Stolberg - Eine weltweite Plattform für das lokale Gedenken

Eine weltweite Plattform für das lokale Gedenken

Von: Toni Dörflinger
Letzte Aktualisierung:
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Ganz neue Seiten: Das Schwarzbuch zu Ehren von 252 durch die Nationalsozialisten zu Tode gekommenen Bürgern der Kupferstadt ist jetzt auch im Internet zugänglich. Foto: M. Wyboris

Stolberg. 252 Menschen, die einst in Stolberg lebten oder sich vorübergehend in der Kupferstadt zwangsweise aufhielten, sind damals von den Nationalsozialisten ermordet worden. Diesen Menschen - ob sie nun Zwangsarbeiter oder Geistlicher, Roma oder Kommunalpolitiker, Bürger jüdischen Glaubens oder Kriegsgefangener waren - hat man ein Gedenkbuch gewidmet, das sich in Anlehnung an die Farbe der Trauer „Schwarzbuch” nennt.

Karen Lange-Rehberg hat jenes Schwarzbuch erstellt, das jetzt auch im Internet verfügbar ist. Die 67-jährige Lehrerin, Mitglied des Bündnisses gegen Radikalismus, erforscht seit Ende der 1980er Jahre die Geschichte der von den Nazis ermordeten 252 Menschen. Die Ergebnisse dieser Forschungen wurden 2005 erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt.

Schon damals wurde die Veröffentlichung als Schwarzbuch bezeichnet. Als Schwarzbuch allein schon deswegen, weil das Werk Gedenkblätter enthält. Gedenkblätter, die in kurzer Form den Lebensweg der in den Konzentrationslagern oder an anderen Orten ermordeten Menschen wiedergeben.

Unvollständiges Lebensbild

Ergänzt werden die Biografien, falls vorhanden, durch Bilder, die den Toten ein Gesicht geben sollen. Die jetzt verfügbare Internetversion, die Markus von der Stein und Friedrich Gruschei erstellt haben, ermöglicht Schülern, Familienforschern, Nazigegnern oder politisch interessierten Menschen Einblicke in den Lebens- und Leidensweg der Menschen, die dem Rassismus der Nazis zum Opfer fielen. Ein Lebensbild, das laut Karen Lange-Rehberg derzeit unvollständig ist und deshalb in naher Zukunft noch vervollständigt werden soll.

Intuitive Internetversion

Die Internetversion ist intuitiv und leicht zu handhaben. Wer im Hauptmenü den Button „Schwarzbuch 2010” anklickt, gelangt über weitere Buttons zu den Unterbereichen „Hinweise für Benutzer”, „Namensliste” sowie „Informationsquellen”. In der Namensliste sind, soweit sie denn bekannt sind, alle Menschen namentlich erfasst.

In der Rubrik „Gruppierungen” sind die Nazi-Opfer Gruppen zugeordnet, die unter anderem Bezeichnungen tragen wie Zwangsarbeiter oder Kriegsgefangene aus Russland und Frankreich sowie Roma-Familien. So taucht in dieser Liste auch eine Gruppe jüdischer Menschen auf, die aus Kölner Altenheimen stammend während des Zweiten Weltkriegs nach Mausbach gebracht wurden. Sie alle fanden später im KZ Theresienstadt den Tod.

In der Rubrik „Informationsquellen” sind entsprechend alle Quellen aufgelistet, derer man sich für das Projekt bedient hat. Überarbeitet wurde auch die ebenfalls 2005 erstmals herausgegebene CD, die den Titel trägt „Gegen das Vergessen: Menschen in Stolberg - Verschleppt, zur Zwangsarbeit gezwungen, ermordet”. Auf dieser CD sind jetzt Buttons vorhanden, die unter anderem das Erstellen einer Informationsmaske ermöglichen.

So können mit Hilfe dieser Informationsmaske ganz persönliche, individuelle Recherchen betrieben werden, bestätigt Lange-Rehberg, die versichert, dass diese Infomaske mit den Gedenkblättern des Schwarzbuches verknüpft ist.
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