Einstimmige Wiederwahl: Haas ist unangefochten der Boss der SPD

Von: -jül-
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Sie führen die Stolberger SPD in die nächsten zwei Jahre (v.l.): Anthony Reiss, Hanne Zakowski, Andrea Müller, Rosita Przybylski (verdeckt), Tim C. Schmitz, Toni Grendel, Yvonne Mees, Rita Claßen, Annette Siffrin-Peters, Patrick Haas, Carsten Nellissen, Harry van Emelen, Allina Meuser, Sascha Ciarletta, Carsten Lange, Franz-Josef Haselier und Tobias Behlau. Foto: J. Lange

Stolberg. Als Judoka (-Trainer) achtet der 34-Jährige normalerweise sehr sorgfältig darauf, zu welchem Gürtel er greift. Aber die Wahl des Gürtels für seine Hose hat Patrick Haas am Dienstag vermutlich nicht besonders bewusst getroffen. Dabei ist das Design für diesen Abend im Büsbacher Bürgerhaus treffender denn je: „Boss“ steht in fetten Lettern auf der Metallschnalle.

Und als unangefochtener Boss des Stolberger SPD-Stadtverbandes soll Patrick Haas aus den Wahlgängen des Parteitages hervorgehen. Erst vor elf Monaten ist der stellvertretende Bürgermeister und -Fraktionschef an die erste Stelle der Partei gerückt. 43 von 46 anwesenden Delegierten schenkten ihm damals als Nachfolger von Martin Peters das Vertrauen. Und genau dieses Vertrauen hat Haas offensichtlich nicht nur gerechtfertigt, sondern gemehrt. Unter den 40 Delegierten aus den Ortsvereinen gibt es nur eine Person, die sich enthält. 39 Genossen votieren für Patrick Haas als Parteichef – ein überwältigendes Ergebnis für den Gymnasiallehrer am Haus Overbach in der Trägerschaft der Oblaten des heiligen Franz von Sales in Jülich.

Eine Kampfkandidatur

Offensichtlich hat Haas gestellte Ziele erreicht. „Als Trainer“ ist er vor elf Monaten auch bei den Genossen angetreten. Und unterrichtet hat er vor allem die parteiinterne Kommunikation. „Die Zusammenarbeit der Ortsvereine und Arbeitsgemeinschaften mit und innerhalb unserer Partei ist schon viel besser geworden“, sagt Haas. Partei und Fraktion harmonieren, der sozialdemokratische Beigeordnete Robert Voigtsberger habe immer ein offenes Ohr, und als nächstes Ziel gibt der Büsbacher, der nun im Zentrum wohnt, aus, dem Stadtverband auf Ebene des Unterbezirks die Stellung zurückzugeben, die der Größe und Bedeutung Stolbergs gebühre. Ein Ziel, bei dem Haas‘ Vorgänger sicherlich hilfreich unter die Arme greift: Denn mit Martin Peters ist ein Stolberger ebenso unangefochten der erste Sozialdemokrat im Altkreis.

Zahlreich sind in den vergangenen elf Monaten die Sitzungen von Vorständen und anderen Parteizirkeln gewesen, berichtet Haas. „Inhaltlich hat es sehr viele Diskussionen gegeben“. Debatten, die der Biologie- und Chemielehrer nicht aus dem Weg gegangen ist. Im Gegenteil. Stets habe er nicht nur den Dialog gesucht, sondern gefordert. Und das durchaus erfolgreich, bewertet Haas. Die Stolberger SPD habe neue Mitglieder gewonnen. „Wir können jetzt eine AG 20/30 aufmachen“, schmunzelt der Parteichef und blinzelt den vielen jungen Parteitagsdelegierten zu. Mit Sozialraum- und Schulentwicklungsplanung sprächen Partei und Fraktion ja auch ein echtes sozialdemokratisches und junges Klientel an.

Entsprechend ist der Ausblick des Vorsitzenden. Die SPD müsse noch jünger und weiblicher werden. Noch mehr neue Mitglieder sollen gewonnen werden. Die Partei wolle die individuellen Stärken ihrer Genossen intensiver nutzen. Deshalb solle der Beisitz im Vorstand mit Themenbereichen versehen werden. Und auf dem Weg ins Wahljahr 2020, für das die Sozialdemokratie die Rückeroberung der Ratsmehrheit und des Bürgermeistersessels in Stolberg als Ziel für sich reklamiert hat, sollen eben die sozialdemokratischen Züge der großen Koalition intensiver herausgestellt werden. Und im Inneren der Koalition wolle die Partei vermehrt darauf achten, dass die soziale Gerechtigkeit nicht unter die Räder komme.

So setzt auch das Personaltableau des einstimmig im Amt bestätigten Vorsitzenden auf mehr weibliche und jüngere Gesichter. Aber ein Mal begehrt die Basis aus dem Osten des Stadtverbandes auf, als es um die bedeutungsschwangere Position der stellvertretenden Schriftführung innerhalb des geschäftsführenden Vorstandes geht. Heike Mees, 49 Jahre und Krankenschwester, steht auf der Liste des Vorstandes. Aus ihrem Ortsverein Ost kommt der Gegenvorschlag: Tobias Behlau, 19 Jahre und Sozialarbeiter.

Als Vorsitzender der Jusos gehört der Newcomer zwar ohnehin dem Stadtverbandsvorstand qua Amt an, aber er möchte im engeren Kreis mitreden können. Der Vorschlag der Vize-Vorsitzenden Hanne Zakowski, die an diesem Abend von der Spitze ins zweite Glied rückt, Mees als stellvertretende Schriftführerin zu wählen und Behlau als Bildungsbeauftragten, findet keine Mehrheit.

Es kommt zur Kampfkandidatur zwischen Heike Mees („Ich war schon immer eine gefühlte Sozialdemokratin“ und „mein Großvater hat gegen die Nazis gekämpft“) und Tobias Behlau („Mein Vater war leider bei der CDU, aber ein schwarzes Schaf hat ja jede Familie“). Das Ergebnis ist deutlich: 17 Stimmen für Mees, aber 22 für Behlau.

Die übrigen Wahlen liegen im Plan, wobei wenige Nein-Stimmen oder Enthaltungen persönliche Noten widerspiegeln. Während Arndt Kohn als stellvertretender Parteivorsitzender wiedergewählt wird, rückt mit Yvonne Mees die Vorsitzende der AsF als Nachfolgerin von Hanne Zakowski in den Führungszirkel der Stolberger Genossen auf (siehe Box).

Arbeitsgemeinschaften berichten

In mehr oder minder kurzen Berichten informierten die Arbeitsgemeinschaften der Jusos, der Frauen in der SPD und 60plus über die Aktivitäten der vergangenen zwei Jahre. Alle Gliederungen engagierten sich bei Wahlkämpfen wie Parteiveranstaltungen und boten darüber hinaus eigenständige politische Aktivitäten an. Die Stolberger Jusos sind mit vier Mitgliedern, die AsF mit fünf Mitgliederinnen auf Unterbezirksebene in den Vorständen vertreten.

AG 60plus-Chef Rolf Engels kündigte an, dass zum Fahrplanwechsel der Aseag im Juni ein City-Tarif für Stolberg zum Preis von 1,80 Euro eingeführt werde. Aus dem Städteregionstag berichtete Martin Peters, dass der Stolberger Antrag zur Aufwertung des Offermann-Platzes als Radwegestation von der SPD-Fraktion vehement unterstützt werde.

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