Eine Zeitreise mit Fotos und vielen Erkenntnissen in der Kupferstadt

Von: Sonja Essers
Letzte Aktualisierung:
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Interessante Einblicke: Unsere Leser auf Tour durch das Oberstolberg von vor 100 Jahren.
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Oberstolberg vor 100 Jahren und heute: Stadtarchivar und Historiker Christian Altena zeigt unseren Lesern, wie sich Rathaus, Kaiserplatz und natürlich auch die Altstadt, die auf dem Foto zu sehen ist, in den vergangenen 100 Jahren verändert haben. Foto: Sonja Essers
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Natürlich gibt es auch die eine oder andere Frage, die Christian Altena (links) unseren Lesern während der Tour gerne beantwortet.
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Ein beliebtes Motiv für Fotografien war auch damals schon die Stolberger Burg.

Stolberg. Wie sah Oberstolberg eigentlich vor 100 Jahren aus, und wie zeigt es sich heute? Im Rahmen unserer Lesertouren „7 x Sommer in Stolberg“ stand nun der erste Ausflug an. Mit Stadtarchivar und Historiker Christian Altena ging es unter dem Motto „Stolberger Ansichten auf Tour“ auf eine kleine Zeitreise, die für den einen oder anderen Teilnehmer mit etlichen neuen Erkenntnissen endete.

Los ging die Entdeckungsreise am Vogelsänger-Denkmal am Rathaus. Im Gepäck hatte Christian Altena 18 Fotografien, die darstellen sollten, wie sich Rathaus, Kaiserplatz, Steinweg und Altstadt in den vergangenen 100 Jahren verändert haben. Gemacht wurden die Aufnahmen von Bertha Steinfels und Hubert Lütters, den bekanntesten Stolberger Fotografen der Vorkriegszeit. Sie hinterließen beeindruckende Stadtansichten, die auch unsere Leser das eine oder andere Mal zum Staunen brachten. Mittlerweile gehören die Fotografien zum Bestand des Stadtarchivs.

Burg und Altstadt

Die ersten Fotografien von Stolberg stammen übrigens aus den 1860er Jahren und zeigen vor allem die Burg – von ihrer nördlichen und ihrer südlichen Seite –, Oberstolberg und die Altstadt. Zu diesem Zeitpunkt war die Fotografie allerdings noch kein Massenmedium, wie Christian Altena unseren Lesern erklärte. Das erste bekannte Foto wurde im Jahr 1826 geschossen (siehe Infobox). „Damit ging die Ära von Malereien und Zeichnungen zu Ende“, so Altena.

Das Besondere: Da sich nur wenige Menschen eine Kamera leisten konnten, blieb die Fotografie denen überlassen, die ihr Handwerk beherrschten. „Da hat man nicht einfach so nebenbei gemacht. Deshalb war die Fotografie in der Mitte des 19. Jahrhunderts auch noch rar“, sagte Altena.

Das änderte sich ab 1926. Zu diesem Zeitpunkt kam die erste Kleinbildkamera auf den Markt, die das Fotografieren für alle zugänglich machte. „Zwischen 1880 und 1930 war Fotografie etwas Seltenes, etwas, das nur von Fachleuten ausgeübt wurde. Das sieht man auch an der Auswahl der Fotos“, sagte Altena. Was damals fotografiert wurde? Ganz einfach: Eindrucksvolles und Schönes. Banales oder Alltägliches gehörten nicht zu beliebten Motiven. Das lag vor allem daran, dass die Negative damals noch auf Glasplatten festgehalten wurden und das wiederum war ganz schön teuer, wie Altena erklärte. Deshalb mussten repräsentative Bilder her. „Das Schöne, Große und Gute stand im Mittelpunkt“, so Altena – auch in Stolberg.

Das wurde bereits zu Beginn der Tour deutlich. Das erste Bild zeigte die Hauptverkehrsstraße – Straßenbahngleisen inklusive –, hohe Laternen und das Rathaus der Stadt, dessen ursprüngliches Gebäude auch heute noch bewundert werden kann. „Dieses Foto zeigt das Porträt einer Stadt, die alles hat, worauf man in Stolberg stolz war“, meinte Altena und machte nur wenige Sekunden später eine kleine Einschränkung. Denn: Gerade das Rathaus sei bei den Stolbergern damals nicht sonderlich beliebt gewesen. „Stolberg war damals eine aufstrebende Industriestadt. Da wirkte das Rathaus einfach nur alt“, erklärte Christian Altena. Ein Teil des Gebäudes wurde schließlich abgerissen und man entschied sich für einen Neubau in Form eines Turmes, der an den Ursprungsbau angepasst wurde.

Verändert hat sich auch der Kaiserplatz. Vor wenigen Tagen wurde dieser offiziell eröffnet und soll für die Stolberger einen Ort der Erholung mitten in der Stadt darstellen. Das war auch im Jahr 1891 Aufgabe des Platzes, damals sah er anders aus. Zahlreiche Bäume und Pflanzen sollten das Bürgertum zum Flanieren anregen. Ein Spaziergang im Wald sei damals undenkbar gewesen, vielmehr wollte man in der Innenstadt Grünflächen unterhalten.

Veränderungen gab es auch im Steinweg. Nicht nur die Straßenbahnlinie, die dort fuhr, ist verschwunden. Auch der eine oder andere Bau – beispielsweise der Tuchmacherhof der Familie Offermann – existiert nicht mehr.

Nicht gerne fotografiert

Dafür sind die Altstadt und die Burg bei Stolbergern und Touristen beliebt. Doch auch das war nicht immer so. „Die Altstadt wurde damals nicht gerne fotografiert, weil sie eben alt war“, so Altena. „Die Altstadt war damals noch kein wirklicher Begriff. Es galt eher die Devise, die alten Häuser abzureißen. Das hat sich mittlerweile natürlich gewandelt“, so Altena.

Unsere Leser fanden großen Gefallen an der Tour, die nach zweieinhalb Stunden am Moritz-Kraus-Platz endete, und stellten Altena zahlreiche Fragen. Auch die Diskussion, welche Variante schöner sei – die heutige oder damalige – kam das eine oder andere Mal auf. Doch darauf hatte Altena die passende Antwort parat. „Man sollte eine Entwicklung zwar immer kritisch sehen, aber immer auch mit Verständnis dafür, wie es so kommen konnte.“

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