Einsamer Streiter für die Wochenmarkt-Tradition

Von: Dirk Müller
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Wochenmarkt-Bild
Hubert Krings hofft, dass mehrere Beschicker den Wochenmarkt auf der Liester wieder beleben. Foto: D. Müller

Stolberg-Liester. Hubert Krings steht regelrecht allein auf weiter Flur. Sein Obst- und Gemüsestand ist um 11.30 Uhr der einzige des Wochenmarkts auf dem Geschwister-Scholl-Platz. „Vor allem auf den kleineren Märkten wird es für uns immer schwerer. Früher kämpften wir auf den Wochenmärkten um die Kunden. Heutzutage kämpfen die Märkte um das reine Überleben”, klagt der Beschicker.

Der Hauptgrund sei die mangelnde Attraktivität vieler Märkte aufgrund des eingeschränkten Warenangebots. Wehmütig denkt Krings zurück an die Zeiten, als auf der Liester die „Wochenmarkt-Welt” noch in Ordnung war.

„Das war hier einmal ein richtig guter Markt mit vielen verschiedenen Beschickern. Backwaren, Blumen, Fisch, Käse, Textilien und andere Waren wurden verkauft, und die Händler profitierten voneinander, da es sich für die Kunden wirklich gelohnt hat, den Wochenmarkt zu besuchen.” Die Entwicklung sei schon lange rückläufig; die Händler und dadurch bedingt auch die Käufer blieben mehr und mehr aus, bedauert Krings.

Auf der Liester habe jüngst leider auch der Käseverkäufer eine weitere Lücke hinterlassen, da dieser sich für eine Umschulung entschieden habe und fortan dem Marktleben den Rücken zuwenden werde. „Immerhin ist meistens noch ein Wurstverkäufer auf dem Geschwister-Scholl-Platz anzutreffen, so dass ich mit meinem Obst- und Gemüsestand nicht den kompletten Wochenmarkt darstellen muss.”

Hubert Krings appelliert an seine Kollegen, den Standort wieder neu zu beleben: „Viele Beschicker wollen am liebsten nur auf großen, florierenden Märkten verkaufen, doch die sind meist schon vollständig besetzt. Und einen besseren Markt als hier auf der Liester findet man donnerstags ohnehin nicht.”

Dass er selbst jeden Donnerstag von 7.30 bis 13 Uhr den Bewohnern der Liester die Treue halten kann, sei nur durch die Stammkundschaft möglich. Diese will ihrerseits seine frische Ware nicht missen, zumal Kohlrabi, Eier, Spitz- und Weißkohl, Wirsing und mehr vom eigenen Bauernhof stammen. Hinzu kommt, dass Service - wie die Lieferung schwerer Kartoffelsäcke frei Haus - für Krings eine absolute Selbstverständlichkeit ist.

„Außerdem nutzen die Leute den Wochenmarkt auch gerne zu dem ein oder anderen kleinen Plausch, sozusagen als eine Art Nachbarschaftstreff”, beschreibt der erfahrene Beschicker einen weiteren Aspekt der Tradition des Wochenmarkts. Und die will er ebenso wenig aufgeben wie seine Stammkunden.
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