Stolberg - Empfehlung: 13,5 neue Stellen für das Jugendamt

Empfehlung: 13,5 neue Stellen für das Jugendamt

Von: Kolja Linden
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Gelungene Prävention: Das Baby-Begrüßungspaket der Stadt wird von der GPA begrüßt. Foto: Linden

Stolberg. Einsparung durch Prävention: Was Pädagogen schon lange vorrechnen, hat auch die Gemeindeprüfungsanstalt (GPA) überzeugt. Zumindest hält diese nach einer Überprüfung der Jugendarbeit in Stolberg die Schaffung neuer Stellen im Jugendamt der Stadt für „unabdingbar und zielführend” und empfiehlt, dafür sogar kurzfristig mehr Geld auszugeben.

Den Bedarf für 14 neue Stellen hat die GPA errechnet, 13,5 sollen es nach einer Vorlage der Verwaltung in den kommenden Jahren werden. Mehr als die Hälfte davon, nämlich sieben, entstehen - wenn die Politik zustimmt - im Allgemeinden Sozialen Dienst (ASD).

„Ich bin sehr erfreut darüber”, sagt der fürs Jugendamt verantwortliche Fachbereichsleiter Willi Seyffarth nach dem Bericht der Prüfer, die zwischen Oktober 2009 und Januar 2010 in der Stolberger Verwaltung unterwegs waren.

Erstmals habe die GPA einen konkreten Bezug gesetzt zwischen Ausgaben für Prävention und dadurch entstehenden Einsparungen in der Zukunft.

6,5 zusätzliche Stellen empfiehlt die GPA im ASD, der derzeit über acht volle Stellen im klassischen Dienst verfügt. Hinzu kommen eine halbe Stelle in der Systemadministration des ASD, jeweils anderthalb Stellen für die Wirtschaftliche Erziehungshilfe und den Pflegekinderdienst sowie je eine zusätzliche Stelle für die Bereiche Reintegration/Fallrevision, mobile Jugendarbeit, Jugendeinrichtungen und die Fachberatung in den Kitas.

Die nun geplanten Maßnahmen erfordern Investitionen in Höhe von rund 960000 Euro, davon etwa 690000 Euro an Personal- und 270000 Euro Sachkosten. Investitionen, die sich laut GPA lohnen, denn derzeit liegt der Zuschussbedarf bei Hilfen zur Erziehung mit 82 Euro pro Einwohner deutlich über dem Mittelwert von Vergleichskommunen.

Grund ist vor allem die sehr hohe Falldichte, die die GPA auf die Stolberger Sozialstruktur zurückführt. Gut positioniert sei Stolberg dagegen bei den Ausgaben pro Fall, die lägen deutlich unter dem Durchschnitt.

Einsparpotenzial sieht die GPA deshalb vor allem in der Reduzierung der Fallzahlen, was vor allem durch Prävention erreicht werden soll. Außerdem sollen ambulante vor (teuren) stationären Hilfen gehen und Vollzeitpflege vor Heimunterbringung.

Möglichkeiten sieht die GPA deshalb neben dem Ausbau des Allgemeinen Sozialen Dienstes auch in der Reintegration. Dieser Dienst arbeitet mit Familien, deren Kinder außerhäusig untergebracht sind, was die Stadt viel Geld kostet.

Mit innovativen Konzepten sollen betroffene Eltern in die Lage versetzt werden, ihre Kinder wieder zu Hause zu erziehen. „Das ist eine ganz tolle Sache”, sagt Willi Seyffarth. „Wir wollen doch auch als Jugendamt, dass die Kinder nicht alleine groß werden, sondern in ihrer Familie.”

Mit der Kämmerei ist der vorgeschlagene Stellenplan nicht abgesprochen, den Bedarf dazu sieht Willi Seyffarth aber auch nicht. Die GPA sei schließlich eine übergeordnete Instanz, die sagt, dass man dadurch Geld spare.

„Mache ich diese Investitionen nicht, dann dreht sich die Ausgabenspirale immer weiter nach oben”, so Seyffarth. Das Einsparpotenzial als Folge der vorgeschlagenen Präventionsmaßnahmen beziffert die GPA immerhin mit 915.000 Euro pro Jahr.

„Das erfolgt sukzessive”

Das Auftauchen im Stellenplan von 10,5 Stellen im Jahr 2010 und weiteren drei Stellen 2011 bedeutet nicht, dass diese dann auch besetzt werden. „Das erfolgt sukzessive”, sagt Seyffarth. „Wir können nicht sieben Leute gleichzeitig im ASD einarbeiten.”

Doch Willi Seyffarth sieht nicht nur positive wirtschaftliche Folgen des neuen Stellenplans, über den am kommenden Donnerstag der Jugendhilfeausschuss berät.

„Das hat zur Folge, dass wir mehr Leute beraten und innovative Projekte anstoßen können”, sieht der Fachbereichsleiter auch positive pädagogische Auswirkungen für die Menschen der Stadt.

In der Haltung der GPA sieht er einen Paradigmenwechsel: „Es setzt sich in immer mehr Bereichen die Erkenntnis durch, dass Prävention Kosten spart.”


Mobile Jugendarbeit soll ausgebaut werden

Bei bis zu 35 Hilfefällen pro Mitarbeiter eines Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD) liegt der Richtwert laut GPA. Der tatsächliche Fallschlüssel in Stolberg liegt dagegen bei 62 Hilfefällen. Durch Präventionmaßnahmen sollen die Fallzahlen gesenkt werden.

Ein gutes Projekt sei auf diesem Gebiet bereits das Netzwerk frühe Hilfen, zu dem auch das Baby-Begrüßungspaket gehört. Ausgebaut werden soll die mobile Jugendarbeit, da sie eine „präventive Leistung im Vorfeld als erzieherische Hilfe” sei.

Neue innovative Projekte könnten darüber hinaus dazu beitragen, den Gesamtzuschussbedarf der Stadt zu reduzieren. Empfohlen wird u.a. eine zusätzliche Ausstattung von Jugendfreizeiteinrichtungen.

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