Stolberg - Eltern ziehen vor Gericht: Helferin in die Schule lassen

Eltern ziehen vor Gericht: Helferin in die Schule lassen

Von: Ottmar Hansen
Letzte Aktualisierung:
11280907.jpg
An der offenen Ganztagsgrundschule in Stolberg-Gressenich gibt es Ärger um die Beschäftigung einer Integrationshelferin. Die Frau darf das Gebäude nicht mehr betreten. Vier Eltern haben einen Rechtsanwalt eingeschaltet. Foto: O. Hansen

Stolberg. An der offenen Gemeinschaftsgrundschule Gressenich wird eine Integrationshelferin nicht mehr ins Gebäude gelassen. Warum die junge Frau ihre Aufgabe nicht mehr wahrnehmen kann, wird von der Stolberger Stadtverwaltung mit Hinweis auf das laufende Verfahren nicht begründet. Eltern von vier betroffenen Schülerinnen und Schülern haben sich inzwischen einen Anwalt genommen und die Stadt verklagt.

Sie wollen, dass die Integrationshelferin ihre Arbeit sofort wieder aufnehmen kann.

Eine Integrationshelferin oder ein Integrationshelfer unterstützen Kinder mit psychischen Störungen oder mit geistigen oder körperlichen Behinderungen, die in der Regelschule unterrichtet werden. Voraussetzung für den Einsatz von Integrationshelfern ist, dass ein Schüler mit besonderem Förderbedarf durch überwiegende Unterrichtung im Klassenverband bei Einschaltung der besonderen Hilfe Lernfortschritte erzielen kann.

Ziel der Tätigkeit ist es, dass ein behindertes Kind auf diese Weise trotzdem seinen allgemeinbildenden Schulabschluss machen kann. Die Betreuung durch eine Integrationshelferin sollte auch in Abstimmung mit den Lehrkräften der Offenen Ganztagsgrundschule in Gressenich einigen Schülerinnen und Schülern in ihrer Entwicklung helfen.

Die Helfer halten sich so weit wie möglich im Hintergrund auf. Sie unterstützen bei Bedarf aber bei der Orientierung auf dem Schulweg und auf dem Schulgelände, bei der Kommunikation unter den Schülern. Sie wirken deeskalierend, zeigen, wie man Stresssituationen vermeiden kann oder zeigen Wege zur Bewältigung von Stress auf. Die Fachkräfte sind bei der Kommunikation zwischen Elternhaus, Kind und Schule behilflich.

Integrationshelfer dürfen nach derzeitiger Rechtsprechung jedoch keine pädagogischen Aufgaben übernehmen, damit die Kostenübernahme der Eingliederungsmaßnahme durch das Sozialamt gesichert bleibt. Integrationshelfer sind keine Lehrkräfte und wirken auch eigentlich nur bei der Hausaufgabenbetreuung mit, wenn das aufgrund einer Behinderung des Kindes notwendig ist.

Offenbar liegt da der Knackpunkt. Außerdem geht es wohl auch um Versicherungsfragen. In der Grundschule Gressenich darf die junge Frau das Gebäude jedenfalls nicht mehr betreten. Obwohl die Schulleiterin selbst eingestehe, dass seine Mandantin eine gute Kraft sei, schüttelt Rechtsanwalt Patrick Peters, der die vier Eltern bei der Klage gegen die Stadt unterstützt, den Kopf. Peters geht davon aus, dass der Fehler beim städtischen Jugendamt gemacht wurde, das offenbar nicht von Integrationshilfe, sondern von „Therapie“ ausgegangen sei, die juristisch, bürokratisch und finanziell anders zu behandeln wäre.

Peters: „Eine Therapie findet normalerweise nicht während der Schulzeit statt.“ Auf Nachfrage der Redaktion verweigerte Schulleiterin Hildegard Lüttecke jede Aussage zum Fall. Mit dem Hinweis auf das „schwebende Rechtsverfahren“. Ähnlich ist die Reaktion der zuständigen Schulamtsdirektorin bei der Städteregion, Renate Katz: „Dazu sage ich nichts.“

Im Stolberger Rathaus sind neben Bürgermeister Tim Grüttemeier auch Dezernent Robert Voigtsberger und Inklusionsbeauftragter Lukas Franzen mit der Sache befasst. Auch sie halten sich bis zu einer Entscheidung des Gerichtes, womöglich bereits am Donnerstag, bedeckt.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert