Eine Schule an der Grenze der Belastbarkeit

Von: Michael Grobusch
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Eine Winterlandschaft umgeben von Mauern: Auf dem Schulhof an der Hermannstraße sorgt der Schnee derzeit für eine dankbar angenommene Abwechslung. Spielgeräte gibt es auf dem Gelände nicht mehr. Sie sind wegen Unfallgefahr allesamt abgebaut worden. Foto: M. Grobusch

Stolberg. „Es soll niemand mehr behaupten, dass es in diesem Viertel keine Unterstützung gibt.” Renate Krickel sagt diesen Satz mit viel Nachdruck. Und das hat seinen Grund.

„Ich bin sehr angetan von dem Engagement, das der Hermannschule entgegengebracht wird”, zeigt sich die Leiterin beeindruckt von den Erfahrungen, die sie vor allem in den vergangenen Monaten gemacht hat.

Die Feststellung der Politik, dass die klamme Stadt kein Geld habe für die Umgestaltung des Schulhofes, hatte die Betroffenen für einen Augenblick in eine Art Schockstarre versetzt. Doch schnell haben sich Lehrer und Eltern erholt und versuchen seitdem, mit Eigeninitiative und Eigenleistungen der Tristesse auf dem Außengelände ein Ende zu setzen.

Schon einige Verbesserungen erreicht

„Es tut sich einiges”, frohlockt Renate Krickel, auch wenn die Hilfe der öffentlichen Hand sehr überschaubar ist. Die brüchige Mauer, die den Schulhof von den angrenzenden Grundstücken trennt, wurde zum Teil neu verfugt. Das ging gar nicht anders, weil die Verkehrssicherungspflicht auf Seiten der Verwaltung liegt. Zudem - und das war dann immerhin kein Muss - wurde das nördlich des Hofes gelegene Wäldchen umzäunt, so dass es in Zukunft von der Schule genutzt werden kann. Allerdings nur, weil im Anschluss ein von der Stadt beauftragter Gartenbaubetrieb mit Hilfe zahlreicher Eltern für Ordnung gesorgt hat auf dem verwilderten Terrain.

Pädagogische Erfolge

Überhaupt: die Eltern. „Man müsste eigentlich mal den Wert ihrer Leistung in Stunden und Euro umrechnen”, meint die Schulleiterin. Da schwingt Begeisterung ebenso mit wie ein nachhaltiges Entsetzen darüber, dass die internationale Begegnungsschule mit knapp 230 Kindern aus 26 Nationen zwar ob ihrer pädagogischen Konzepte und Erfolge allseits und vielfach gelobt wird, mit ihrem Schulhof-Problem letztlich aber alleine gelassen wird. Renate Krickel berichtet von 60-Stunden-Wochen und davon, dass sie neben der Schul- jetzt quasi auch noch für die Projektleitung in Sachen Außengelände zuständig ist. Das führt immer häufiger an die Grenzen der Belastbarkeit - und lässt sich wohl auf Dauer nur leisten, „weil mein Team mitzieht und aus der Elternschaft so viel Resonanz kommt. Das ist enorm motivierend.”

In diesem Sinne wollen Schule und Eltern die Nordmauer im Februar eigenhändig abreißen, um einen Zugang zu einem Nachbargrundstück zu schaffen, auf dem in Zukunft ein Netzspielgerät seinen Platz finden soll. Und nicht nur das. Ein Teil des alten Schulhofes soll als Bolzplatz hergerichtet, ein weiteres Spielgerät samt Fallschutzmatten aufgebaut und im vorderen Bereich ein kleiner „Friedensgarten” angelegt werden, in dem Kinder eine Rückzugsmöglichkeit und Ruhe finden können.

Bewegungsbaustelle

In Kooperation mit der Jugendberufshilfe soll zudem der Versuch gestartet werden, in dem Wäldchen eine naturnahe Bewegungsbaustelle zu gestalten. All das muss die Schule jedoch aus eigener Kraft und mit Hilfe von Sponsoren schaffen. Auf 30.000 Euro schätzt Renate Krickel die Kosten. Und die fallen nur deshalb nicht deutlich höher aus, weil auch bei diesen Planungen erhebliche Eigenleistungen vorausgesetzt werden. „Ich hoffe, wir werden uns daran nicht verheben”, weiß die Schulleiterin, dass sie ein gewisses Risiko eingeht. Sie weiß aber auch, was sie und alle Mitstreiter gleichermaßen antreibt bei ihren entschlossenen Bemühungen: „Unsere Kinder haben etwas Besseres verdient als diesen Schulhof.”

Begegnungsfest und der Traum von einem betreuten Treffpunkt

„Mein Traum ist, dass der Schulhof in den Ferien und nach 16 Uhr zu einem betreuten Gelände und Treffpunkt wird”, hat Renate Krickel weitere Visionen. Um diese zu verwirklichen, will sie Gespräche mit dem Jugendamt aufnehmen und sondieren, inwieweit eine Zusammenarbeit beispielsweise mit dem mobilen Jugendsozialarbeiter Frank Döhla und dem städtischen Jugendtreff Westside möglich sein könnten. Klar ist für die Schulleiterin, dass ein solches Vorhaben unter der Federführung der Stadt angegangen werden müsste. „Das kann ich nicht auch noch koordinieren”, betont sie.

Keine Chancen gibt es unterdessen für eine Neugestaltung des Platzes vor dem früheren Haupteingang der Schule an der Hermannstraße. „Das würde uns alle überfordern”, sieht Renate Krickel hier keine Handlungsmöglichkeiten auf ehrenamtlicher Basis. „Da die Stadt ihrerseits gar nichts unternehmen will, wird der Bereich wohl vorerst nur abgepollert und bleibt ansonsten unverändert”, bedauert die Leiterin.

Am kommenden Samstag, 4. Dezember, feiert die Hermannschule zwischen 11 und 15 Uhr ihr Begegnungsfest als Beitrag zum „Interkulturenfestival”, das im Rahmen einer Veranstaltungsserie in Unterstolberg stattfindet. Der Erlös des Festes, an dem sich alle Klassen beteiligen, kommt der Neugestaltung des Schulhofes zugute.

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