzweiler mit einem Schnitt durch das rot-gelbe Band den Oberen Steinweg wieder für den Verkehr.

Am Mittwoch, 30. November, ist die Schließung dieser Strecke und die Wiedereinführung der Fußgängerzone Tagesordnungspunkt Nr. 12 der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Verkehr und Umwelt.

In Relation zu den immer wiederkehrenden und teilweise recht kontroversen Diskussionen ist die Vorlage des Bürgermeisters zur Entscheidungsfindung recht präg-nant gehalten: „Bei Planungen im Zuge des derzeit laufenden Städtebauförderungsprogramms wurden Anregungen aus der Bevölkerung aufgegriffen, welche die Schließung des derzeitig befahrbaren Straßenabschnitts Steinweg anregten“, schreibt Tim Grüttemeier in die Ausschussunterlagen.

Und weiter: „Begründet wird dies damit, dass die seinerzeit angestrebte Stärkung des Einzelhandels nicht eingetreten und das Ansehen eher durch eine große Anzahl von Leerständen sowie gestalterischen Mängeln im privaten Bereich wie im öffentlichen Raum geprägt sei.“

Poller Höhe Haus Nr. 16

Im August hatte der Technische Beigeordnete Tobias Röhm diesen Vorstoß der Verwaltung angekündigt, nachdem Rolf Engels (SPD) signalisiert hatte, dass die Koalition damit nicht erst auf die Umsetzung der Quartiersentwicklung im Oberen Steinweg warten wolle. Die für 2018 angedachte Umsetzung sieht neben dem diskutierten Abriss von Gebäuden an der Vicht auch die Rückkehr zu einer echten Fußgängerzone vor.

Dies kann bei einem zustimmenden Beschluss des Verkehrsausschusses noch in diesem Jahr erfolgen. Die Verwaltung hat bereits die Träger öffentlicher Belange angehört und schlägt leichte Veränderungen zu der Ursprungsversion anno 1987 vor: Mittels eines Pollers soll die Sperrung des Steinwegs bis zur Einmündung Stielsgasse erst in Höhe von Haus Nr. 16 erfolgen; somit würden etwa drei Parkplätze und die Zufahrt zu Haus Steinweg Nr. 1-11 erhalten bleiben können.

Debatten zum Unteren Steinweg

Diesmal nicht zur Debatte steht der Untere Steinweg, der zwischen Mühlenstraße und Kaiserplatz als Fußgängerzone ausgewiesen ist. Eine Diskussion über eine Öffnung dieses Abschnittes für den Verkehr war Ende 2013 / Anfang 2014 entstanden, nachdem die Schließung des Victor-Kaufhauses zum Jahresende angekündigt worden war – eine Debatte mit kuriosem Verlauf.

Bei einer ersten Versammlung im Januar, zu der Kupferstadt und Stadtmarketing eingeladen hatten, sprach sich die eingeladene Geschäftswelt nahezu einstimmig für eine Öffnung der unteren Fußgängerzone für den Verkehr aus.

Als Konsequenz der Veranstaltung ließ Bürgermeister Ferdi Gatzweiler eine Vorlage für die Politik zur Öffnung des Unteren Steinwegs mit einer Probephase, Verkehrsführung und Parkraumbewirtschaftung erarbeiten. Mit breiter Mehrheit – lediglich die Grünen sahen „in dem Versuch keinen Sinn“ – beschloss am 18. Februar 2014 der Stadtrat die notwendigen Schritte zur Umsetzung.

Zwei Tage später beschäftigte sich der Verkehrsausschuss bereits mit Details. Doch nach der Bürgerversammlung am 24. Februar war das alles schon gar nicht mehr so eindeutig: Es tauchten noch mehr offene Fragen auf, und eine Mehrheit sprach sich gegen die Öffnung des unteren Steinwegs aus. Ende März folgte eine weitere Einladung des Stadtmarketings an die Geschäftswelt: „Menschen statt Autos“ sollen in die Fußgängerzone, war die mehrheitliche Devise.

Und damit sie vorhandene Außengastronomie überhaupt genießen könnten, wurde die Verwaltung aufgefordert, das bestehende Durchfahrtsverbot auch durchzusetzen. Während an der Ecke zur Sonnental­straße dazu Poller ins Pflaster gesetzt wurden, beendete der Stadtrat Anfang April die wochenlangen Diskussionen über ein Ende der Fußgängerzone: Alles bleibt im Unteren Steinweg so, wie es ist.

Zurück zum Oberen Steinweg. Anlässlich dessen Öffnung vor sechs Jahren verwies Ferdi Gatze_SDHpweiler auf den Startschuss für die Erarbeitung des Entwicklungskonzeptes Talachse Innenstadt. Doch genau dieses kommt zu einem anderen Schluss, als der, der mit der probeweisen Freigabe für den Verkehr eingeläutet worden war: mehr Aufenthaltsqualität statt Verkehr.

„Zu laut zum Wohnen“

So hatten im November vergangenen Jahres Anwohner der Fußgängerzone im Rahmen einer Bürgerbeteiligung zur Umwidmung des Oberen Steinwegs in ein „besonderes Wohngebiet“ erklärt, dort sei es nachts bereits jetzt viel zu laut zum Wohnen. Gastronomiebesucher und Autoverkehr machten sie dafür verantwortlich. Seitdem überwachen Ordnungsamt und Polizei auch wieder intensiver den Park- und laufenden Verkehr in der Fußgängerzone.

Bereits zuvor, bei den vom Victor-Ende ausgelösten Debatten, hatten Anlieger und Geschäftsleute die Ansicht vertreten, dass die probeweise Öffnung im Oberen Steinweg nicht von Erfolg gekrönt gewesen sei. Der Abwärtstrend habe nicht gestoppt oder gar umgedreht werden können. „Es ist alles nur noch schlimmer geworden“, sagte seinerzeit eine Geschäftsfrau.

Bei Planungswerkstätten und Bürgerinformationen zur Fußgängerzone wird zwar intensiv gerungen über das Für und Wider des Abrisses zweier Häuser zugunsten eines neuen Platzes am Vichtbach, aber über die Herausnahme des Verkehrs aus dem Oberen Steinweg besteht zumindest unter den Teilnehmern Konsens.

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