„Elterntaxis“ sorgen für Auto-Chaos

Von: Doris Kinkel-Schlachter
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Nur mal eben anhalten? Manche Eltern setzen sich morgens über sämtliche Verkehrsregeln hinweg, halten kreuz und quer vor der Schule und gefährden so alle Kinder. Foto: ADAC
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Erstbegehung mit der Polizei: In Stolberg kümmern sich die Bezirksbeamten um die I-Dötzchen und nehmen sie an die Hand. Foto: stock/Tack

Stolberg. 7.45 Uhr, Höhenstraße, Donnerberg: Zu dem zu dieser Uhrzeit sowie erhöhtem Verkehrsaufkommen kommen die „Elterntaxis“ hinzu. Wo sich eine Parklücke auftut – am besten natürlich direkt an der Schule – setzen Mama, Papa, Oma oder Opa ihren Wagen mit einem Ruck rein, während sich der Nächste schon ärgert, dass er den heiß begehrten Platz nicht abbekommen hat.

Und dann gibt es noch die, die es besonders eilig haben und ihr Kind doch tatsächlich an der Ampel, die gerade auf Rot geschaltet hat, raushechten lassen. Bei laufendem Motor, versteht sich...

Solche und ähnliche Szenen erlebt Reiner Schmitz leider immer wieder, „auch wenn es sich“, so räumt der Polizeihauptkommissar ein, „auf dem Donnerberg und im Innenstadtbereich gebessert hat“. Schmitz ist im Schnitt einmal pro Woche an der Grundschule Donnerberg sowie an der Grundschule Grüntalstraße.

Bei der Erstbesprechung vor der eigentlichen Einschulung werden die Eltern landesweit sensibilisiert, „aber du kannst das 100 Mal sagen, es gibt immer Leute, bei denen es dann auch wieder gelöscht ist“, weiß Schmitz. Erfahrungsgemäß seien es meistens die Mütter. „Und die haben auch immer eine Ausrede! ‚Nur ein paar Sekunden‘, ‚wir sind zu spät‘, ‚es regnet‘, ‚die Schultasche ist so schwer‘ – so etwas bekomme ich dann zu hören“, ärgert sich der Polizist über die Beratungsresistenten. Für die hat er dann auch nur noch eine Antwort: das Knöllchen.

Grundsätzlich hat der Bezirksbeamte natürlich nichts dagegen, dass Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen, er könne das verstehen, die Höhenstraße sei ja auch viel befahren. „Aber wenn sie ihre Kinder bringen, dann bitte so, dass andere nicht gefährdet werden.“

Genau daran appelliert auch die Schulleiterin der OGGS Donnerberg. „Die Eltern haben ihr eigenes Kind sicherlich immer im Blick, aber manchmal eben nicht die Gesamtübersicht, die wir von der Schule sowie die Polizei haben. Sie sind sich dann oft auch nicht bewusst, dass sie durch ihr Verhalten andere gefährden“, sagt Hille Breuer. Deswegen habe man gemeinsam mit der Polizei den Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen, nahegelegt, in der Heidestraße zu parken. „Dort gelangen die Kinder nach einem Stück durchs Wäldchen direkt auf den Schulhof, der ab 7.10 Uhr geöffnet ist.“

Aus Elternsicht gibt es sicherlich einige Gründe, die Kleinen mit dem Auto zu bringen. Bei einer Umfrage des ADAC wurden die Angst vor Belästigung und ein gefährlicher Schulweg am häufigsten genannt. Aber auch Bequemlichkeit spielt eine große Rolle. „Und vielleicht auch der Stress der Eltern morgens vor der Arbeit“, glaubt Breuer.

Dabei wäre es so wichtig, den Schulweg zu Fuß zurückzulegen, wenn es möglich ist. Wer vor Lesen, Schreiben und Rechnen schon in Bewegung war, kann sich besser konzentrieren. Außerdem erlernen die Kinder dabei grundlegende Verkehrsregeln. Nicht umsonst nehmen für die einzelnen Stadtteile Stolbergs zuständigen Polizisten die I-Dötzchen buchstäblich an die Hand, um sie für den Straßenverkehr zu sensibilisieren. So lernen die Kinder, sich angemessen als Verkehrsteilnehmer zu verhalten und Gefahren richtig einzuschätzen. Wenn sie den Schulweg alleine meistern, wachsen auch Selbstvertrauen und Unabhängigkeit vom Elterntaxi.

„Mitten im Halteverbot stehen, das ist ja nix Neues. Und so manch einer parkt den Anwohnern die Einfahrten zu, dann ist hier immer ein Höllen-Tamm-Tamm“, sagt Helmut Collas. Er ist Hausmeister der Grundschule Atsch und ärgert sich Jahr für Jahr über solche Eltern, die „zugleich schlechte Vorbilder sind“.

Dass aus gut gemeinten Absichten vieler Eltern oftmals unkalkulierbare Sicherheitsrisiken für Schulkinder entstehen, zeigt jetzt auch eine wissenschaftliche Studie der Bergischen Universität Wuppertal. Laut Statistischem Bundesamt kamen allein im vergangenen Jahr 10363 Kinder unter 15 Jahren im Auto ihrer Eltern zu Schaden – deutlich mehr als Kinder, die zu Fuß unterwegs waren.

Die Studie zeigt, wie die Situation vor Grundschulen aussieht: Hier riskierten in vielen Fällen Eltern durch regelwidriges Anhalten oder riskante Wendemanöver die Sicherheit anderer Schulkinder und Verkehrsteilnehmer massiv. Die „Elterntaxi“-Studie beklagt zudem als weiteren negativen Nebeneffekt, dass durch regelmäßige Hol- und Bringdienste die selbstständige Mobilität von Schulkindern immer mehr verloren geht.

Auto-Chaos in Mausbach? Fehlanzeige! Die Grundschule hat das Problem weitestgehend in den Griff bekommen, heißt es von Seiten der Leitung. Die meisten Kinder kommen zu Fuß zur Schule. An vorher ausgemachten Punkten, zum Beispiel an den Straßen Am Wimblech oder Auenweg, treffen sich die Kinder und gehen gemeinsam zur Schule. Bei den Schulanfängern ist ein Erwachsener dabei. Angestoßen von der Schule und seitdem organisiert von den Eltern, sei dieses Modell zum Selbstläufer geworden.

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