Einen solchen Opa wünscht sich jedes Kind

Von: Heike Eisenmenger
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Einen Großvater wie  Jakob Ne
Einen Großvater wie Jakob Neumann, der sein eigenes Karussell baut, hätte bestimmt jedes Kind gern. Foto: Heike Eisenmenger

Stolberg. Es gibt wohl kaum ein Kind, das Jakob Neumann nicht gern als Großvater hätte. Der 74-Jährige hat nämlich ein ungewöhnliche Leidenschaft: Er baut Karussells und Miniatureisenbahnen. „Mein eigenes Karussell zu bauen, davon habe ich schon immer geträumt”, erzählt Neumann und sein Blick wandert über das kleine Kettenkarussell, das im gemächlichen Tempo beim Lichterfest in Schevenhütte seine Runden dreht.

„Das habe ich alles selbst gemacht, nur das Getriebe und der Motor sind fertig gekaufte Teile”, erklärt Neumann stolz, der 40 Jahre lang in Mausbach eine Schlosserei betrieb und vor Jahren den Prototyp einer Blutabfüllmaschine konstruierte. Und seitdem sein Sohn den Betrieb übernommen hat, kann der Senior voll und ganz seiner Leidenschaft frönen.

„Ich liebe meinen Beruf”

„Wissen Sie, ich habe immer gern gearbeitet; ich liebe meinen Beruf”, betont der Rentner. „Mir tun die Menschen leid, die ihre Arbeit nicht gern machen”, sagt er plötzlich. Wer keine Befriedigung in seiner Arbeit finde, werde auch nie wirklich gut sein indem, was er tue. Mit dem Karussellbau hat der erfahrene Schlossermeister aber nicht erst als Ruheständler begonnen, sondern bereits zu der Zeit, als er noch die Firma leitete.

Von früh bis morgens arbeiten und dann die wenige Freizeit auch noch in der Werkstatt zu verbringen - dafür muss man wie Neumann besessen sein. „Wie viele Arbeitsstunden ich in das Kettenkarussell investiert habe, ist fast unmöglich zu schätzen. Daran arbeiten konnte ich ja meistens nur an den Wochenenden.” Zudem habe sich das Genehmigungsverfahren lange hingezogen:„Alles in allem habe ich bestimmt zwei Jahre gebraucht.”

Die Genehmigungen seien der teuerste Part bei dem Ganzen gewesen, „Gutachten und Gebühren haben mehrere tausend Euro gekostet. Aber darauf kommt es nicht an”, erklärt Jakob Neumann und das glaubt man ihm sofort, denn als die Kinder auf das Kettenkarussell zustürmen, leuchten seine Augen und er strahlt über das ganze Gesicht.

Das Schwierigste bei einem selbst gebauten Karussell seien nicht etwa Herausforderungen (bau)technischer Art oder die Elektronik - „es sind die Genehmigungen.” Mit dem Prototyp des Kettenkarussells war er glatt gescheitert. „Als Unterbau für das Karussell hatte ich das Chassis eines alten Wohnwagens genommen. Das Karussell muss schließlich wie ein Anhänger auf der Straße transportiert werden können.”

Das Problem war nicht das Chassis an sich, sondern die fehlenden Dokumente des Unterbaus. „Es gab keine Seriennummer, Papiere zum Wohnwagen hatte ich nicht; der existierte ja längst nicht mehr”, erklärt Neumann. Weil er keine Papiere für das Chassis vorzeigen konnte, wurde die Zulassung verweigert und er musste von vorne beginnen. Von Rückschlägen lässt sich ein Jakob Neumann aber nicht entmutigen. Der Schlosser konstruierte sein eigenes Chassis.


Jedes Glied hält 300 Kilo


Besonderen Augenmerk legt der TÜV auf die Statik; sie muss extreme Belastungen aushalten können. „Jedes Glied ist einzeln von mir angefertigt und vorher so berechnet worden, dass es bis 300 Kilogramm trägt”, erklärt der 74-Jährige und streichelt mit den vom Arbeiten schwieligen Händen über die Metallkette, an der der Schaukelsitz hängt.

Der „Härtetest” wurde mit schwergewichtigen Bekannten durchexerziert, erzählt der Tüftler lachend. Normalerweise sind die Fahrgäste zwar Kinder, aber das hohe Gewicht muss das Karussell trotzdem aushalten können. Bei einem Sturm können im Extremfall Kräfte auf die Konstruktion einwirken, die das Material genauso beansprucht, als würde es mit 300 Kilogramm belastet. Zum Lichterfest in Schevenhütte hat er aber nicht nur sein Kettenkarussell mitgebracht, sondern auch seine Eisenbahn, auf die man drauf setzen und mitfahren kann.

Jakob Neumann schlüpft in die Rolle des Lokomotivführers, und gibt das Signal zur Weiterfahrt. Eine Schar fröhlicher Mädchen ist zugestiegen, die augenscheinlich mächtig Spaß daran haben, auf den Waggons thronend im Kreis zu tuckern.

Angetrieben wird die Eisenbahn mit einem Akku, den Neumann aus einem Bagger ausgebaut hat. Die mobile Anlage sei aber nichts im Vergleich zu dem Schienennetz, das seinen Garten in Mausbach durchzieht. Zur Zeit arbeitet er an einer mit Dampf betriebene Lokomotive. Jetzt freuen sich die Kinder aus der Nachbarschaft auf die Premierenfahrt. Wenn Neumann die Lokomotive anwirft, kann er sicher sein, dass sich binnen kürzester Zeit zahlreiche junge Mitreisende einfinden.

Einen Großvater zu haben, der Karussells baut und durch dessen Garten eine Miniatur-Eisenbahn tuckert, davon träumt doch wohl jedes Kind.
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