Eltern klagen beim Oberverwaltungsgericht Förderbedarf für ihren Sohn ein

Von: oha
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In der Offenen Ganztagsgrundschule Gressenich gibt es Streit um die Betreuung eines Schülers. Foto: O. Hansen

Stolberg. Die Eltern eines zehnjährigen Jungen haben in einem Gerichtsverfahren vor dem Oberverwaltungsgericht in Münster gegen das Land Nordrhein-Westfalen, vertreten durch die Offene Ganztagsgrundschule in Gressenich, gewonnen. Die Schule muss die Betreuung des Jungen in der Schule durch eine Lerntherapeutin zulassen.

Wie berichtet, hatte die Therapeutin den Jungen im Unterricht besonders gefördert. Der Zehnjährige hatte in der dritten Klasse der Grundschule größte Schwierigkeiten, dem Unterricht zu folgen. Nicht zuletzt, weil er nicht richtig lesen und schreiben konnte. Gemeinsam mit der Lehrerin brachte die Therapeutin das Kind auf einen Stand, auf dem es am geregelten Unterricht teilnehmen konnte.

Dazu war die Therapeutin jeweils morgens in der Schule, um mit der Lehrerin das weitere Vorgehen abzusprechen und den Zehnjährigen zu motivieren. Das funktionierte bis vor einem guten halben Jahr. Dann wurde der Therapeutin der Zugang zur Schule verwehrt. Zwar hatte das Jugendamt der Stadt die Förderung des Schülers auch finanziell befürwortet, doch die Betreuung habe allein außerschulisch zu erfolgen, so wurde es den Eltern mitgeteilt.

Hart geblieben

Die wollten sich damit jedoch nicht abfinden. Die tolle Entwicklung, die ihr Sohn zuletzt genommen habe, dürfe nicht aufs Spiel gesetzt werden, so ihre Beschwerde bei der Stadt. Doch im Stolberger Rathaus blieb man hart. Die Stadt ist zwar Träger der Schule, doch schaltete man die Städteregion und die Bezirksregierung als übergeordnete Behörden ein. Vor dem Verwaltungsgericht in Aachen mussten die Eltern in einer Klage gegen die Entscheidung der Behörden eine Niederlage einstecken.

Das Urteil wurde jetzt allerdings vom Oberverwaltungsgericht in Münster aufgehoben. Der Junge benötige „eine therapeutische Begleitung im außerschulischen sowie im innerschulischen Bereich“, um einer seelischen Behinderung entgegenzuwirken, so die Begründung. Zumindest zwei Stunden in der Woche solle die Therapeutin den Jungen auch in der Schule betreuen können.

Schließlich sei das Therapiekonzept der Expertin darauf angelegt, die therapeutischen Maßnahmen in der Lernsituation des Unterrichts, sei es im Klassenverband, in einer Kleingruppe oder in der 1:1-Betreuung und in Absprache mit der Lehrkraft, integriert in die Unterrichtsabläufe einzusetzen. Nicht angemessen sei allerdings, wenn das Kind zu einer Einzelförderung in der Schule aus dem Unterricht genommen werde, so Richter Gelberg. Dann liege eine Einzeltherapie vor, die ebenso außerhalb der Schule erfolgen könne.

Einig sind sich alle Prozessbeteiligten darin, dass die Begleitung durch die Therapeutin den Jungen, was die Lernmotivation und die Fortschritte beim Lesen und Schreiben angeht, durchaus entscheidend nach vorne gebracht hat.

Bald Ferien

Trotz des jüngsten Gerichtsurteils wird die Therapeutin die Schule künftig nicht mehr aufsuchen. So kurz vor den Sommerferien bringe das nur noch wenig, so die Fachkraft auf Anfrage. Der Junge wird nach den Ferien ohnehin eine weiterführende Schule besuchen. Nach dem Streit mit der Verwaltung haben sich die Eltern für eine Schule in Eschweiler entschieden. Der zuständige Stolberger Beigeordnete, Robert Voigtsberger, verwies am Dienstag auf Nachfrage der Redaktion auf die Zuständigkeit der Städteregion. Von dort war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

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